Abfahrt St. Anton von

Wer soll hier gewinnen?

Görgl verzichtet und Fischbacher sucht nach ihrer Form - leichtes Spiel für Vonn?

Elisabeth Görgl © Bild: GEPA/Simonlehner

Sie haben die letzten Speed-Medaillen für Österreich bei den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften geholt und sind zugleich die Sorgenkinder im ÖSV-Damen-Team von Herbert Mandl. Vor dem Heim-Weltcup in St. Anton, in dem die zurückgekehrte US-Amerikanerin Lindsey Vonn in Abfahrt (Samstag) und Super-G (Sonntag, jeweils 11.45 Uhr) Topfavoritin ist, haben sich die Wolken noch einmal verdichtet. Das ohnehin schon kleine Speed-Team der österreichischen Ski-Damen muss am Samstag ohne Elisabeth Görgl auskommen. Das Rennen muss übrigens wegen der Schneefälle auf verkürzter Strecke gefahren werden.

Die steirische Doppel-Weltmeisterin verzichtet auf ein Antreten in der Abfahrt beim Heim-Weltcup in St. Anton. "Sie fühlt sich nach der Absage des heutigen Trainings nicht bereit und sicher genug", teilte der Österreichische Skiverband (ÖSV) am Freitagnachmittag mit. Drei Wochen vor Beginn der alpinen Weltmeisterschaften in Schladming hat Görgl noch keinen Weg aus der anhaltenden Krise gefunden.

Görgl hatte am Donnerstag im einzigen Training auf der "Karl Schranz"-Strecke 7,40 Sekunden Rückstand auf die Schnellste. "Am Start beim zweiten Tor hat es schon so geschlagen, dass ich mir gedacht habe: 'Was ist denn da los?' Ich habe nichts gesehen, es war brutal zu fahren. Unten habe ich mir dann gedacht, ist eh wurscht, ich riskiere hier nicht Kopf und Kragen", hatte die zweifache Goldmedaillengewinnerin von 2011 gemeint, nachdem sie sich durch die letzten Tore ins Ziel gebremst hatte. Weil das Training am Freitag wegen heftigen Schneefalls gestrichen wurde, erklärte sie nun ihren Startverzicht.

"Sie hat bei der Schuhwahl was probiert, was für diese Strecke nicht gepasst hat. Die Materialabstimmung für die jeweiligen Verhältnisse ist auch für erfahrene Läuferinnen schwierig. Und wenn du nur eine Fahrt hast, hast du nicht viel Zeit", hatte ÖSV-Damencheftrainer Herbert Mandl gemeint. Görgl ist in dieser Saison noch nicht richtig ins Fahren gekommen, sie macht anhaltende Schwierigkeiten bei der Umstellung auf das neue Material, aber auch ihre Fahrweise dafür verantwortlich. Im Super-G am Sonntag will die 31-Jährige antreten.

Lindsey Vonn greift gleich wieder voll an

Auf die Rennläuferinnen wartet mit der "Karl Schranz"-Strecke keine leichte Aufgabe, vor allem ,da es nur ein einziges Training gegeben hat. Wegen heftigen Schneefalls wurde der zweite Zeitlauf abgesagt, damit ist das für viele holprig verlaufene erste Abtasten der einzige Erfahrungsschatz. Für eine routinierte Athletin wie Vonn sollte dies trotzdem kein Problem sein, dass sie auch auf der technischen Abfahrt siegen kann, hat sie mit dem Erfolg 2007 bewiesen.

"Von der Schwierigkeit her ist das hier als Wiedereinstieg auch kein Problem, sie hat die Qualität, gleich wieder sehr schnell zu fahren. Ich glaube, dass man auch hier in erster Linie wieder gegen Lindsey fährt", sagte Mandl. Die Trainingsschnellste Lara Gut meisterte die Schwierigkeiten auf Anhieb gut, auch Anna Fenninger ("Mir taugt es, wenn es so eisig und schlagig ist"), Fischbacher und Nicole Schmidhofer lagen in den Top-Sechs, Regina Sterz war Elfte.

In bisher drei Saisonabfahrten, die von Vonn (zweimal Lake Louise) und Gut (Val d'Isere) gewonnen wurden, sorgten Fenninger (5., 8.) und Stefanie Moser (5.) für die einzigen Top-Ten-Plätze für Rot-Weiß-Rot, Erfolgserlebnisse knapp drei Wochen vor WM-Beginn würden allen gut tun. Vor allem auch den zuletzt schwer kämpfenden Görgl und Fischbacher.

Kaum Konkurrenzkampf um WM-Tickets

Görgl blickt auf ihre Ränge 21, 29 und 15, Fischbacher auf wenig berauschende 31, 28 und 27. Während die Steirerin Görgl als Goldmedaillengewinnerin von Garmisch-Partenkirchen 2011 in beiden Speed-Disziplinen Fixstarterin ist, muss sich die Salzburgerin Fischbacher, Super-G-Olympiasiegerin und Abfahrtsvierte von 2010 in Whistler, erst qualifizieren. "Sie braucht nicht nervös werden, es ist kein harter Kampf um die Speed-Tickets. Wenn sie normal Ski fährt, ist sie allemal dabei", beruhigte Mandl.

Fischbacher hat zuletzt mit Tiefschneefahren auf dem Arlberg die Freude am Skilaufen wiedergefunden. "Kreuz und Knie sind in Ordnung", meldete sie. Die Schmerzen verschiedener Blessuren hätten auch an ihrer Psyche gezehrt, im Gelände und Tiefschnee habe sie nun den Kopf wieder freibekommen. "Wunder darf man sich keine erhoffen, aber ich habe wieder Spaß am Skifahren und möchte wieder zu alten Stärken zurückfinden."

Fischbacher gewinnt Freude am Skifahren zurück

Auch Mandl gefiel Fischbachers Leistung im St. Anton-Training: "Das stimmt mich positiv, sie hat sich skifahrerisch wieder gefunden. Wenn sie das Vertrauen ins Rennen rüberbringt, geht einiges", meinte er. "Sie war vor Saisonbeginn physisch wirklich sehr stark. Dann kam die Rückenproblematik und das Selbstvertrauen war weg. Dann kam das Hämatom im Knie. Wenn du Rückschläge wegstecken musst und technisch nicht ganz sattelfest bist, dann trifft es dich umso härter." Was folgen sind Frustrationsmomente und die Brechstange - mit Garantie kein Erfolgsrezept.

Für Fischbacher waren Auszeit und Tiefschnee-Ausflug ein erster Schritt zurück. "Wenn ich mich selber nicht mehr Herr der Lage sehe, ist es gescheiter, ich nehme mich mal zwei, drei Wochen raus, sammel mich wieder, trainiere, bereite mich solide vor. Auch mit freiem Skifahren. Das wahre Skigefühl, Stabilität und Vertrauen in die Schwünge bekomme ich nur mit freiem Skifahren, und vor allem freudvollem Skifahren. Das ist bei ihr gelungen", zeigte sich Mandl erleichtert.

Die Teams des ÖSV für die beiden Weltcup-Bewerbe am Samstag und Sonntag in St. Anton:
Abfahrt am Samstag (11.45 Uhr): Anna Fenninger, Andrea Fischbacher, Stefanie Moser, Nicole Schmidhofer, Regina Sterz, Cornelia Hütter, Mirjam Puchner, Tamara Tippler, Stephanie Venier
Super-G am Sonntag (11.45 Uhr): Margret Altacher, Anna Fenninger, Andrea Fischbacher, Elisabeth Görgl, Nicole Hosp, Stefanie Köhle, Stefanie Moser, Nicole Schmidhofer, Regina Sterz

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