"Skorpion": Lieblingswaffe von Terroristen & Ostmafia

Auch bei Sanikidse-Mord 1996 im Spiel

Mit ihren winzigen Maßen bieten sich die verschiedenen Ausführungen der Klein-Maschinenpistole "Skorpion" für das verdeckte Tragen geradezu an. Dies hatten sich bereits die Terroristen der siebziger Jahre zu Nutze gemacht. In den vergangenen Jahren machte das Waffensystem jedoch vor allem durch die Killeraktionen der Ostmafia Schlagzeilen - sie war u.a. bei der Ermordung des mutmaßlichen georgischen Mafiapaten David Sanikidse im Juli 1996 in der Annagasse in der Wiener City mit im Spiel. Auch der italienische Premierminister Aldo Moro wurde am 16. März 1978 von den Roten Brigaden entführt und 51 Tage später mit einer "Skorpion" erschossen worden.

Mit dem Ziel, eine für spezielle Einsatzbedingungen verwendbare automatische Waffe zur Verfügung zu stellen - wirksamer als eine Selbstladepistole, aber kleiner und leichter als eine herkömmliche Maschinenpistole - entwickelte der tschechoslowakische Konstrukteur Miroslav Rybar die "Skorpion".

Die ersten Waffen, Klein-Maschinenpistolen Modell 61, wurden ab 1963 an die tschechoslowakischen Streitkräfte sowie an die Polizei ausgegeben. Im begrenzten Umfang erfolgten auch Lieferungen an die Armeen anderer Warschauer Pakt-Staaten sowie an afrikanische Länder. In Jugoslawien wurde das Erstmodell unter der Bezeichnung "Klein-MPi Modell 61" in Lizenz produziert.

Je nach Verwendungszweck wird eine solche Klein-Maschinenpistole - sie ist als Kriegswaffe eingestuft - am Koppel (Gürtel, Anm.) oder unter dem Arm in der Unterschnalltasche getragen. Die "Skorpion" ist außerordentlich klein und wird sogar in voller Länge mit Schulterstütze vom Mantel verdeckt. Somit besteht die Möglichkeit des sofortigen verdeckten Feuerns.

Maschinenpistolen des Waffensystems "Skorpion" sind Rückstoßlader mit feststehendem Lauf und unverriegelten Masseverschluss. Die Munition wird aus geringfügig gebogenen Kurvenmagazinen zugeführt. Der Magazinschacht befindet sich vor dem Abzugsbügel.

Ein Kombinationsschalter direkt über dem Griffstück sichert die Waffe und dient zur Einstellung von Einzel- oder Dauerfeuer. Der Verschlussknopf befindet sich beidseitig am vorderen Teil des Verschlussgehäuses. Waffengehäuse, Verschluss und Abzugseinrichtung wurden spanabhebend gefertigt, das Verschlussgehäuse und andere Bauteile in Blechprägetechnik.

Die verschiedenen Modelle des Systems unterscheiden sich laut "Schützenwaffen Heute" bei weitgehend übereinstimmendem Aussehen auf Grund der benutzten Patronen. Die Modelle 61, 64 und 65 stehen mit klappbarer Metallschulterstütze, die Ausführung 68 überdies in einer Version mit festem Holzkolben zur Verfügung.

Verschossen werden die Browning-Patronen 7,65 x 17 HR und 9 x 17 sowie die Makarow-Patrone 9,2 x 18. Das Modell 68 verfeuert die Parabellum-Munition 9 x 19. Die Magazine fassen zehn, 20 und 30 Schuss. Das Gewicht der Waffenmodelle reicht ungeladen von 1,3 bis zwei Kilogramm.

Bei Einzelfeuer erreicht ein geübter Schütze eine praktische Feuergeschwindigkeit bis 35 Schuss pro Minute, bei Dauerfeuer bis 100. Am effektivsten sind kurze Feuerstöße mit drei bis fünf, lange mit zehn bis 20 Schuss. Hilfreich ist der im Griffstück befindliche Verzögerer, der auch als Rückstoßdämpfer für den Verschluss dient und so die Lage der Waffe stabilisiert, wodurch sich die Treffergenauigkeit erhöht.

Zur Visiereinrichtung gehört eine Klappkimme, die auf 75 und 150 Meter, beim Modell 68 auch auf 250 Meter Entfernung eingestellt werden kann. Als Zubehör stehen ein Schalldämpfer, Reservemagazin und Reinigungsgerät zur Verfügung.