Ski-Legende von

10 Jahre nach Rücktritt:
Herminator zieht Bilanz

Ski-Legende - 10 Jahre nach Rücktritt:
Herminator zieht Bilanz © Bild: APA/Neubauer

Am 13. Oktober hat sich die emotionale Rücktrittsrede von Hermann Maier zum zehnten Mal gejährt. Österreichs Skistar der Zeit unmittelbar vor und nach der Jahrtausendwende hat von seinem Bekanntheitsgrad kaum etwas verloren, doch sind natürlich seine Auftritte in der Öffentlichkeit nicht mehr so häufig. Am Donnerstag trat er in Wien wieder einmal in Erscheinung und vor die Medien.

Maier nutzte die Gelegenheit, anlässlich der Dreharbeiten für einen neuen Werbespot von Raiffeisen am Brunnenmarkt in Wien-Ottakring, angefallene Fragen von Journalisten gebündelt zu beantworten. "Einmal in zehn Jahren kann man das machen", meinte der "Herminator" mit einem Augenzwinkern. Er sei durchaus zufrieden mit seinem Leben, habe keine Wehwehchen. "Es heißt, der Leistungssport ist Mord. Aber in meinem Fall stimmt das nicht."

Seine Trainingseinstellung zu aktiven Zeiten habe ihm für danach viel gebracht. Auch mit Rückschlägen umzugehen, habe er als Spitzensportler gelernt. Und er sei eben vor allem fit: "Ich kann alles machen. Sollte es so weitergehen in den nächsten zehn Jahren, kann ich zufrieden sein, weil ich gar keine Einschränkungen habe. Ich habe ja als Gesunder aufhören können mit dem Sport. Das macht dann schon viel aus."

Keine Reue: "Habe eher dazugewonnen"

Sein Rücktritt kam nach einer Verletzungspause zwei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt damals doch auch überraschend. Seinen damaligen Schritt bereut er jedenfalls nach wie vor nicht. "Ich habe eher dazugewonnen, ich vermisse da nichts. Es ist kein schwarzes Loch gekommen. Ich bin ja vor meiner aktiven Zeit gewohnt gewesen, normal zu arbeiten. Von daher hat sich nichts geändert." Er komme viel herum, auch in Ecken, in denen er als Sportler nie gewesen war.

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Daher spüre er, wenn er bei Skirennen zusieht, nur Kribbeln als Lust auf eine Skitour oder Langlaufen. Und die Erinnerung verschwimme immer mehr. Präsenter sei eher das damalige Drumherum, nicht die Siege. Freilich habe Maier auch von Jahr zu Jahr mehr Respekt vor den Leistungen. "Das sieht man mit einem anderen Auge als damals, als ich selber gefahren bin. Da war es normal. Das Tempo ist für mich in Zeitlupe abgelaufen, jetzt in Highspeed."

»Ich habe meine Ziele erreicht und noch darüber hinaus«

Der Skisport ist für den 46-Jährigen auch deswegen nun weit weg, da es nie eine Überlegung zur Rückkehr gegeben habe. "Wenn ein Angebot gekommen wäre, vom ÖSV, dann hätte ich mir das sicherlich genauer überlegt", erklärte der Salzburger. Er habe auch gut abschließen können, weil er erfolgreich gewesen sei. Im Erfolg sei es leichter aufzuhören als bei jemand, der immer ganz knapp dran ist. "Ich habe meine Ziele erreicht und noch darüber hinaus."

Hirscher-Comeback nicht ausgeschlossen

Nachdem mit Marcel Hirscher nun sein noch erfolgreicherer Nachfolger auch abgetreten ist, glaubt Maier nicht, dass solche Seriensiege so schnell wieder kommen. "In dieser Dimension ist es schwierig. Das Level ist doch sehr hoch gesetzt worden. Dass so etwas geschaffen wird, wird es, glaube ich, im Skisport nie wieder geben. Man braucht einfach dieses Umfeld dazu, dass man absolute Rekorde schaffen kann."

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Hirscher habe das Umfeld gehabt, und Maier setzte im Zusammenhang mit Hirschers Rücktritt ein Bonmot: "Was mich verwundert, ist, dass sich Marcel für die Arbeit entschieden hat und nicht für das Vergnügen. Weil sein Skileben war wirklich ein Vergnügen. Rundherum ist alles gemacht worden, er hat nur noch Skifahren brauchen." Er traue seinem engeren Landsmann allerdings durchaus zu, ein Comeback zu geben. "Das würde ich nicht einmal ausschließen."

Passend zum Thema: Wer tritt in die Fußstapfen von Marcel Hirscher?

Vorerst hält es Maier aber schon für möglich, dass bald ein anderer ÖSV-Läufer wieder etwas mehr abräumt. "Ich glaube, dass das im heurigen Jahr passieren wird. Disziplinwertungen oder eventuell sogar die große Kugel sind für den einen oder anderen Österreicher möglich." Freilich hänge viel vom Material ab, dieser Faktor sei wichtiger als zu seiner aktiven Zeit. Maier: "Es ist fast zu einer Zweiklassengesellschaft geworden."

Zweifel an der Sportlerwahl

Und das treffe auch auf den Vergleich Techniker - Speed-Fahrer zu. Abgesehen von insgesamt zu vielen Rennen hätten die Techniker mehr Möglichkeiten zu punkten. "Das ist für mich wie Dressur- und Springreiten. Wenn die 25 Rennen haben und die 15. Dann ist es nicht möglich, dass ein Abfahrer den Gesamtweltcup gewinnt. In dieser Form ist das ein bisschen veraltert. Die Kluft geht da zu weit auseinander." Auch die große Kugel abzuschaffen, sei für Maier kein Tabu.

Letztlich äußerte sich Maier zu Österreichs Sportlerwahl. "Als Alpiner ist man in der glücklichen Lage, dass viel darüber berichtet wird. Da glaubt man dann, dass es sehr wichtig ist." Aber es hätten auch andere verdient. Der Doppel-Olympia- und vierfache Weltcupsieger stellte überdies die Wertigkeit der Wahl infrage: "Bei einer Zeit von oben bis unten: ob der schiach oder schön ist, der hat gewonnen. Bei anderen Dingen spielen auch andere Sachen hinein."