Ski Alpin von

Benni Raich: Gott ohne Glamour

Er ist der erfolgreichste aktive Skirennläufer der Welt. Ohne Superstar-Status.

PRESSEKONFERENZ HERREN, RAICH © Bild: APA/Parigger

Erst war Hermann Maier. Jetzt ist Marcel Hirscher. Zwischendurch und währendessen gewann Benjamin Raich alles, was es im Ski-Zirkus zu gewinnen gab. Zwei Mal Olympiagold, zwei WM-Titel, neun Kristallkugeln, eine davon für den Gesamtweltcup. Unter seinen 17 aktiven Jahren waren nur drei, in denen er nicht siegte. Der 35-jährige Tiroler ist ein Sport-Phänomen. In der öffentlichen Wahrnehmung steht er dennoch im Schatten von Hirscher und Maier.

Benjamin Raich siegt, weil er an Material, Technik und Körper feilt, anstatt im Rennen Kopf und Kragen zu riskieren. Über Problemen brütet er. Nie trägt er sie nach außen.

Fehler analysiert Raich vor TV-Kameras nur die eigenen - sogar nach bitteren Niederlagen noch im Zielraum. Superstars pfeifen schon mal auf Etikette. Der Tiroler aus Leins im Pitztal hat sich das nie erlaubt. Er sagt: "Ich habe immer versucht, niemanden vor den Kopf zu stoßen.“ Bis auf ein einziges Mal.

Der "Ausrutscher“

2005 wurde Benjamin Raich bei der Wahl zum Sportler des Jahres Zweiter. Fünf WM-Medaillen hatte er in Bormio geholt, zwei davon in Gold. Die meisten Stimmen erhielt aber Radrennfahrer Georg Totschnig, weil er bei der Tour de France eine einzige Etappe gewann. Über Raichs Status bei Österreichs Sportjournalisten sagte das viel. Er selbst sagte dazu recht wenig: "Ich habe mich über einen zweiten Platz schon mehr gefreut.“

Raich hat den Ruf, nicht viel von sich preiszugeben. Doch nur wer die bodenständigen Einwohner des Pitztales kennt, weiß, wie offen sich Raich in die Seele schauen lässt. Wer denkt, er hätte kein Charisma, ist ihm nie persönlich gegenüber gestanden.

Bis heute hat der Doppel-Olympiasieger keinen eigenen Pressesprecher wie Maier oder Hirscher. Zu Interview-Terminen kommt er allein - und auf die Sekunde pünktlich. Olympiasieg hin, WM-Titel her: Nur zwei Dinge sind dem Verdienstvollen "im Alter“ wichtiger, als zu Beginn seiner Karriere: "Ein gescheites Zimmer - und dass im Flieger der Sitz passt. Aber das passt ja alles.“

Kommentare

Mein persönlicher Lieblingssportler. Immer ruhig, authentisch, und bescheiden, nicht so arrogant wie manche anderen. Sollte mehr geben wie ihn.

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