Ski Weltcup von

Fenninger und Hirscher -
Ein Dreamteam seit Kindertagen

Die beiden Gesamt-Weltcupsieger fuhren schon als Kinder gegeneinander Rennen

Ski Weltcup - Fenninger und Hirscher -
Ein Dreamteam seit Kindertagen © Bild: REUTERS/Leonhard Foeger

Beide sind in Hallein geboren, er am 2. März 1989, sie drei Monate später am 18. Juni. Marcel Hirscher wuchs in Annaberg im Lammertal auf, Anna Fenninger im 46 Kilometern entfernten Adnet. Die Tennengauer drückten in der Ski-Hotelfachschule Bad Hofgastein gemeinsam die Schulbank, fuhren in der Kindheit gegeneinander und stemmten am Sonntag zeitgleich die große Kugel für den Gesamtweltcup.

Für Hirscher war es der dritte Streich in Folge, seine Kollegin durfte die Trophäe das erste Mal in Händen halten. "Marcel ist da schon fast ein Routinier, unglaublich, dass er es dreimal hintereinander geschafft hat. Ich glaube, er freut sich auch, dass ich neben ihm stehe", sagte die 24-Jährige. "Ich gratuliere ihr zu dieser Saison, sie ist brillant. Gold bei Olympia und der Gesamtweltcup, das ist wirklich cool", sprach der 25-Jährige.

"Wir hatten viel Spaß miteinander"

Von Kindesalter an kennen sich die derzeit besten Skisportler des Planeten, beide erinnern sich gerne zurück. "Wir sind Kinder- und Schülerrennen gegeneinander gefahren. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich ihn einmal besiegt habe, aber wir haben zusammen gekämpft und hatten viel Spaß miteinander", erzählte Fenninger, die in jungen Jahren sehr viel von ihrem Vater unterstützt und begleitet wurde, ehe sie sich in ÖSV-Obhut sehr gut aufgehoben fand. Papa Ferdinand Hirscher ist nach wie vor als Trainer an der Seite seines Sohnes mit dabei.

Anna Fenninger mit der großen Kristallkugel.
© APA/Barbara Gindl Anna Fenninger krönte eine sensationelle Saison.

Auch Hirscher jun. kann sich noch genau an die kleine Anna erinnern. "Ich kenne sie, seit sie ein kleines Mädchen war. Seit wir fünf, sechs Jahre waren, sind wir zusammen Rennen gefahren. Und danach hatten wir annähernd das gleiche Problem. Als wir so jung waren, haben die Leute und Insider und Experten so viel von uns erwartet, dass wir es schaffen werden - so wie wir es jetzt auch tun. Aber es ist nicht leicht, wenn schon in so jungen Jahren so viel erwartet wird", beschrieb Hirscher.

Klassenkollegen

Zwei Jahre drückten die Schüler Anna und Marcel dann auch die Schulbank in derselben Klasse. "Und am Nachmittag war Training, da hat man dann fast den ganzen Tag miteinander verbracht und einiges erlebt. Da ist es voll cool, jetzt so einen Erfolg teilen zu können. Obwohl ihn jeder für sich erarbeitet hat. Aber es ist doch schon speziell, das mit so einer Person erleben zu dürfen", sagte Fenninger.

Marcel Hirscher mit der großen Kristallkugel.
© APA/Barbara Gindl Marcel Hirscher jubelt zum dritten Mal über die große Kristallkugel.

Sie müssen aber nicht beide unbedingt im selben Jahr den Gesamtweltcup gewinnen, um einander zu treffen. "Im Dezember und Jänner haben wir zwei paar Tage auf der Reiteralm trainiert. Das Verhältnis ist natürlich schon anders geworden, früher hatten wir mehr Zeit miteinander. Jetzt schaut jeder auf sich selbst. Aber was wir miteinander erlebt haben, geht deswegen nicht weg. Man spürt trotzdem, dass man sich besser kennt und sich in der Nähe wohlfühlen kann", meinte Fenninger.

Zufriedener Sportchef

Mehr als zufrieden mit seinem Dreamteam ist natürlich auch Hans Pum. "Zwei große Kugeln sind eine großartige Geschichte, damit hat man auch vor der Saison nicht rechnen können. Umso erfreulicher ist, dass es so aufgegangen ist", jubelte der ÖSV-Sportdirektor über die Erfolge von Fenninger und Hirscher. Sonntag kamen noch Tagessiege und kleines Kristall für Hirscher im Slalom und Fenninger im Riesentorlauf dazu. Inklusive Ehrungen für die Damen-und Herren-Mannschaften sowie den Nationencup erklang am Sonntag in Lenzerheide gleich neunmal die österreichische Hymne.

Berthold, Pum, Fenninger, Hirscher und Kriechbaum.
© APA/Barbara Gindl Gruppenbild mit Trainern: Berthold, Pum, Fenninger, Hirscher und Kriechbaum (v.l.).

Generell sein es "eine Wahnsinnssaison", "ein außergewöhnliches Jahr" gewesen, sagte Pum. Spezielles Lob ließ er auch der 24-jährigen Fenninger zukommen. "Sie ist ganz aufgestiegen, sie ist eine Sensation." Und vor Hirscher zog er den Hut. "Wie er dem immensen Druck immer wieder standhält und dann auf den Punkt genau Bestleistungen abruft, das verdient allergrößten Respekt." Der österreichischen Skifan jedenfalls könne mit dieser Saison sehr zufrieden sein.

"Gibt auch Schwächen"

Die im Herren-Riesentorlauf von Hirscher um 1/100 Sekunden verpasste kleine Kristallkugel hätten man "natürlich gern gehabt", aber man müsse Ted Ligety zu einer "tolle Saison" gratulieren. Außerdem lebe der Sport von so spannenden Rennen. "Ich freue mich auch, dass ein Raich, eine Görgl wieder auf das Podest gefahren sind. "Es sind viele erfreuliche Sachen passiert, man darf aber nicht übersehen, dass es auch Schwächen gibt, die man ausmerzen muss. Wir werden analysieren und dann die Weichen für die Zukunft stellen."

Auf Herren-Seite lautete die Bilanz 9/11/11 (7/16/11 in der Saison davor), Hirscher holte fünf Siege, Hannes Reichelt, Georg Streitberger, Matthias Mayer und Mario Matt je einen. Rennsportleiter Mathias Berthold war stolz auf Hirscher, wie er mit der Drucksituation im Riesentorlauf, in dem es um die Große Kristallkugel ging, umgegangen war. "Er hat das bravourös gelöst", sagte der Vorarlberger.

Fehlende Breite in den Technik-Disziplinen

Pum strich hervor, dass es gelungen sei, "im Speedbereich eine junge, schlagkräftige Mannschaft aufzubauen". Besonders in Erinnerung bleibe natürlich der Triumph von Reichelt in Kitzbühel. "Der erscheint angesichts seiner Rückenprobleme im Nachhinein fast wie ein Wunder". In den technischen Disziplinen fehle hingegen die Breite im Spitzenfeld.

Auf Damen-Seite sorgten Anna Fenninger (vier Siege), Marlies Schild und Elisabeth Gögl (je zwei) sowie Andrea Fischbacher für neun Siege. Die Bilanz 9/9/11 fiel deutlich besser aus als im Winter davor (4/11/8). "In Summe war es eine sehr schöne Saison, aber man darf nicht immer alles nur an Ergebnisse messen. Man muss auch darüber hinaus versuchen zu sehen, wo man steht", sagte Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum, der seine erste Saison im Amt war.

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