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Sinnfrage EU: War da mal was?

"Weltreise" mit Christoph Lehermayr: Was die Europäische Union noch retten könnte

Weltreise - Sinnfrage EU: War da mal was? © Bild: Ian Ehm

Keine Angst. Ich behellige Sie nun nicht mit der x-ten Analyse, an deren Schluss steht, dass die EU in der Krise, heillos zerstritten und völlig ohne Plan ist. Überfordert von den Herausforderungen unserer Zeit. Das kennen Sie bereits. Vielmehr frage ich mich, warum die meisten von uns einmal Fans des vereinten Europas waren, sich dessen Anhängerschaft nun aber schon fast auf die Beamtenschar in Brüssel beschränkt.

Einst war eine Mehrheit Feuer und Flamme für Europa. Und jetzt, wo manches zu brennen beginnt, laufen wir zu den Brandstiftern über? Zugegeben, das mit dem Feuer und den Flammen ist übertrieben. Die EU war nie ein loderndes Herzensprojekt, hatte schon immer den Touch des Kalten und Rationalen. Was auch angemessen schien, nachdem die Völker Europas jahrhundertelang übereinander hergefallen waren. Was einte, war die Erzählung von der bürokratischen Zähmung, die im Nie-wieder-Krieg-Credo mündete. Umgeben vom Versprechen wirtschaftlichen Wachstums, umrankt von manch lustiger Erasmus-Nacht an der Austausch-Uni, schien dies genug, um aus uns EU-Unterstützer zu machen. Gerüstet für kältere Tage hat es uns nicht.

Denn aus Wachstum wurde Stagnation, aus sicherer Arbeit ungewisse Zukunft, und selbst eine Uni-Nacht endet irgendwann im Morgengrauen. Die einen predigen nun, mehr Europa sei die Antwort, und fordern, weitere Kompetenzen an einen Ort zu übertragen, der schon jetzt an den Fragen der Zeit scheitert. Kaum verlockender, aber dem Zeitgeist der Le Pens und Brexit-Befürworter entsprechender, ist eine Rückkehr zum Nationalstaat hinter dichten Zäunen. Was es vielmehr braucht, ist eine neue, funktionierende europäische Erzählung. Den einen Grund, der klarmacht, warum EUropa Sinn macht. Und der kann nur darin bestehen, den Menschen Hoffnung zu geben. Auf Arbeit, auf Sicherheit, auf Schutz. Vor einer von global agierenden Riesenkonzernen geprägten Welt. Die EU schien zu lange als deren geheimer Gehilfe, der mehr für sie einstand als für die Bürger, die er vorgab zu vertreten. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass manch Multi im Jahr weniger Steuern bezahlt als ein Kleinunternehmer?

Um hier durchzugreifen, braucht es nicht mehr Kompetenzen, sondern Willen, Geschick und Menschen, die dafür kämpfen. Wer weiter lieber im Geheimen an TTIP verhandelt, als offen und transparent Vor- und Nachteile für die Masse darzulegen, macht sich zum Helfer jener, die in der Kleinstaaterei ihr Heil sehen. Es braucht die neue Erzählung, den einen Plan, das Ziel, welches EUropa wieder Kraft gibt. Und das kann nur darin bestehen, den Menschen die Angst zu nehmen. Das ist vielleicht nicht lodernd und flammend, dafür aber glaubhaft.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: lehermayr.christoph@news.at

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