Slalom-Queen Schild im NEWS-Interview:
Der lange, steinige Weg bis zum Comeback

27-jährige Österreicherin kämpft um ihre Karriere Warum Marlies Schild wieder Rennen fahren will

Slalom-Queen Schild im NEWS-Interview:
Der lange, steinige Weg bis zum Comeback
© Bild: NEWS/Zach-Kiesling

"Um Platz 20 zu fahren, wird mich nicht zufrieden stellen". Warum Slalom-Ass Marlies Schild wieder Rennen fahren will. Und ihr Plan B, wenn’s nicht klappt.

NEWS: Wie geht es Ihnen in der Zuschauerrolle?
Schild: Bei den ersten Rennen habe ich immer noch unbewusst überlegt, wie ich fahren würde. Aber das mache ich jetzt nicht mehr. Denn dafür bin ich ja auch schon zu lange nicht mehr auf Skiern gestanden. Ich hab’s zwar im Gefühl, und ich weiß, wenn ich wieder fit bin, werde ich wieder so fahren können, aber daran will ich im Moment noch nicht so denken. Ich habe schon relativ viel Abstand dazu, und das ist gut so. Denn im Moment zählen für mich ganz einfach andere Dinge.

NEWS: Aber etwas Wehmut ist doch noch dabei, oder?
Schild: Vielleicht will ich auch darum ganz bewusst von dem Ganzen ein bisschen wegkommen. Denn wenn ich immer voll mitfiebere, dann glaube ich, wird mir das nur immer stärker bewusst, dass ich eben gerade nicht mitfahren kann. Aber wenn es sich ausgeht, schaue ich mir die Rennen schon an. Weil’s mich einfach interessiert. Nur bei Stürzen schau ich weg.

NEWS: Zweimal waren Sie auch schon live dabei, haben einmal Ihrem Lebensgefährten Benjamin Raich, einmal Ihrer Schwester Bernadette vor Ort die Daumen gedrückt.
Schild: Komisch ist das Gefühl schon, weil ich ja doch wieder weiterfahren möchte. Und das Rennen aus dieser Position anzusehen, also von außen, ist ungewohnt und nichts, was mir sehr großen Spaß macht. Ein sehr gutes Gefühl war aber, dass die Fans mich trotzdem noch kennen und mich um Autogramme bitten. Ich habe endlich auch mal Zeit gehabt, wirklich allen Autogramme zu geben. Und jeder fragt mich, wie’s mir geht.

NEWS: Und Ihre Antwort?
Schild: Mir geht’s ganz gut. Ich mache in der Therapie ständig Fortschritte. Ich glaube, dass die Diagnose, dass das Bein sechs Monate nach der Verletzung wieder voll belastbar sein wird, ziemlich genau zutreffen wird. Das heißt aber noch nicht, dass ich dann Ski fahren kann. Das tue ich erst wieder, wenn ich mich topfit fühle.

NEWS: Was fehlt Ihnen am meisten?
Schild: Das Skifahren an sich. Nicht nur die Rennen. Natürlich würde ich auch gerne wieder verreisen.

NEWS: Wer unterstützt Sie jetzt?
Schild: Vor allem meine Familie, die Familie von Benni und natürlich der Benni selbst.
Er ist immer für mich da. Das war vor allem in der ersten Zeit ganz besonders wichtig.

NEWS: Aber gerade im Winter ist er viel unterwegs.
Schild: Er kommt dazwischen oft nachhause. Der Unterschied ist jetzt halt, dass ich dann auch immer zuhause bin. Benni redet mir immer gut zu und unterstützt mich voll. Gerade wenn ich einen Hänger hab in der Therapie, ist er derjenige, dem ich das sage, der mich dann aufbaut. Er hat zum Glück noch nie eine schwere Verletzung gehabt, aber er probiert es ganz gut, sich in meine Lage hineinzuversetzen. Es ist wichtig, dass man da einen Partner hat, der voll hinter einem steht.

NEWS: Haben Sie auch überlegt, sich ein Comeback nicht mehr anzutun?
Schild: Natürlich habe ich gute und schlechte Phasen. Am Anfang, im Krankenhaus, habe ich gedacht, ich kann nie wieder Riesentorlauf fahren. Denn jedes Mal, wenn ich die Augen zugemacht habe, hab ich den Sturz gesehen und wie mein Fuß da auf der Seite weghängt. Aber das verblasst mehr und mehr. Gerade jetzt bin ich mir ganz sicher, dass ich wieder zurück will, und bin sehr zuversichtlich, dass das alles wieder gut wird. Und im tiefsten Inneren meines Herzens war mir immer klar, dass ich weitermache.

NEWS: Was lernt man in so einer Zeit?
Schild: Dass ich mich über Kleinigkeiten nicht aufregen muss. Dass Skifahren nie ein Muss sein kann. Jetzt merke ich noch mehr, wie gerne ich es mache. Umso mehr weiß ich wieder zu schätzen, was für ein Glück ich habe, dass ich diesen Beruf ausüben kann.

NEWS: Können Sie auch sportlich gesehen profitieren?
Schild: Man hat die Zeit, den Körper wieder von Grund auf aufzubauen, die Koordination wieder ganz fein einzustellen. Das versuche ich jetzt zu nützen. Ich freue mich schon darauf, wenn ich wieder richtig Rad fahren kann, richtig Kraft trainieren kann. Natürlich kann ich mich nicht mit anderen vergleichen. Umso wichtiger ist es für mich, auf mich selbst zu schauen. Das wird immer besser. Früher habe ich geglaubt, ich muss trainieren, trainieren, trainieren. Jetzt höre ich auf meinen Körper. Und ich weiß, ich habe alle Zeit der Welt.

NEWS: Auch für ein Comeback?
Schild: Na ja. Mit 35 habe ich sicher schon was anderes vor.

NEWS: Was zum Beispiel?
Schild: Gewisse Dinge werden sich ganz von selbst ergeben. Was ich sicher will, ist eine eigene Familie. Mit wie vielen Kindern, das weiß ich noch nicht. Allerdings habe ich dafür noch Zeit. Nur wenn’s mit dem Comeback wirklich nicht funktionieren sollte, fang ich halt schon früher an. Ich mach mir um meine Zukunft keine Sorgen.

Das komplette Interview und die Geschichte finden Sie im NEWS Nr. 2/09!