So casht die UEFA mit "König Fußball" ab:
EM-Umsätze steigen um das 30-fache an

FORMAT: Haupteinnahmequelle sind Medienrechte Sponsoren profitieren von Monopolstellung der UEFA

So casht die UEFA mit "König Fußball" ab:
EM-Umsätze steigen um das 30-fache an © Bild: Reuters

"Fußball ist Geschäft. Und Geschäft ist Geschäft", so der Leitspruch von FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß. Tatsächlich ist der internationale Fußball zum Spiel ohne finanzielle Grenzen geworden. Die großen Organisationen - der Weltfußballverband FIFA und seine potenteste Tochter, die Europäische Fußballunion UEFA - sind heute multinationale Unternehmen. Die UEFA hat ihre EM-Einnahmen allein seit 1992 auf das knapp 30fache gesteigert.

Bei der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz rechnet die UEFA mit einem Gesamtumsatz von mindestens 1,25 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Bei der Endrunde 1992 wurden insgesamt nur etwa 39 Mio. Euro an Umsatz erzielt. Ein Ende der rasanten Entwicklung ist nicht in Sicht. Dazu besteht für das angebotene Gut eine zu intensive Nachfrage: Beim Turnier im Juni, dem medial zweitgrößten Sportevent der Welt, werden 1,13 Millionen Stadienbesucher und sieben Milliarden TV-Zuschauer in über 200 Ländern erwartet.

Teure TV-Rechte
Die UEFA, deren Stellung als einziger Kontinentalverband für Europa durch FIFA-Statuten abgesichert ist, macht aus ihrer Monopolstellung keinen Hehl - insbesondere die Fernseh- und Kommerzrechte haben sich in eine ungeahnte Dimension verteuert. Der Kartenverkauf, 1996 mit 44 Prozent (62,2 Mio. Euro) noch Haupteinnahmequelle, ist zu einer vergleichsweise vernachlässigbaren Größe geworden. Auch Sponsoren lassen die UEFA-Kassen klingeln: Laut Österreich-Turnierdirektor Christian Schmölzer wurden allein von den insgesamt 17 offiziellen Sponsoren mehr als 300 Millionen Euro eingenommen. Die sechs "UEFA-EUROTOPS-Partner" MasterCard, Carlsberg, McDonald's, Coca-Cola, JVC und Hyundai haben bereits 2005 bis 2009 gültige Rechtepakete für verschiedene Bewerbe der UEFA - darunter die Euro 2008 - für insgesamt mehr als 250 Millionen Euro erworben. Mega-Investitionen zur Steigerung von Image und Bekanntheit - rein finanziell würden sich diese laut Marketingexperte Manfred Bruhn nicht rechnen.

Dass dem Reibach der UEFA vielerorts mit Argwohn begegnet wird, wundert nicht: Der Verband tritt gern mit diktatorischem Gehabe, detailversessenen Auflagen und Prinzipienreiterei auf. "Veranstalter von Bewerben neigen dazu, ihre marktbeherrschende Stellung zugunsten ihrer Topsponsoren einzusetzen", weiß Nikolaus Rosenauer, Wirtschaftsanwalt mit Schwerpunkt Fußballsponsoring. "Die Grenze zum Missbrauch ist rechtlich umstritten."

Vor allem Public-Viewing-Veranstalter und offizielle Fanzonen sind vom kompromisslosen Werberegime der UEFA betroffen. "Als Veranstalterland mussten wir uns bestimmten Spielregeln unterwerfen", so Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, "obwohl ich einige Einschränkungen seitens der UEFA für überzogen halte." Vor allem die Registrierung von insgesamt neun Wortmarken (etwa "Euro 2008" und "EM 2008") sowie das rigide Werbeverbot für Nichtsponsoren in den Fanzonen sind Jank ein Dorn im Auge.

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