Slacklining, Rackleton, Futsal: Diesen Winter florieren kostengünstige Indoor-Sportarten

FORMAT: Bei Slacklining geht's übers flache Seil Rackleton & Futsal erwecken Turnsäle zum Leben

Slacklining, Rackleton, Futsal: Diesen Winter florieren kostengünstige Indoor-Sportarten © Bild: Michael Appelt

Nordic Walking, Tennis und Golf sind Schnee von gestern. FORMAT zeigt trendige Sportarten für den Winter, die Spaß machen und den Körper auf Trab halten.

Zwei Bäume und ein ordentlich stramm gespanntes Band sind alles, was Stefan Moser für sein waghalsiges Hobby braucht. Fast alles: „Gleichgewichtsgefühl, Konzentration und ordentlich viel Kraft sind schon nicht schlecht, vor allem wenn man Longlines geht“, schmunzelt der Tiroler Sportstudent über sein Balancefaible, das im Fachjargon als Slacken bezeichnet wird.

Ursprünge im Yosemite-Park
Die Ursprünge des Slacklinens liegen im Yosemite-Nationalpark, dem amerikanischen Kletterparadies. Aus Jux und Tollerei stolzierten Kletterer auf Absperrketten und Tauen auf und ab, bis Kletterprofi Adam Grosowsky darauf aufmerksam wurde und sich ein eigenständiger Freizeitsport daraus entwickelte, der überall – auch indoor – mit einfachen Mitteln ausgeübt werden kann. Ein Anfängerset, bestehend aus Flachband, Rundschlingen zur Befestigung und einer Ratsche zum Spannen, wird bereits ab 60 Euro feilgeboten.

Jumplines erfordern Mut
Eine gehörige Portion Mut ist besonders bei Longlines (länger als 35 Meter) oder Jumplines, bei denen Saltos und Drehbewegungen vollführt werden, notwendig. Am häufigsten wird aber die „normale“ Funline gespannt, die sich für Novizen, denen oft schon das Aufsteigen – geschweige denn ein paar Schritte zu tun – schwer fällt, eignet. „Anfänger tun sich mit breiteren, hart gespannten Lines leichter, da sie nicht so stark durchhängen und weniger schwingen“, erklärt Moser. Die Schnur wird in der Regel relativ niedrig – maximal in Schritthöhe – gespannt.

Krisenadäquate Sportarten
Einer aktuellen Studie des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) zufolge liegen Freizeitbeschäftigungen, die gratis oder günstig sind, im Trend. Die Nachfrage nach exklusiven Sport- und Wellnessangeboten sowie Mitgliedschaften in teuren Fitnesscentern sei fast schlagartig verpufft. Der Kostenfaktor war bei Johannes Horner, Turnusarzt in Wien, aber nicht ausschlaggebend, um sich seine erste Line zu spannen. „Nach meinem Bandscheibenvorfall hielt ich es für die beste Therapieform, um meine Rumpfmuskulatur gezielt zu stärken“, erzählt Horner. Der Mediziner erachtet Slacking als ideale Unterstützung für andere Sportarten, da es den ganzen Körper ­stärkt. Er selbst balanciert zweimal die Woche in einem Park und wird, solange es die Temperaturen zulassen, weiter im Freien üben. „Verfrorene“ Slackliner weichen bei Wind und Wetter hingegen gerne in Sporthallen aus, die mittlerweile mehr zu bieten haben als Ringe, Reck und Reifen.

Sporthalle als Vergnügungsoase
Sporthallen sind – ihr Mief-Image abstreifend – zu wahren Vergnügungsoasen mutiert. Neben altbewährten Teamspielen wie Volley- oder Basketball und Hallenhockey steht auch Neues hoch im Kurs: Speedminton (eine Mischung aus Squash und Badminton), Futsal (Hallenfußball ohne Bandenbegrenzung), Rackleton (Kombination aus Tennis, Tischtennis und Badminton) oder Pole-Dancing, ein lasziver Fitnesstrend aus den Stripclubs der Vereinigten Staaten. Als Workout vereint es die erotischen Stripeinlagen an der Stange mit Yoga, Choreografieelementen und Muskelaufbautraining. Aufgeschlossene, interessierte Frauen sollten sich zumindest anfänglich von blauen Flecken nicht abschrecken lassen. Couragierte Männer natürlich ebenso wenig.

Indoor-Sportler versus Freiluftfreaks
„Sportlern, die Regen und Kälte scheuen, stehen viele Alternativen offen. Vernünftiger ist es aber, an der frischen Luft mit funktionaler Bekleidung zu trainieren“, sagt Personaltrainer Sascha Hartl. Er empfiehlt, in jedem Fall auf ein vielseitiges Training zu achten, das das Herz-Kreislauf-System stärkt, die Koordination fördert und die Muskulatur kräftigt. Aber Vorsicht: Ungeeignete Sportschuhe und harte Böden stellen ein erhebliches Verletzungsrisiko in der Halle dar. Sportlern mit Gelenksproblemen rät Hartl zu Aquajogging, Schwimmen und Poolgymnastik, die in Hallenbädern mittlerweile regelmäßig auf dem Programm stehen. Unterwasser-Rugby-Vereine bieten wilderen Zeitgenossen ein knochenhartes Training.

Kletterwand und Wackelbrett
Wer mit seinem Fitnessprogramm hoch hinaus will, findet in Kletterhallen beim Bouldern seine Erfüllung. Beim Klettern ohne Seil sind keine Sicherungstechniken notwendig, da in Absprunghöhe mit dicken Matten geübt wird. „Bouldern aktiviert unzählige Muskelgruppen, schult die Konzentration und fördert Gelenkigkeit und Koordination“, so Hartl – weshalb sich Hallenklettern auch als Vorbereitung für Wintersportler eignet.

Hartls Geheimtipp und gleichsam Schmalspurtrainingsvariante für Stubenhocker ist das „Wackelbrett“: „Balance­übungen mit oder ohne Jonglierbälle schulen die Balance und die Koordination, weil beide Gehirnhälften gleichzeitig aktiviert werden.“ Sportler vom Typus „Akrobat schön“ können sich in den eigenen vier Wänden auf einem ausrangierten Hängemattengestell vom Sommer einen Strick spannen und sich dann immer noch ausgiebig im Slacklining üben.

Anbieter, Ausrüster, Veranstalter:
www.c-a-c.at : Das Grazer City Adventure Center bietet Seiltanzen, Erlebnisparcours und Hängematten im Chillout-Bereich.
www.dance-n-strip.de : Pole-Dancing- und Fitness-Striptease-Kurse werden in Wien, Linz, München und Zürich angeboten.
www.kletterhallewien.at : 400 Quadratmeter Boulderfläche und viele Kursangebote. www.slackliner.at: Das Tiroler Team bietet Slacklinekurse sowie -ausrüstung.
www.sportfestival.at : Die Wiener Sporthallen laden zu Informationsveranstaltungen über Futsal, Rackleton und Linedance.

Von Dina Elmani