Smartphones von

Huawei P10:
Ist schon gut

Vorzeige-Smartphone von Huawei macht alles richtig, aber nichts herausragend

Smartphones - Huawei P10:
Ist schon gut © Bild: Adam Pitula

Können Sie sich noch an Ihren Schulkollegen von damals erinnern, den, der immer Zweier im Zeugnis hatte? Nein? Ok, vielleicht war mal ein Dreier dabei. Aber sonst immer gute Noten. Auch nicht? Das liegt vielleicht daran, dass man sich meistens nur an Extreme erinnert. Eben an die Jahrgangsbesten, die "Streber" - und natürlich an die Sitzengebliebenen. Das Schicksal des vergessenen Schulkollegen könnte indes auch das Huawei P10 treffen.

Chinesische Hersteller liefern mittlerweile hervorragende Handys ab. Fast alle Handys kommen heutzutage freilich aus chinesischen Fabriken. Gemeint sind in diesem Fall aber Produkte, die auch in China entwickelt worden sind. Waren erste Versuche vor Jahren noch eher als Exoten belächelt und abgetan worden, konnten Huawei und Xiaomi andere namhafte Hersteller mittlerweile in Einzelkategorien schon eines Besseren belehren.

Apple lässt grüßen

Nimmt man den neuesten Wurf des Telekom-Giganten Huawei in die Hand, der die simple Bezeichnung P10 trägt, hat man fast das Gefühl, ein Apple-Produkt in Händen zu halten. Hinsichtlich Design sieht das P10 dem iPhone 7 zum Verwechseln ähnlich - sogar ähnliche Farbkombinationen (Weiß/Roségold) sind erhältlich. Aber eben nur fast.

Die Verarbeitung lässt jedenfalls keine Wünsche offen: Die Kunststoff-Front mit dem 5,1-Zoll-Display wird sauber von einer Hülle im Metallic-Finish umschlossen und hinterlässt einen richtig wertigen Eindruck. Ansonsten findet man nahezu alle üblichen Tasten, wie man es gewohnt ist. Als Schnittstelle dient ein USB-C-Anschluss, auch eine 3,5mm-Klinkenbuchse für Kopfhörer gibt es noch.

© Adam Pitula

Einzig die Zertifizierung für Wasser- und Staubdichtheit, die mittlerweile einige Konkurrenten an Bord haben, wird in diesem Zusammenhang vermisst. Unterm Strich ein hervorragendes Design-Imitat, das keine besonderen Eigenheiten aufweist. Weder im guten noch im schlechten Sinne.

Solider Androide

Im Alltagsbetrieb fällt am Huawei P10 vor allem eines auf: Es ist ein Smartphone, auf das man sich verlassen kann. Das Betriebssystem Android in der Version 7.0 läuft tadellos auf der Architektur aus eigens entwickelten Acht-Kern-Prozessor und 4GB Arbeitsspeicher.

Huawei hat von anderen Herstellern gelernt und mit der eigenen Benutzeroberfläche Emui 5.1 nicht zu dick aufgetragen. Abgesehen von wenigen unnötigen Apps und Funktionen, die sich maximal deaktivieren aber nicht löschen lassen, agiert die Software unauffällig wie das Smartphone selbst.

© Adam Pitula

Das 5,1-Zoll-Display verfügt über eine Full-HD-Auflösung, die vollkommen ausreicht, um keine vereinzelten Pixel erkennen zu können. Softwareseitig gefällt in diesem Zusammenhang, die Anteile an Blaulicht reduzieren zu können, um die Augen zu schonen. Für den Dauerbetrieb eignet sich dieser Modus freilich nicht. Nicht im Stich gelassen wird man vom Akku, der bei durchschnittlichem Gebrauch problemlos zwei Tage durchhält. Auch hier gilt: Kein Grund zur Beanstandung, in der 600-Euro-Liga der Smartphones, in der das P10 mitspielt, aber auch nichts Herausragendes.

Mit Vorzeige-Kamera?

Das Highlight des P10s soll die Kamera sein. Beziehungsweise die Kameras. Schließlich sind es gleich zwei. Eine mit 12 Megapixel Farbsensor und eine mit 20 Megapixel Monochromsensor für qualitativ hochwertige Schwarz-weiß-Fotos. Die Dualkamera wurde zusammen mit Leica entwickelt und überzeugt durch zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, Modi und Filter. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Vor allem im Nachhinein lässt sich noch so einiges verändern. Neben den gewohnten „Photoshop-Effekten“ wie Belichtungs- und Farbkorrektur, Kontrastanpassung und Retusche-Möglichkeiten, lässt sich ebenso der Bildfokus manuell verändern. Gestochen scharf sind die Fotos allerdings schon vorher. Auch wenn die dritte Linse an der Vorderseite zum Einsatz kommt.

© Tamara Sill
© Tamara Sill
© Tamara Sill
© Tamara Sill

Obwohl Huawei besonders mit dem Portrait-Modus wirbt, ist gerade dieser enttäuschend. Der unscharfe Hintergrund mit dem dadurch überbetonten Hauptmotiv wirkt einfach ein bisschen zu künstlich. Die anderen Modi funktionieren jedoch einwandfrei und erstellen eindrucksvolle Fotos. Trotzdem hat es den Anschein, als ob dem Kind einfach ein paar Musikinstrumente zu viel in die Schultasche gepackt worden wären. Im Endeffekt nutzt man nämlich wieder nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, macht schnell ein Foto und legt vielleicht noch einen Filter drüber. Denn genau dafür sind Smartphone-Kameras ja gedacht. Allen anderen ist eine Spiegelreflexkamera wohl eher zu empfehlen.

News.at-Eindruck

Auffällig unauffällig. So könnte man das Huawei P10 letztlich beschreiben. Das Smartphone bietet zweifelsfrei ein gutes Gesamtpaket. Das darf man sich für 600 Euro (550 Euro Straßenpreis) aber auch erwarten. In dieser gehobenen Preisklasse kann das P10 zwar mit seinen Mitbewerbern mithalten, zeigt aber keine Ambitionen etwas vorzulegen. Somit bleibt das Gerät insbesondere für diejenigen ein Geheimtipp, die Apple-inspiriertes Design mit den Vorzügen von Googles Android-Plattform kombinieren möchten. 2017 hat ansonsten aber mehr zu bieten.