Sissi und Franzl: Grünes Licht für Panda-Nachwuchs in Wiener Tiergarten Schönbrunn

Vorerst dürfen's die beiden Pandas selbst versuchen Künstliche Befruchtung erst in zwei Jahren aktuell

Noch gespannter als sonst werden die prominentesten Bewohner des Tiergartens Schönbrunn derzeit beobachtet - denn rein biologisch gibt es grünes Licht für den ersehnten Nachwuchs bei den Pandas. Ob Weibchen Yong Yong und ihr Partner Long Hui im Alter von rund fünfeinhalb Jahren tatsächlich zur Tat schreiten werden, das wird sich im April und Mai herausstellen, erzählte Vizedirektorin Dagmar Schratter.

Beim Weibchen haben sich die Knochenfugen bereits geschlossen, es ist ausgewachsen. Das Männchen dürfte noch etwas größer werden, allerdings wurden in seinem Urin bereits Samenzellen nachgewiesen, was beweist, dass auch er könnte. Im Vorjahr haben beide schon "miteinander gespielt", wobei sich Long Hui auch als Rambo betätigte und den einen oder anderen Baum entwurzelt hat. "Aber es gab keine Kopulationsversuche", so Schratter.

Nur an drei, vier Tagen pro Jahr (!) sind Panda-Weibchen empfangsbereit. Während sich dann in der Natur bis zu sechs Männchen um sie raufen und einige von ihnen erhört werden, müsste Yong Yong mit ihrem "Lebensgefährten" vorlieb nehmen. Ob dies von Vorteil oder Nachteil ist, darüber gibt es laut der zuständigen Kuratorin unterschiedliche Auffassungen: Entweder die beiden fünfeinhalb Jahre alten Tiere verstehen einander einfach gut und sind einander auch sexuell zugetan oder sie sind wie ein altes Ehepaar, das mehr an gutem Essen als Geschlechtsverkehr interessiert ist. "Glück gehört dazu."

Wie auch immer, der Tiergarten ist fest entschlossen, der Natur vorerst freien Lauf zu lassen. "Wir wollen nicht gleich mit künstlicher Befruchtung beginnen", unterstrich Schratter. Heuer und auch 2007 wird das Paar selbst zur Tat schreiten dürfen. Aber auch wenn sich Menschen einmischen, verläuft dies weit erfolgreicher als früher. Im Panda-Schutzzentrum Wolong in Südchina bringen sie alle Jungtiere - auch Zwillinge - durch, berichtete die Expertin.

Sollte sich Schönbrunn nach rund fünfmonatiger Tragzeit über ein Panda-Baby freuen können, dann ist dessen weitere Zukunft bereits fixiert: Während Jungtiere in Gefangenschaft in China im Alter von einem halben Jahr von ihrer Mutter getrennt werden und sie in freier Wildbahn mit eineinhalb eigene Wege gehen, hat sich der Tiergarten ausbedungen, dass ein Junges zwei Jahre in Wien bleiben darf. Schratter: "Damit kann es alles lernen, was ein Panda wissen muss."

Panda-Babys sind bei der Geburt haarlos und mit 100 Gramm, was etwa einer Tafel Schokolade entspricht, von allen Bären die kleinsten. Die ersten Lebenstage werden in einer Höhle mit der Mutter verbracht, die danach ihr Kleines auf sehr menschliche Weise mit sich herum schleppt: Sie klemmt sich ihr Baby einfach unter den Arm. Den Namen des Nachwuchs dürfen sich nach Schönbrunner Brauch wohl die Pfleger aussuchen - und es wird ein chinesischer werden. Dann fehlt aber noch ein Spitzname für den Kronprinzen bzw. die -prinzessin von Sissi und Franzl, wie Yong Yong und Long Hui von den Wienern getauft wurden. (apa)