Einmal um die Welt von

Solarflieger "Solar
Impulse 2" startet Weltreise

Fünf Monate unterwegs: 25 Flugtage sollen ohne Treibstoff bewältigt werden

Die mit Spannung erwartete erste Erdumrundung eines Solar-Flugzeugs hat begonnen. Mit dem Schweizer Piloten Andre Borschberg im Cockpit hob die "Solar Impulse 2" Montag früh vom Militärflugplatz im Golfemirat Abu Dhabi ab. Die Abenteurer hinter dem Projekt haben eine Mission: Sie wollen eine breite Öffentlichkeit, Politiker und Unternehmer zu mehr Einsatz für erneuerbare Energien bewegen.

Zwölf Stopps und insgesamt 25 Flugtage sind nötig, um die rund 35.000 Kilometer lange Strecke zurückzulegen. Das Solarflugzeug ist das erste, das Tag und Nacht ohne einen Tropfen Treibstoff fliegen kann. Ende Juli ist man - wenn alles klappt - wieder in Abu Dhabi retour.

Der Solarflieger "Solar Impulse 2" fliegt einmal um die Welt.
© REUTERS/Solar Impulse/Revillard/Rezo.ch/Handout via Reuters "Solar Impulse 2" (Si2)

Schmutzige Technologien sollen verschwinden

"Unsere Herzen schlagen schneller, wir fühlen das Fieber", sagte Piccard, Enkel des Abenteurers Auguste Piccard, wenige Tage vor dem Start bei einem Pressegespräch. Er will mit dem Projekt dazu beitragen, dass "die alten schmutzigen Technologien verschwinden und Mobilität endlich sauber wird". Diese Botschaft soll unter anderem bei den Zwischenlandungen verbreitet werden.

Auch privat setzt sich Piccard für Nachhaltigkeit ein: Er fahre ein Hybrid-Auto und habe durch die Adaptierung seines Hauses viel Energie eingespart. "Das zeigt, dass es nicht nur um Umweltschutz geht, sondern auch darum, Geld zu sparen", so der Öko-Pionier, der im Flugzeug Temperaturen zwischen minus 20 und plus 30 Grad aushalten muss. Er will ein Zeichen setzen, "wie saubere Technologien den Verbrauch der natürlichen Ressourcen und unsere Abhängigkeit von fossilen Energien verringern können".

Der Solarflieger "Solar Impulse 2" fliegt einmal um die Welt.
© REUTERS/Solar Impulse/Revillard/Rezo.ch/Handout via Reuters Mit Blick auf Abu Dhabi

Flieger mit 17.000 Solarzellen ausgestattet

Dieses Zeichen ist aktuell ein einsitziges Karbonfaser-Flugzeug, das mit mehr als 17.000 Solarzellen ausgestattet ist, nur rund 2.300 Kilogramm wiegt und eine Spannweite von 72 Metern hat - es überflügelt damit einen Jumbo Jet. Untertags laden sich die 633 kg schweren Lithium-Batterien, die die vier Elektromotoren antreiben, ausreichend auf, um bis zum nächsten Sonnenaufgang weiterfliegen zu können. Das Flugzeug steigt tagsüber auf eine Höhe von rund 9.000 Metern und sinkt in der Nacht auf 1.500 Meter, um Energie zu sparen. Insgesamt arbeitet das Team seit rund zwölf Jahren auf den Start hin. Die Projektkosten betragen rund 160 Millionen US-Dollar (145 Millionen Euro).

Highlight soll ein fünf Tage und Nächte dauernder Flug über den pazifischen Ozean werden. Zwar wurde bereits im Jahr 2010 mit einem 26-stündigen Flug ohne Zwischenstopp bewiesen, dass das Flugzeug am Tag ausreichend Energie speichern kann, um nachts weiterzufliegen. Nun müssen die Piloten aber ungleich mehr leisten: Geplant sind lediglich mehrere über den Tag verteilte Nickerchen von 20 Minuten Dauer, in denen der Autopilot übernimmt. Sonst gilt es, die fünf Tage konzentriert zu bleiben. Während des Fluges müssen die Piloten den Angaben zufolge pro Tag rund zwei Kilogramm Nahrung und drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, um den hohen Kalorienbedarf zu decken. (Mehr dazu: Das essen die Solarflugzeug-Piloten )

Der Solarflieger "Solar Impulse 2" fliegt einmal um die Welt.
© REUTERS/Solar Impulse/Revillard/Rezo.ch/Handout via Reuters

Etliche Rückschläge erlebt

Immer wieder war man mit Rückschlägen konfrontiert. Auf die Frage, ob er jemals ans Aufgeben gedacht habe, sagte Piccard: "Am Anfang hatten wir kein Geld und keine Partner. Aber wir haben eine Pressekonferenz abgehalten. Dadurch konnten wir nicht mehr zurück oder aufgeben." Zwar gab es Probleme, etwa im Jahr 2013, "da standen wir kurz vor dem Bankrott". Mit Unterstützung des Internetriesen Google ging es aber doch weiter.

Nun ist geplant, über Maskat im Oman nach Indien und China bis in die USA zu fliegen. Von New York aus soll es dann über den Atlantik nach Südeuropa oder - abhängig von der Witterung - nach Nordafrika und schließlich Ende Juli/Anfang August wieder an den Persischen Golf gehen. Probleme könnte es neben den Wetterbedingungen auch mit Überfluggenehmigungen in manchen Ländern geben. Piccard zeigte sich dennoch optimistisch, was den Flug betrifft. Sollte etwas schiefgehen, sind im Pilotensitz jedenfalls ein Fallschirm sowie eine (aufblasbare) Rettungsinsel integriert.

Die Idee zu dem Projekt "Solar Impulse" kam dem Abenteurer unmittelbar nach seiner Landung nach der ersten Nonstop-Heißluft-Ballonfahrt um die Welt im Jahr 1999. "Wir sind mit 3,7 Tonnen Treibstoff gestartet und sind mit 40 Litern gelandet - wir wären also beinahe daran gescheitert", sagte der Schweizer. Damals schwor er sich, den nächsten Flug völlig unabhängig von Treibstoff zu absolvieren.

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