Soeder bleibt ohne Medaille in Peking: Im Zeitfahren der Frauen nur auf Platz sieben

Verpasst Bronze um nur rund 30 Sekunden Gold geht an die US-Amerikanerin Armstrong

Soeder bleibt ohne Medaille in Peking: Im Zeitfahren der Frauen nur auf Platz sieben © Bild: APA

Österreich hat bei den olympischen Rad-Straßenrennen in Peking keine Medaille gewonnen. Nachdem sie als Vierte im Straßenrennen Bronze um vier Sekunden verpasst hatte, musste sich die nicht ganz gesunde Medaillenhoffnung Christiane Soeder im Zeitfahren mit Platz sieben begnügen. Gold ging an die mit ihrem Namensvetter Lance nicht verwandte Topfavoritin Kristin Armstong aus den USA vor der Britin Emma Pooley. Die 49-jährige Jeannie Longo verpasste Bronze gegenüber der drittplatzierten Schweizerin Karin Thürig um nur 1,63 Sekunden.

Wenn die im Oktober 50 werdende, französische Rad-Oma nach 13 Weltmeistertiteln und ihren siebenten Spielen in Folge endgültig das Handtuch werfen sollte, vollzieht Soeder diesen Schritt schon per Saisonende. Und damit fast 17 Jahre früher als die Lehrerin aus Grenoble, die den olympischen Altersrekord im Rad hält und bei der es nach dem verregneten Straßenrennen gehörig in den Nerven zwickte und zwackte.

Die 33-jährige Soeder, Ärztin und gebürtige Deutsche, will hingegen schon nach der WM in Varese das Rennrad wettkampfmäßig an den Nagel hängen. Und sich der Familiengründung sowie ihrem Beruf als angehende Sportärztin widmen.

Zu hohes Anfangstempo
Leider ohne die krönende Olympia-Medaille, auf die Soeder seit Zeitfahr-Bronze bei der Vorjahres-WM in Stuttgart so sehr gehofft hatte. Auf der hügeligen 23,8-Kilometer-Runde rund um das Juyongguan-und Badaling-Tor der Chinesischen Mauer fiel Soeder wieder in einen alten Fehler zurück und trat viel zu schnell an. Nach sieben Kilometern lag sie vor Armstrong und Longo. Bei der offiziellen Zwischenzeit war Soeder Zwölfte, am Ende fehlten der völlig erschöpften Österreicherin aber fast 30 Sekunden auf Bronze.

"Ich hab mich schon in der Früh nicht so gut gefühlt, vielleicht ein Infekt", rätselte Soeder, die bei schwül-heißem Wetter als Viertletzte ins Einzelzeitfahren gestartet war und nach ihrer Zielankunft minutenlang gestützt werden musste. "Als man mir sagte, dass ich vor Armstrong bin, war ich supereuphorisch. Aber am Schluss bin ich völlig eingangen, bin nur noch irgendwie am Rad gesessen. Das war echt an der Grenze, vielleicht sogar drüber", gab die radelnde Medizinerin zu.

"Ich habe alles gegeben"
Soeders Enttäuschung hielt sich einerseits in Grenzen. "Ich habe alles gegeben, deshalb kann ich mich auch nicht ärgern." Umgekehrt bemängelte sie aber vor allem im zweiten Teil fehlende Information aus dem Betreuerauto, wo man "technische Probleme" gehabt hatte. "Ich brauche gerade im Zeitfahren die Anfeuerungen ganz dringend, aber da war heute nichts", sagte Soeder. Dass sie als Zeitfahrspezialistin im Straßenrennen deutlich erfolgreicher gewesen war, habe sie nicht wirklich überrascht. "Irgendwie habe ich das schon gespürt, die Strecke lag mir."

Unter dem Strich trug Soeder die verpasste Olympia-Medaille aber mit Fassung. "Sport ist für mich zwar superwichtig, aber da gibt's auch eine Menge anderer Dinge." Sie wird deshalb nach der WM den geordneten Rückzug überlegen. "Weil ich gerne eine Familie gründen möchte, und dann gibt's ja auch noch mich als Ärztin", erklärte die mit dem Ex-Mittelstreckler Bernhard Richter liierte Athletin, die im sportmedizinischen Präventivbereich tätig sein will. "Das hat in unserer Gesellschaft Zukunft, man muss schon bei den Kindern beginnen."

Dass Österreichs Damen-Straßenradrennsport mit dem Rücktritt der vor fünf Jahren eingebürgerten Soeder wieder in die Steinzeit zurückfällt, hofft Klaus Kabasser nicht. "Sie ist natürlich nur sehr schwer zu ersetzen. Aber sie hat auch einiges nach sich gezogen. Wir haben Silber bei Juniorinnen-EM geholt und auch Andrea Graus wird bald wieder kommen", ist der ÖRV-Damenchef überzeugt.

(apa/red)