Skandal um Jugendfotos in FPÖ: Strache in Tarnanzug zusammen mit Rechtsextremisten

Fotos zeigen FPÖ-Chef bei "mehrdeutigen Szenen" Ewald Stadler wehrt sich: "Infame Unterstellung"<br>DURCHKLICKEN: Paintball oder Wehrsportübung?

Skandal um Jugendfotos in FPÖ: Strache in Tarnanzug zusammen mit Rechtsextremisten

Schwere parteiinterne Querelen - zwischen Parteichef Heinz-Christian Strache und Ewald Stadler - dürfte es in der FPÖ geben. In den vergangenen Tagen wurden, freudig befördert vom BZÖ, Gerüchte über Fotos lanciert, auf denen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache angeblich bei Wehrsportübungen mit Neonazis zu sehen sein soll. Strache ging in die Offensive, ließ die ORF-"ZiB2" einige Fotos zeigen - und sprach von einem harmlosen Paintball-Spiel. Er sieht in dieser Aktion den Versuch, ihn parteiintern zu diffamieren; als Urheber schloss Strache Stadler nicht aus.

Auf den in der "ZiB 2" gezeigten Fotos sind die für das Paintball- bzw. Gotcha-Spiel üblichen Luftdruckpistolen - mit denen Farbmunition auf "Gegner" geschossen wird - nicht zu sehen, dafür Strache und andere Männer in Uniformen, eine für "Gotcha" unübliche Szene mit einem Schlagstock und eine laut "ZiB" "mehrdeutige Szene", die auch als nachgestellte Hinrichtung interpretiert werden könne. Laut "ZiB"-Recherchen finden sich auf den Fotos drei den Behörden als rechtsextrem bekannte Aktivisten, einer davon sei rechtskräftig nach dem Verbotsgesetz verurteilt worden.

Strache wies die Darstellung, er habe an wehrsport-ähnlichen Übungen mit Neonazis teilgenommen, zurück. Er sprach von "Gerüchten und Unterstellungen" und von Darstellungen "in falschem Kontext". Die Fotos würden ihn vor 20 Jahren, also als Jugendlichen mit 18 Jahren, beim Paintball-Spiel mit anderen Personen zeigen. Die militärartigen Uniformen erklärte er damit, dass man sich dafür im Army-Shop billige Kleidung gekauft habe, weil die ja mit Farbe befleckt worden sei beim Spiel. Heute trage man Tarnanzüge oder "ganz normale Overalls" dabei.

Was die rechtsextremen Aktivisten auf den Fotos betrifft, betonte Strache, dass dies "damals alles Personen waren, die unbescholten waren". Auf die Frage, ob er ausschließe, dass er heute in Kontakt mit Neonazis sei, meinte er: Er habe mit niemandem zu tun, der mit dem Strafrecht in Kontakt gekommen ist oder verurteilt wurde.

Zum Auftauchen der Fotos in der Partei merkte er zunächst an, dass die Thematik im Vorstand besprochen worden sei - laut "ZiB" unter Berufung auf einige Vorstandsmitglieder in einer achtstündigen Sitzung - und dass es "auch einen Brief gegeben hat von Stadler an Bürgeranwalt Kabas, wo diese Bilder dem Bürgeranwalt geschickt worden sind" und dabei in falschen Kontext gestellt worden seien.

Dass er Stadler hier selbst genannt hatte, wusste er wenig später nicht mehr - da wollte er nur mehr nicht ausschließen können, dass der in den "ZiB"-Recherchen dargestellte Zusammenhang richtig sein könnte. Er richtete dem als Präsident der Freiheitlichen Akademie in der FPÖ entmachteten Stadler via "ZiB" allerdings aus, dass eine von Stadler geplante katholische Institution Partei-Einrichtung in der FPÖ "nichts zu suchen hat". Im Konkordat läge es an Kardinal Schönborn, solche Institutionen einzurichten, nicht an einer Partei.

Über allfällige Konsequenzen für Stadler wollte sich Strache nicht äußern. Zunächst wolle er "Aufklärung in dieser Sache", er werde mit Stadler "in Ruhe und Sachlichkeit" einiges zu besprechen haben. Jedenfalls ist es für Strache "enttäuschend, dass ganz gezielt falsche Gerüchte verbreitet worden sind, um meiner Person zu schaden". Strache selbst denkt nicht an Rücktritt - "ich habe ein reines Gewissen, habe nichts zu verbergen, habe mir nie im Leben etwas zu Schulden kommen lassen", betonte er.

An die Öffentlichkeit gekommen waren die Gerüchte über die Strache-Fotos auch durch Aussagen von BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz in der "ZiB 3". Er sprach seinen FPÖ-Kollegen Harald Vilimsky mehrfach auf "Wehrsportfotos vom Herrn Strache" an.

Stadler wehrt sich: "Infame Unterstellungen"
Ewald Stadler hat erstmals öffentlich zu den Fotos, auf denen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache angeblich bei Wehrsportübungen mit Rechtsextremen zu sehen sein soll, Stellung genommen. Im Gespräch mit der APA erklärte er, "die Behauptung, Ewald Stadler hat das angezündet, ist eine infame Unterstellung". Er wolle die Bilder selbst öffentlich nicht kommentieren - "die Deutungshoheit liegt bei Strache".

Für Mölzer ist Strache "unbestritten"
Der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer sieht keinen Machtkampf innerhalb der FPÖ zwischen Partechef Heinz-Christian Strache und dem freiheitlichen Abgeordneten Ewald Stadler. "Strache ist unbestritten, ob mit oder ohne Fotos, das ist für mich keine Frage der Parteispitze", so Mölzer. (APA/red)