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Kitzbühel: Hahnenkamm-Abfahrt:
Wer gewinnt die Königsdisziplin?

Hannes Reichelt und Kjetil Jansrud sind die große Favoriten, doch die Konkurrenz lauert

Reichelt im Kitzbühel-Training © Bild: GEPA pictures/ Wolfgang Grebien

Von drei Tagen Wahnsinn ist der Samstag in Kitzbühel wie üblich der verrückteste. Auf dem Spielplan steht die Hahnenkamm-Abfahrt auf der weltberühmten Streif. Zumindest 50.000 Zuschauer werden auch diesmal erwartet, wenn vor allem Titelverteidiger Hannes Reichelt und Topfavorit Kjetil Jansrud exakt zwei Wochen vor der WM-Abfahrt in den USA um den Sieg in der wichtigsten Saisonabfahrt kämpfen

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Dass diese in Kitzbühel und nicht in Colorado über die Bühne geht, sehen fast alle so. Denn ein Sieg beim "Höllenritt" auf der 3.312 m langen Strecke vom Hahnenkamm ist in der Skiszene der Ritterschlag schlechthin. "Das ist wichtiger als Olympia oder WM, selbst die daheim", stellt etwa der Amerikaner Travis Ganong Kitzbühel sogar über die in knapp einer Woche beginnende Heim-Weltmeisterschaft in Colorado.

Die ersten Sieganwärter bei der 75. Auflage am kommenden Samstag (11.45 Uhr/live ORF 1) heißen Reichelt und Jansrud. Der Salzburger und der Norweger sind die konstant besten Speed-Fahrer des bisherigen WM-Winters. Jansrud gewann zudem beide Trainings, Reichelt tritt als Vorjahressieger an. Diesmal will er auch "klassisch" zuschlagen.

Ziel: Sieg auf der "echten" Streif

Denn im Vorjahr musste mit dem Hausberg der spektakuläre Schlussteil der Streif umfahren werden. Dass ein Sieg auf der klassischen Variante das Tüpfelchen auf dem i sein würde, ficht Reichelt nicht an. "Ich hatte im Vorjahr vor der Hausbergkante so viel Vorsprung, dass es locker gereicht hätte", fühlt sich der 34-Jährige als "echter" Streif-Sieger.

Auf dem Spiel stehen am Samstag nicht nur 75.000 Euro Sieger-Preisgeld und eine goldene Gams. Auch viel Prestige. Denn Österreich ist mit 23 Siegen die erfolgreichste Abfahrtsnation in Kitzbühel. Reichelt kann der erste Österreicher seit 29 Jahren (Peter Wirnsberger 1985/86) werden, der die Kitz-Abfahrt zwei Mal in Folge gewonnen hat. Und der erste seit Didier Defago 2009, der mit Wengen und Kitzbühel die zwei Klassiker in Folge gewinnt.

Kjetil Jansrud
© GEPA pictures/ Hans Oberlaender Kjetil Jansrud ist der große Gegner der ÖSV-Läufer

Historisches Triple vor Augen

"Ein zweiter Sieg wäre traumhaft. Aber da liegt noch ein ganzer Haufen Arbeit dazwischen", gab sich Reichelt angesichts des intensiven Kitz-Programms aber vorsichtig. Ein Schnitzer wie im Abschlusstraining würde reichen, um alle Hoffnungen zu vernichten, ist dem Radstädter bewusst. So oder so steht Reichelt in der womöglich wichtigsten Ära seiner Karriere. Innerhalb von drei Wochen Wengen, Kitzbühel und die WM-Abfahrt zu gewinnen, wäre ein wahres Husarenstück.

Da haben von Jansrud über Dominik Paris (ITA), den Amerikanern Steven Nyman und Ganong, den ebenso starken aber angeschlagenen Schweizern Beat Feuz und Carlo Janka bis hin zum immer gefährlichen Christof Innerhofer oder Olympiasieger Matthias Mayer einige etwas dagegen. Vor allem Jansrud ist heiß wie noch nie.

Kjetil Jansrud muss liefern

Der vierfache Saisonsieger und Führende im Abfarts-Weltcup kämpft diesmal mehr mit den Mühen, die ihm der Kampf im Gesamtweltcup gegen Marcel Hirscher aufzwingt als mit der Streif. Die meisterte er im Training zwei Mal als Schnellster.

Jansrud, im Super-G am Freitag nur Siebenter, steht in der Saison seines Lebens. Platz sieben war 2013 sein bisher bestes Kitzbühel-Abfahrtsergebnis, diesmal will der Sympathikus eindeutig mehr. Nämlich den ersten Abfahrtssieg eines Norwegers seit Lasse Kjus vor elf Jahren. Den hat auch Aksel Lund Svindal noch nicht geschafft.

Kjetil Jansrud auf der Streif
© APA/Hans Klaus Techt Im Training war Kjetil Jansrud eine Klasse für sich

"Aksel hat schon so viel gewonnen, er würde es verkraften", sah Jansrud lachend keinen Grund, sich zu entschuldigen, sollte er seinem großen und derzeit verletzten Landsmann diese Ehre wegschnappen. Bestzeiten seien natürlich gut, meinte Jansrud. "Aber es wurde auch da immer enger. Im Rennen entscheidet dann jeder Zentimeter", warnte Jansrud, der vorher noch Super-G und Kombi bestritt. "Fünf, sechs von uns sind gut für den Sieg in der Abfahrt. Erstmals auch ich. Und das ist ein deutlich besseres Gefühl als mit Nummer 65 oben zu stehen und zu wissen, dass man keine Chance hat."

Was schafft Matthias Mayer?

Zu den Mitfavoriten am Samstag gehört auch Mayer. "Vielleicht bin ich einer der Favoriten. Und wenn ich im Rennen oben so fahre wie im zweiten Training, dann bin ich mehr als zufrieden", war der Sotschi-Sieger zuversichtlich. Die Adrenalin-Ausschüttung auf der Streif brachte er leicht auf den Punkt. "In meinem normalen Leben komm ich da nicht einmal annähernd hin. Dieses Rennen ist nicht in Worte zu fassen."

Punkto Risiko weiß Mayer: "Die Sieger der vergangenen Jahre waren so sicher auf ihrer Linie unterwegs, dass sie nie in Gefahr waren, abzufliegen. Das muss das Ziel sein."

Unter seinen Erwartungen geblieben ist bisher Max Franz. Der Kärntner hat mit Platz sieben in Beaver Creek erst einen Top-Ten-Platz erreicht. "Ich bin aber topmotiviert. Ich muss mir nur aus den letzten Rennen und Trainings die Puzzlesteine zu einem ganzen Bild zusammenbasteln, dann bin ich ganz vorne dabei", sagte Franz, der einer der Hauptdarsteller des Streif-Films "Höllenritt" ist. Irgendwann soll der auch Realität werden. "Ein Abfahrtssieg in Kitz, den möchte ich in meiner Karriere unbedingt erreichen."

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