Skispringen von

Jacobsen holt Neujahrsspringen

Norweger siegt in Garmisch-Patenkirchen, Schlierenzauer wird Vierter

Schlieri Jacobsen © Bild: APA/Van Erichsen

Die ÖSV-Skispringer haben in Garmisch keine weitere Sternstunde erlebt. Stefan Kraft verteidigte seine Führung in der Vierschanzen-Tournee am Neujahrstag aber knapp. Der Salzburger belegte beim überlegenen Sieg des Norwegers Anders Jacobsen Platz sechs. Unmittelbar dahinter landete Michael Hayböck, der im Gesamtklassement hinter Peter Prevc (SLO) an die dritte Stelle zurückfiel.

Jacobsen siegte vor dem in Oberstdorf gestürzten Schweizer Simon Ammann, Prevc und Gregor Schlierenzauer, der jedoch in der Tourneewertung seit Oberstdorf keine Rolle mehr spielt. In dieser führt Kraft vor dem ersten Heimbewerb am Sonntag in Innsbruck nur noch 1,1 Punkte vor dem zweifachen WM- und Olympiamedaillengewinner Prevc. Hayböck hielt den Abstand auf seinen Zimmerkollegen mit jetzt 7,1 Zählern ungefähr gleich. Der auf Platz vier vorgerückte Jacobsen liegt schon mehr als 20 Punkte hinten.

Kofler verabschiedet sich aus Tourneerennen

Andreas Kofler verabschiedete sich vor 20.000 Zuschauern als Zwölfter hingegen endgültig aus dem Tourneerennen. Noch viel mehr Boden büßte der Auftaktvierte Kamil Stoch (POL) ein, er wurde in der Tageswertung lediglich 15.

Prevc (136,5/136,0) hingegen sicherte sich wie in Oberstdorf den dritten Platz. Der Slowene machte dadurch 6,9 Punkte auf Oberstdorftriumphator Kraft gut. Der Salzburger (132,0/135,0) sprach aber trotzdem von einem "sehr, sehr guten Start" ins neue Jahr. "Ich bin super-happy. Die anderen waren einfach sehr, sehr stark. Prevc hat mir ein paar Punkte abgeknöpft, aber ich habe noch immer das Trikot und ich werde versuchen, es zu verteidigen", meinte der 21-Jährige, der im Allgäu erstmals gewonnen hatte.

Hayböck weiterhin guten Mutes

Der beim Auftakt noch zweitplatzierte Hayböck (134,0/138,0) blieb ebenfalls guten Mutes. "Ich bin grundsätzlich zufrieden, ich habe gekämpft. Geärgert hat mich die Landung im zweiten Durchgang. Das sind Punkte, die ich nicht liegen lassen möchte", sagte Hayböck, der seine Weltcupführung sogar ausbaute. In der Tourneewertung in Lauerstellung zu sein, sei eine schöne Ausgangsposition für Innsbruck. "Mein Teamkollege im Leader-Trikot, ich Weltcup-Leader - das ist gut."

Bester Österreicher zu Jahresbeginn war aber Schlierenzauer (132,5/139,5), der am Silvestertag als einziger auf Training und Qualifikation verzichtet hatte. "Ich habe heute eine sehr gute Leistung abgerufen", freute sich der dreimalige Garmisch-Sieger. Titelverteidiger Thomas Diethart konnte hingegen neuerlich nicht überzeugen. Der Vorjahressieger kam nicht über Platz 25 hinaus.

Jacobsen meldet sich in Weltspitze zurück

Jacobsen meldete sich indes nach langer Pause wieder in der Weltspitze zurück. Der Tournee-Sieger von 2006/07 triumphierte in Garmisch wie schon vor zwei Jahren, als er zuvor auch das Auftaktspringen in Oberstdorf gewonnen hatte. Diesmal hatte er seine Chancen auf den Gesamtsieg aber schon mit Platz 14 in Oberstdorf vergeben.

Im zweiten Bewerb war er jedoch nach famosen Weiten im Training (145 m) und in der Qualifikation (139,5) auch im Wettkampf (135,5/136,5) nicht zu schlagen. "Ich bin selbst ein bisschen überrascht, was ich in den zwei Tagen hier geschafft habe. Diese Schanze hat für mich etwas Magisches", jubelte Jacobsen.

Durststrecke für DSV-Team

Für den 29-Jährigen war es der zehnte Weltcuperfolg, der erste seit Jänner 2013 in Zakopane. Damals hatte er zwei Monate später in Planica einen Kreuzbandriss erlitten, von dessen Nachwirkungen er sich sehr lange nicht mehr erholte.

Die beim Auftakt noch arg gebeutelten Deutschen setzten sich auf der zweiten Heimschanze etwas besser in Szene. Richard Freitag (9.) und Severin Freund (10.) kamen immerhin in die Top Ten. Das DSV-Team wartet aber nun schon seit 49 Tournee-Bewerben auf einen Sieg, den letzten hatte Sven Hannawald 2002 in Oberstdorf geschafft.

Kuttin: "Tournee bleibt spannend"

ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin sprach trotz des ausgebliebenen Podestplatzes von einem "super Tag" für seine Mannschaft. "Ich habe aber beim Absprung den einen oder anderen kleinen Fehler gesehen. Es hat gefehlt, dass wir aufs Stockerl springen, aber wir sind auf Schlagdistanz." Die Konkurrenz sei eben stark und alles liege eng zusammen. "Der Kampf um den Tourneesieg wird bis zum Schluss spannend bleiben", ist sich Kuttin sicher.

Für Jacobsen kam der lang ersehnte Erfolg völlig unerwartet. "Der Sieg fühlt sich fantastisch an. Der Weg nach meiner Verletzung zurück war hart. Dass es so schnell gegangen ist, hat mich aber fast erschreckt. Jetzt gewinne ich wieder, das ist fantastisch", meinte der zweifache Familienvater.

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