SMS-Coach hilft beim Verzicht Zigaretten - Speziell für Jugendliche entwickeltes System

SMS-Coach hilft beim Verzicht Zigaretten - Speziell für Jugendliche entwickeltes System © Bild: Uta Herbert

Sozialmediziner der Universität Greifswald haben eine neue Methode entwickelt, um Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten zum Verzicht auf das Rauchen zu bewegen: Regelmäßige SMS überzeugen, liefern Argumente für die Abstinenz, unterstützen die Raucherentwöhnung und geben im Notfall Tipps, wie der drängende Wunsch zur nächsten Zigarette überwunden werden kann. Eine erste Studie in der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) zeigt, dass die Strategie aufgehen könnte.

Hinter dem SMS-Coach verbirgt sich eine der modernsten Methoden zur Raucherentwöhnung: Das transtheoretische Modell der Verhaltensänderung (TTM) erfreue sich bei Erwachsenen einer hohen Beliebtheit und erziele dort auch hohe Erfolgsraten, sagt Dr. Severing Haug vom Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Greifswald. In fünf Stufen werden Teilnehmer von einer ersten Stufe, Absichtslosigkeit, über Stufe zwei, Absichtsbildung, und Stufe drei, Vorbereitung zur Handlung, hingeführt zur Stufe vier, dem eigentlichen Verzicht auf die Zigaretten. Danach erhalten sie in Stufe fünf Unterstützung gegen den Rückfall. TTM arbeitet laut Dr. Haug mit sogenannten Expertensystemen. Das sind Computerprogramme, die auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen und sehr gezielte Ratschläge geben.

Meistens zu kompliziert
Das Problem: Die bisherigen Expertensysteme sind für die Personengruppe, die heute am häufigsten raucht, zu kompliziert. Dies sind junge Erwachsene mit geringer Bildung. Zwei Drittel aller 18- bis 19-Jährigen mit Hauptschulabschluss rauchen, während es bei den Abiturienten nur ein Drittel ist. Ein konventionelles TTM mit mehrseitigen Rückmeldebriefen, überfordert die Lesefertigkeit vieler Hauptschüler, weiß Dr. Haug, der deshalb nach einem anderen Medium suchte, das diese Gruppe besser anspricht.

Er fand es in einer Technologie, die heute so gut wie jeder Jugendliche kennt und gerne nutzt: der Short Message Service, besser bekannt unter dem Kürzel SMS. Und eine erste Studie zeigt, dass ein SMS-Coaching funktionieren könnte. Die 35 Jugendlichen, allesamt Teilnehmer von berufsbildenden oder integrierenden Maßnahmen des Berufsbildungswerks Greifswald und zu Beginn nicht an einer Abstinenz interessiert, erhielten wöchentlich eine SMS, in der sie nach ihrem Zigarettenkonsum gefragt wurden. Als Feedback wurden SMS-Antworten wie folgende verschickt: "Du gibst täglich circa 3,40 Euro für Zigaretten aus. Auf das Jahr gerechnet sind dies 1241 Euro, die deinen Geldbeutel belasten. Welchen Wunsch könntest Du dir mit diesem Geld erfüllen?"

SMS Couch mit fünf Stufenprogramm
Auf diese Weise konnten die Jugendlichen, begleitet von weiteren wöchentlichen SMS langsam die fünf Stufen des TTM erklimmen. Bei starkem Verlangen nach einer Zigarette, konnten sie auch eine Hilfefunktion aktivieren. Dazu mussten sie nur eine Antwort-SMS abschicken und per Buchstaben-Code ihr aktuelles Entzugssymptom angeben wie Nervosität, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Dr. Haug: "Die Teilnehmer mussten keinen eigenen Text schreiben und auch die Antworten waren kurz gehalten."

Und der Erfolg? In der zwölfwöchigen Pilotstudie schaffte es zwar keiner der Jugendlichen, vollständig auf Zigaretten zu verzichten, aber insgesamt 13 der 33 Teilnehmer hatten einen Aufhörversuch unternommen, und fünf rauchten nicht mehr täglich. Dr. Haug glaubt, durch Veränderungen am SMS-Coach, die Ergebnisse noch verbessern zu können. Im nächsten Schritt müsste die Wirkung dann in einer größeren Gruppe von Jugendlichen untersucht werden. Erst danach könnte der SMS-Coach auf breiter Ebene eingeführt werden. Der Ansatz sei eine kostengünstige Möglichkeit, eine individuelle Beratung auch für größere Bevölkerungsgruppen anzubieten, sagt Dr. Haug. Seiner Meinung nach könnten nicht nur Hauptschüler davon profitieren. Schließlich würden Handys und SMS auch in anderen Bevölkerungsgruppen intensiv genutzt.

Quelle: Redaktion/S. Haug et al.: Kontinuierliche individuelle Förderung der Rauchabstinenz bei sozial benachteiligten jungen Erwachsenen über das Handy – Ergebnisse einer Pilotstudie. Das Gesundheitsweisen 2008;