Snowden-Jagd von

Sondergipfel nach Eklat

Zwölf Südamerika-Staaten beraten nach Morales-"Kidnapping" am Wiener Flughafen

Snowden-Jagd - Sondergipfel nach Eklat © Bild: APA/Fohringer

Eine Gruppe von zwölf südamerikanischen Staaten will zu einem Sondergipfel wegen des Eklats um den Flug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales zusammenkommen. Bei der Verweigerung von Überflugrechten für die Maschine Morales' handle es sich um "Kidnapping", erklärte das Staatenbündnis UNASUR.

THEMEN:

Morales war am Mittwoch gezwungen, bei seinem Heimflug von Moskau einen Zwischenstopp in Wien einzulegen, weil ihm nach seinen Angaben während des Fluges die Überflugrechte für Portugal und Frankreich entzogen worden seien. Grund dafür sei der Verdacht gewesen, dass der US-Geheimdienstinformant Edward Snowden an Bord sei, hatte die bolivianische Regierung erklärt und von einer "Geiselhaft" gesprochen.

Verletzung des Völkerrechts

Ihre Teilnahme an dem Treffen im bolivianschen Cochabamba hätten bereits sechs der zwölf UNASUR-Präsidenten zugesagt, hieß es in einer Mitteilung. Bolivien hatte bereits am Mittwoch von einem aggressiven Akt und einer Verletzung des Völkerrechts gesprochen.

Dem UNASUR-Bündnis gehören Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay und Venezuela an.

Französische Entschuldigung

Frankreich hat die Probleme bei den Überflugrechten für das Flugzeug von Boliviens Präsident Evo Morales bedauert. Der französische Außenminister Laurent Fabius habe sich bei seinem bolivianischen Kollegen David Choquehuanca telefonisch entschuldigt, teilte die Regierung in Paris mit.

Frankreichs Präsident Francois Hollande erklärte, es habe "widersprüchliche Informationen" über die Passagiere an Bord gegeben. Als er aber erfahren habe, dass es das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten gewesen sei, habe er unverzüglich die Überfluggenehmigung erteilt, sagte Hollande.

Morales zuhause

Inzwischen ist der bolivianische Präsident in sein Heimatland zurückgekehrt. Der sozialistische Politiker wurde in La Paz von einer jubelnden Menschenmenge empfangen.

Die bolivianische Regierung hat die USA beschuldigt, im Zusammenhang mit der Fahndung nach Snowden Druck auf europäische Länder ausgeübt zu haben. "Das war eine offene Provokation gegen einen ganzen Kontinent und nicht nur gegen einen Präsidenten", sagte Morales bei seiner Rückkehr.

Drohungen der USA

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hat Sicherheitskreisen zufolge Staaten mitgeteilt, dass die Beziehungen zu seinem Land deutlich belastet würden, wenn sie Snowden die Erlaubnis zur Einreise geben würden. Nach internationalen Vereinbarungen dürfen zwar Zivilmaschinen Länder ohne besondere Erlaubnis überfliegen. Für Regierungsflugzeuge muss dagegen eine Genehmigung eingeholt werden.

Der bolivianische Außenminister wies unterdessen das US-Auslieferungsgesuch für Snowden zurück. Das Ansinnen sei "bizarr, rechtlich unbegründet und unüblich", da sich Snowden nicht auf bolivianischem Boden befinde, erklärte das Außenministerium. Gleichzeitig betonte die Regierung, der Ex-Geheimdienstmitarbeiter sei nie mit Morales in Russland zusammengetroffen.

Russische Finte?

Der frühere Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Gert-Rene Polli, vermutet unterdessen, dass Morales' unfreiwillige Landung auch eine Finte russischer Geheimdienste gewesen sein könnte.

Der Umstand, dass Snowden nicht an Bord der Maschine war, spreche für eine "russische operative Maßnahme der dortigen Nachrichtendienste, vor allem, um die Amerikaner vorzuführen und zu täuschen", sagte Polli am Mittwochabend in der Sendung "Journal Panorama" des Radiosenders "Ö1". "Das ist eine der größten Blamagen amerikanischer Außenpolitik und Dienstearbeit, die ich je gesehen hab."

Dass die Überflugsroute für das Flugzeug von Morales von mindestens drei NATO-Staaten nicht genehmigt worden sei, lasse befürchten, "dass der amerikanische Präsident seine Diplomaten in Marsch gesetzt hat, zumindest in Richtung Europa".

Kommentare

brabus melden

Wie heftig muß die Kack* am Dampfen sein wenn die Cowboys europäische Regierungen zwingen den Luftraum zu sperren und diese Regierungen demütig alles umsetzen was gefordert wird ?

melden

Europa ist hiermit jedenfalls jener Ort, wo die Amerikaner zur Entführung und Folterung fremder Staatsbürger problemlos Überfluggenehmigungen und andere Handreichungen erhalten, wo man aber wegen eines Mannes,der die freche und rechtswidrige Praxis des Puritanerstaats aufzeigte ,in vorauseilendem Gehorsam sogar diplomatische Usancen bricht. Drüben die aufgeblasenen Dummen und hier die europäischen Wurmfortsätze des amerikanischen Imperiums ,ein grausliches Biotop.
Oder anders gesagt, Europa, wo man, wenn man bespitzelt wird auch noch dankend auf dem Bauch und in Är....e kriecht.

brabus melden

Wenn wir weit genug in die Vergangenheit blicken erkennen wir, wer es war der Amerika kolonialisiert hat und was für Typen damals dort abgelagert wurden. Einige hundert Jahre später holt uns das wieder ein und instinktiv scheinen einige Staatsführungen zu Kreuze zu kriechen. Europa existiert lediglich als Kontinent, alles andere sind Staaten die mehr oder weniger (noch) friedlich miteinander dieselbe Kontinentalplatte besiedeln. Ein gemeinsames Auftreten wie sich das manche EU-Träumer vorgestellt haben wird es ohnhin nie geben.

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Ja, aber wer konnte damals ahnen, dass wenn wir sie dort auf der Insel aussetzen, dass die sich dort vermehren...

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Und bitte, ich muss jetzt schon auch mal @higgs70 einen Ordnungsruf erteilen

melden

Wieso? Mögen's meine "Zuckerseite" nicht?;-))

Aber es nutzt nix, manchmal geht's nicht anders, da muss man einfach Knigges Tanzboden verlassen und a bisserl deftiger formulieren, weil's höflich schlicht unmöglich ist;-)

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Da sich der "Beschuldigte" einsichtig zeigt...wenngleich nicht reumütig... ziehe ich den erteilten Ordnungsruf wieder zurück ;-)

Ignaz-Kutschnberger

Na schau, in La Paz sind die Leut auch froh, dass sie ihren geliebten Präsidenten wiederhaben ...
Wenns uns den Heinz kidnappen täten, würden wir auch blöd gucken...

Ulbrich: Und niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen
Obma: Und niemand hat die Absicht Flugzeuge abzufangen

"Über Lateinamerika fegt wegen der erzwungenen Zwischenlandung ein Sturm der Entrüstung"

Über diese Entrüstung in Latainamerika man in Europa und den USA lediglich müde lächelt.

Seite 1 von 1