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Marcel Hirscher lüftet
sein "größtes Geheimnis"

Ski - Marcel Hirscher lüftet
sein "größtes Geheimnis" © Bild: APA/BARBARA GINDL

Knapp zwei Wochen vor dem Ski-Saisonstart hat Marcel Hirscher mit einem Überraschungs-Auftritt bei einem Medientermin seines Ausrüsters Atomic überrascht.

Der Salzburger nützte am Donnerstag die Gelegenheit zu einer Danksagung und lüftete sein größtes Geheimnis.

US-Superstar Mikaela Shiffrin stand auf der Bühne, da verschlug es der sonst so redegewandten Athletin kurz die Sprache. "Ich bin überrascht", sagte sie und grinste. Ihr früherer Markenkollege Hirscher war wider Erwarten am Firmen-Stützpunkt in Altenmarkt aufgetaucht. Gerade hatte Shiffrin, die ab 26. Oktober beim Riesentorlauf in Sölden auf ihren vierten Weltcup-Gesamtsieg in Serie losgeht, über die nähere Zukunft des Pistensports gesprochen, der deutlich "anders" werden würde.

Marcel Hirscher: "Ich trage das Baby herum und koche"

"Als ich in den Weltcup einstieg, hat Marcel seine erste große Kugel gewonnen. Das ist verrückt, alleine deshalb wird diese Saison ohne ihn anders werden." Neben Hirscher hat der Ski-Zirkus auch Publikumslieblinge wie Aksel Lund Svindal, Felix Neureuther und Erik Guay oder Shiffrins Landsfrau Lindsey Vonn an den Ruhestand verloren. "Wir haben noch viele großartige Persönlichkeiten", sagte Shiffrin. "Und es gibt jetzt Raum, um hochzukommen. Auch wenn es keinen Ersatz für Marcel geben wird."

© APA/BARBARA GINDL Mikaela Shiffrin und Marcel Hirscher

Sie selbst werde in einem Übergangsjahr, in dem kein Großereignis ansteht, mit Sicherheit nicht jedes einzelne Rennen fahren, verriet Shiffrin. Vergangenen Winter heimste die einstige Slalom-Spezialistin in einer Rekord-Saison (17 Saisonsiege, 4 Kristallkugeln) auf dem Weg zum dritten Weltcup-Gesamtsieg auch noch ihren ersten Sieg im Super-G sowie die WM-Goldmedaillen vier und fünf ein. "Letzte Saison war groß, es ist war fast zu viel. Ich muss realistisch sein."

»Ich glaube, dass das mein großes Geheimnis war«

Ski-Pensionist Hirscher "crashte" zwar eine Veranstaltung, die Shiffrin als für sie gefühlten Saisonauftakt bezeichnete. Doch der achtfache Gesamtweltcupsieger, der Medienauftritte während seiner Karriere so gut es ging mied, wollte sich für die langjährige Partnerschaft bedanken. Es wurde eine Laudatio auf ein Erfolgsprojekt, das Hirscher als Teamerfolg begriff. "Ich bin heute da, um Danke zu sagen für jeden einzelnen Weltcupsieg. Es waren 67, mehr sind es nicht geworden, aber ich bin sehr glücklich und froh, dass ich den ganzen Weg mit Atomic habe bestreiten dürfen."

Eine Anekdote erzählte Hirscher stellvertretend für seine Erfolgssymbiose mit dem Hersteller. Es war ein Rennwochenende im französischen Val d'Isere, als im Salzburger Pongau am späten Samstagabend ein kurzfristig bestellter Ski fertig wurde. "Der ist nachgeliefert worden, das heißt, es ist jemand die ganze Nacht durchgefahren. Das hört sich natürlich wahnsinnig an, aber ich habe am nächsten Tag mit diesem Ski gewonnen, also war es das wert", sagte Hirscher. Im besten Falle habe er durch Material-Tüftelei eine halbe Sekunde bis Sekunde wettgemacht. "Ich glaube, dass das mein großes Geheimnis war."

Das Leben nach Hirscher geht auch für Atomic weiter

Das Ski-Leben nach Marcel Hirscher geht auch für Atomic weiter. "Marcel ist der erfolgreichste Champion aller Zeiten. Jetzt müssen die Jungen ran", sagte Wolfgang Mayrhofer, General Manager des Skiherstellers aus Altenmarkt. Hinsichtlich künftiger Ski-Entwicklung plane man eine Kooperation mit Hirscher. Mayrhofer: "Damit soll sein Know-how an die nächste Generation weitergegeben werden."

»Marcel hat sich das absolut verdient, jetzt mehr Ruhe zu haben«

Der vor einem Monat zurückgetretene, achtfache Weltcup-Gesamtsieger Hirscher wird dem Unternehmen also verbunden bleiben. Zehn Jahre vor Hirscher hatte sich mit Hermann Maier ebenfalls ein Atomic-Topathlet in die Ski-Pension verabschiedet. Doch Mayrhofer ist überzeugt, dass das Unternehmen das aushält.

"Marcel hat sich das absolut verdient, jetzt mehr Ruhe zu haben", sagte der Manager beim traditionellen Medientag des Unternehmens. Dort wurden neben dem Norweger Aleksander Aamodt Kilde sowie Eva-Maria Brem und Ricarda Haaser Rückkehrer bzw. Neuzugänge bei Atomic präsentiert. Die ehemalige Weltcup-Läuferin Claudia Deneriaz (ehemals Riegler) ist nun Consulterin für die Länder Italien, Spanien und Frankreich.

»Es gibt auch jetzt einige Raketen im Nachwuchs«

"Wir haben zwar nun erneut nicht mehr den Seriensieger bei den Herren. Aber trotzdem auch weiterhin Läufer, die in jedem Rennen auf das Podest fahren können", ist Mayrhofer überzeugt. "Und mit Mikaela Shiffrin die absolute Favoritin für den Winter."

Auch als Maier zurückgetreten war hatte man aus österreichischer Sicht das Schlimmste befürchtet. Nur wenige hatten 2009 bemerkt, dass es da bereits einen dreifachen Junioren-Weltmeister namens Hirscher gibt. "Es gibt auch jetzt einige Raketen im Nachwuchs", weiß Mayrhofer. "Einige sind auch bei uns."

Manuel Feller ist nach dem Hirscher-Rücktritt auf dem Papier nun Österreichs Nummer 1 im Riesentorlauf. Als allzu große Last will das der Tiroler aber nicht sehen. "Natürlich ist das jetzt eine andere Situation. Du bist jetzt für gewisse Sachen verantwortlich. Aber vom Starthaus bis ins Ziel ändert sich für mich nichts."

Marco Schwarz - der Hirscher Nachfolger?

Das gelte nicht nur für ihn, sondern alle Kollegen, betonte Feller. Und zwar schon in knapp einer Woche beim Weltcup-Auftakt in Sölden. "Dann werden wir den österreichischen Fans dort auch einen tollen Weltcup-Auftakt bescheren." Der bald 27-Jährige wird Anfang November erstmals Vater. Sollte sich der Geburtstermin unerwartet nach vorne verschieben, werde er aber "definitiv im Kreissaal" und nicht beim Rennen sein, bekräftigte Feller am Donnerstag in Altenmarkt.

© APA/BARBARA GINDL Marco Schwarz

Marco Schwarz wird auch als möglicher Nachfolger Hirschers im Kampf um die große Kristallkugel gesehen. Doch der Kärntner kommt von einer schweren Verletzung zurück und will es Schritt für Schritt angehen. "Wir sind auch in den vergangenen Jahren ständig auf Marcel angesprochen worden, können also damit umgehen", geht Schwarz mit dem Thema gelassen um, "obwohl es jetzt natürlich noch mehr geworden ist". Er habe damit gerechnet. "Jeder sucht jetzt den nächsten Gesamtweltcupsieger und der muss laut Vielen eben aus Österreich kommen", weiß Schwarz. "Aber so einfach ist das nicht. Es sind viele wie Alexis Pinturault oder Henrik Kristoffersen, die nun noch mehr Druck machen. Aber so einen Weg wie Marcel wird so schnell keiner mehr gehen."

Kommentare

Einen Marcel Hirscher wird es so schnell nicht wieder geben, aber gerade darin besteht die Chance diese sich öffnende Lücke zu nützen, wenn auch Spitzensportler anderer Nationen dies wollen. Also rein in den Schiwinter mit viel " SCHWUNG " !

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