Ski Alpin von

Hirscher gegen Jansrud:
Ruhe vor dem letzten Akt

Entscheidung im Gesamtweltcup fällt wohl am Samstag - Vorteil klar beim ÖSV-Star

Hirscher und Jansrud lachen in der Sonne © Bild: GEPA pictures/ Andreas Pranter

Ein Sieg und ein zweiter Platz. Kjetil Jansrud hat in den Speed-Bewerben beim Weltcup-Finale in Meribel sein Plansoll erfüllt. Mit der beeindruckenden Leistung von Marcel Hirscher im Super-G konnte der Norweger jedoch nicht rechnen. "Marcel hat heute eine beeindruckende Leistung gezeigt, aber es ist noch nicht erledigt. Es kann immer noch alles passieren", so Jansrud. Vor dem nächsten Showdown am Samstag gibt es für beide Fahrer allerdings eine Rennpause.

Am Freitag steht nämlich um 10:30 Uhr der Weltcup-Teambewerb auf dem Programm. Österreich wird dabei von vier der bei den Ski-Weltmeisterschaften in Vail/Beaver Creek erfolgreichen Athleten vertreten. Zu Eva-Maria Brem, Michaela Kirchgasser, Christoph Nösig und Philipp Schörghofer gesellt sich noch Carmen Thalmann. Nicht am Start sind von den Goldmedaillengewinnern Nicole Hosp und eben Marcel Hirscher.

Fährt Kjetil Jansrud auch Slalom?

Der Führende im Gesamtweltcup nutzt die Zeit für ein Riesentorlauf-Training, ehe es am Samstag im wahrscheinlich letzten direkten Duell um die große Kristallkugel gegen Kjetil Jansrud geht. "Nur wenn im Riesentorlauf etwas Außergewöhnliches passiert, fahre ich den Slalom", kündigte der Norweger, der aktuell 34 Punkte Rückstand auf Hirscher hat, an.

1.Marcel HirscherAUT1298
2.Kjetil JansrudNOR1264

Während der Gewinner beider Speed-Disziplinenwertungen als Sieger in der Abfahrt und Zweiter im Super-G davon sprach, "getan zu haben, was ich konnte", überraschte sich Hirscher im Super-G als bester Österreicher mit Platz vier und nur 9/100 Sekunden Rückstand auf den kanadischen Sieger Dustin Cook selbst.

Kjetil Jansrud beim Super-G
© GEPA pictures/ Harald Steiner Kjetil Jansrud hat getan, was er konnte

"Riesenüberraschung" von Hirscher

"Ich kann das nicht so einordnen, irre, eine Riesenüberraschung. In der Früh habe ich geglaubt, es wird so ein Kennenlernen von der Strecke, von den Schneebedingungen, vom Gelände, weil es doch eine sehr schnelle Kurssetzung war", sagte der 26-Jährige, der locker in das Rennen gegangen war. "Ich war nicht nervös, für mich war klar, es geht nicht um so viel für mich. Es erwartet keiner was von mir, ich kann locker drauflosfahren", erklärte Hirscher.

Er wählte einen Abfahrtsski ("Schlau") und zeigte einen "geilen Schlusshang". Das und die niedrige Startnummer waren wohl auch der Schlüssel zum Erfolg. "Wir hatten Glück mit der Nummer, aber du musst das auch umsetzen. Und das hat er wirklich gezeigt heute. Er hätte auch gewinnen können. Es war eine sensationelle Leistung", war auch ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher vom Auftritt des Supertechnikers im Speedbewerb angetan.

Abfahrtsski als Goldgriff

Bei der Besichtigung habe sich Hirscher "brutal locker" gezeigt, die Frage, ob er den Abfahrtsski wählen soll, besprach er mit den Trainern. "Ich habe auch gesagt, fahr den Abfahrtsski. Die einzigen Bedenken waren der Schlusshang. Aber er bringt den Ski mit seiner Technik um die Kurven. Entscheidend war die Einfahrt, die hat er voll erwischt. Perfekt umgesetzt", meinte Puelacher. Jansrud ließ aber auch nicht locker, er lag vor dem Schlusshang zurück, holte aber noch ein paar Hundertstel auf und war am Ende nur 4/100 vor Hirscher.

Was den Gesamtweltcup betrifft, meinte Hirscher, dass "sicher viel getan" sei. Er hätte nicht geglaubt, dass er nach dem Super-G noch im Gesamtweltcup voranliegen werde. "Logisch habe ich mit Jansrud gerechnet. Es war mir klar, er wird aufs Podium fahren. Mehr als Platz 14 oder 15 habe ich mir niemals vornehmen können. Dann wäre er schon mit 30 oder 40 Punkten vorne gewesen."

Klar auf Kristall-Kurs

Dass der Gesamtweltcup nun praktisch entschieden sei, das wollte Puelacher nicht sagen, meinte aber lachend: "Jansrud muss im Slalom brutal schnell Ski fahren." Ernster ergänzte er: "Es schaut jetzt gut aus. Da hat sich Marcel jetzt in eine Position gebracht, die wirklich super ist."

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