Skurrile 'Pressekonferenz' in Wien: Spanien
und die österreichische Fußball-Realität

Franz-Horr-Stadion mutiert zu einer Provinzposse Heimstätte der Austria für spanische Medien zu klein

Skurrile 'Pressekonferenz' in Wien: Spanien
und die österreichische Fußball-Realität © Bild: Reuters

Nach dem 3:0-Sieg gegen Russland und dem damit verbundenen Einzug in das Finale der EURO wurden Spaniens Fußballer und vor allem die mitgereisten Medienvertreter mitten in ihrer EUROphorie beinhart mit der österreichischen Fußballrealität konfrontiert. Das Team trainierte im Franz-Horr-Stadion, das im Vergleich zu spanischen Verhältnissen eher winzig ist. Es war nämlich sogar für den Journalistenandrang zu klein, zumindest der Medienbereich, denn die "Pressekonferenz" wurde im Freien improvisiert. Sie mutierte inmitten der Weltstadt Wien zu einer skurrilen Provinzposse.

Xabi Alonso, Daniel Güiza oder Santi Cazorla stellten sich am Rasen den Fragen der rund 300 bis 400 Journalisten. Wohl hatten sie ein Mikrofon in der Hand, ein Lautsprecher war freilich weder visuell noch akustisch wahrnehmbar. So konnten nur die Medienvertreter, die ganz vorne einen Platz am Zaun ergattert hatten, zumindest ein wenig verstehen, was die drei Herren sagten. Und auch das nur, wenn sie ihre Ohren spitzten wie weiland Mister Spock auf der Enterprise.

Sie hörten dann wie etwa Xabi Alonso den deutschen Gegnern Rosen streute: "Es gibt keinen Favoriten, sie haben einen starken Block." Mit Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack seien sie zudem nach vorne immer gefährlich. "Aber wir müssen einfach so weiterspielen wie bisher." Dass mit David Villa der Führende der EURO-2008-Torschützenliste bei den Spaniern im Finale ausfallen wird, nahm Alonso zwar betrübt zu Kenntnis. Besonders tragisch sei aber auch das nicht: "Wir haben genug Qualität, um unser System zu adaptieren, jeder der von der Bank kommt, wird das Beste geben."

Ungläubiges Staunen
Während "Xabi" schon an den Endzweck dachte ("Ich hoffe, wir gewinnen den Pokal"), war für Daniel Güiza - er mutierte mit seinem 2:0 gegen Russland auch bereits zum zweifachen Torschützen bei dieser EM - vorerst noch der Weg da Ziel: "Natürlich träume ich davon, im Finale spielen zu dürfen."

Ein Alptraum dürfte es jedoch für jeden spanischen Spieler oder Journalisten nunmehr aber sein, einmal im Horr-Stadion arbeiten zu müssen. Dass hier mit Austria Wien einer der führenden Vereine Österreichs zu Hause ist, konnte der eine oder andere Kiebitz aus Spanien kaum glauben.

Zwar ist dieser Sportplatz etwas größer ist als jener von Kampl in Neustift im Stubaital, wo die "seleccion" bisher trainierte. Dafür waren die Medienbedingungen in Tirol dort im Vergleich zu Favoriten trotz lästiger Fliegen ein Paradies. Von EURO-Reife war Wien-Favoriten aber weiter entfernt als die Austria von einem Sieg in der Champions League.

(apa/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?
Click!