Soeder verpasst nur knapp eine Medaille:
Österreicherin wird bei Straßenrennen 4.

Musste erst auf letzten 200 Metern klein beigeben Sieg nach 126,4 km geht an die Britin Nicole Cook

Soeder verpasst nur knapp eine Medaille:
Österreicherin wird bei Straßenrennen 4.

Fast hätte es für Österreich auch am zweiten Tag der Olympischen Spiele in Peking eine Medaille gegeben. Christiane Soeder musste sich im Rad-Straßenrennen der Frauen erst auf den letzten Metern beugen und wurde Vierte. Gold ging in Abwesenheit der wegen Dopings gesperrten Weltmeisterin Marta Bastianelli nach 126 Kilometern bei großteils strömendem Regen an die Britin Nicole Cooke vor Emma Johansson aus Schweden und der Italienerin Tatia Guderzo. ÖRV-Meisterin Monika Schachl wurde 46.

Nur vier Sekunden hinter dem Medaillen-Trio kam nach einer dreieinhalbstündigen Regenschlacht eine völlig ausgepumpte Soeder ins Ziel. Die 33-Jährige Ärztin hatte den letzten Teil das gefährlichen Rennens maßgeblich mitbestimmt und zunächst ihre späteren Bezwingerinnen nicht nur an die führende Guderzo herangeführt, sondern auch in Führung gehalten. Für das geplante Entkommen aus dieser Fünfer-Gruppe reichte es dann aber nicht mehr und im Sprint war "Chrissie" wegen einer falschen Gangwahl chancenlos.

Während die favorisierten deutschen Damen ein Debakel erlitten, sorgte die gebürtige Deutsche Soeder aber dennoch für das bisher beste Radsport-Ergebnis einer Österreicherin bei Olympia. "Gemischte Gefühle", gestand sie nach dem "Blech"-Rang verständlicher Weise ein.

"War wohl schon müde"
"Vierte zu werden ist etwas undankbar, obwohl es eine Super-Platzierung ist", sagte Soeder seufzend. "Ich dachte wirklich, dass ich nochmal wegfahren kann, war aber von meinen vielen Aktivitäten wohl schon etwas müde", gestand sie. "Ich sollte mit dem Rennen zufrieden sein, ärgere mich aber natürlich auch etwas, denn Vierte zu werden ist echt Pech."

Einen Tag nach der Hitzeschlacht bei den Herren ging das Rennen in Peking zwar bei trockenem Wetter los, bereits nach einer Stunde kam aber der große Regen. Im Gegensatz zu den Herren wurde bei den Frauen, die den abschließenden und hügeligen 23,8-Kilometer-Kurs nur zweimal zu befahren hatten, auch auf der flachen Anfahrt auf dem Badaling-Expressway kein früher Ausreißversuch zugelassen. Speziell in dieser Phase zeigte sich Schachl immer aufmerksam an der Spitze, während Soeder im Feld ihre Kräfte schonte.

Als Fünfte in die Schlussrunde
Als die Fahrerinnen bereits pudelnass erstmals am malerischen, 60 Kilometer nördlich von Peking liegenden Juyongguan-Pass ankamen, zeigten sich vor allem die Russinnen aktiv. Natalja Bojarskaja führte das Feld mit 35 Sekunden Vorsprung in die letzte Runde, wurde aber von einer kleinen Gruppe, der auch Guderzo angehörte, gestellt. Soeder ging als Fünfte und im Hauptfeld in die Schlussrunde.

18 km vor Schluss ging es auf der gefährlich rutschigen Straße, auf der einige Fahrerinnen sogar besorgniserregend in einen betonierten Kanal stürzten, wirklich zur Sache. Und hier zeigte sich Soeder von der besten Seite. Sieben Kilometer vor Schluss nahm sie sogar das Heft selbst in die Hand und stellte zusammen mit drei weiteren Fahrerinnen die führende Italienerin.

"Zu hohen Gang gewählt"
16 Sekunden Vorsprung hatte diese kleine Spitzengruppe, als es zum letzten Anstieg kam. 200 m vor dem Ziel wurde der Sprint angezogen. Aber während Cooke die erste Straßenmedaille für Großbritannien holte, riss Soeder sofort ab. "Ich habe leider einen zu hohen Gang gewählt, dachte, dass ich noch mehr drauf habe", ärgerte sich die Österreicherin. "Ein Super-Rennen von mir. Schade, dass es unbelohnt blieb".

Zuversichtlich stimmte sie aber, dass ihr der hügelige Rundkurs, auf dem das Zeitfahren stattfindet, sehr liegt. Soeder gilt als heiße Medaillenanwärterin. Platz vier wird daher nicht gefeiert, "sonst wird das Zeitfahren ein Debakel. "Ich muss mich jetzt in erster Linie erholen, das Straßenrennen war anstrengend und extrem gefährlich. Es war glatt wie auf Eis".

"Wie auf Schmierseife"
Schachl war mit ihrem Olympia-Debüt zufrieden. "Das Rennen war der helle Wahnsinn. Es war extrem gefährlich, wie auf Schmierseife", berichtete die 30-jährige Mondseerin. "Schade um Chrissie. Ich habe so lange es ging, gut aufgepasst."

RADSPORT - Damen - Straßenrennen (126,4 km):
1. Nicole Cooke (GBR) 3:32:24 Stunden
2. Emma Johansson (SWE)
3. Tatiana Guderzo (ITA), alle gleiche Zeit
4. Christiane Soeder (AUT) 0:04 Min. zurück
5. Linda Serup Melanie Villumsen (DEN) 0:09
6. Marianne Vos (NED) 0:21
7. Priska Doppmann (SUI)
8. Paulina Brzezna (POL)
9. Edita Pucinskaite (LIT)
10. Sulfia Sabirowa (KAZ) alle gleiche Zeit
Weiter:
46. Monika Schachl (AUT) 4:13

(apa/red)