"Sind in Russland sehr beschäftigt": Neuer Strabag-Partner reicht eine Minderheit aus

Oleg Deripaska nicht an Konzern-Kontrolle interessiert Strabag-Spitze bekräftigt Börseplänefür Herbst 2007

"Sind in Russland sehr beschäftigt": Neuer Strabag-Partner reicht eine Minderheit aus

Der russische Alu-Industrielle Oleg Deripaska, der mit dem Kauf von 30 Prozent dritter Kernaktionär der Strabag wird, hat in Wien bekräftigt, dass er nicht an einer Kontrolle des Baukonzerns interessiert sei und er sich auf seinen Heimmarkt konzentrieren wolle: "Wir sind in Russland sehr beschäftigt, Russland ist der beste Markt der Welt", antwortete der Milliardär auf Journalistenfragen. Man sei nach dem Börsegang mit einem Anteil von 25 Prozent zufrieden. "Nicht die Größe des Anteils, sondern das Business selbst" sei für ihn selbst interessant.

Der 39-Jährige absolvierte vor Journalisten aus neun Ländern einen seiner eher seltenen Medienauftritte im Wiener Hotel Hilton. Begleitet von seinen beiden Geschäftspartnern Hans-Peter Haselsteiner und Christian Konrad (Raiffeisen) erläuterte Deripaska das Motiv für den Einstieg und sein Firmenimperium, das von der Holdinggesellschaft "Basic Element" zusammengehalten wird. Nach etwa einer halben Stunde verabschiedete er sich aus Zeitgründen.

Deripaska gilt mit einem geschätzten Vermögen von 16,8 Mrd. Dollar als der zweitreichste Russe. Fragen zu seinem Image relativierte Deripaska mit dem Hinweis, dass erfolgreiche Menschen eben viele Neider hätten: "Ich glaube, dass Menschen, wenn sie verlieren, versuchen, Gründe dafür zu finden", die Folge seien dann persönliche Angriffe.

Der gesamte Konzern hat zuletzt mit 240.000 Menschen 18 Mrd. Dollar Umsatz gemacht. Knapp 60 Prozent des Umsatzes werden mit der Aluminium/Energiesparte erzielt. Die Bau-Division erwartet im heurigen Jahr mit 21.000 Beschäftigten rund 1,5 Mrd. Dollar (1,1 Mrd. Euro) Bauleistung.

Wenig eindeutig fiel die Antwort des erst 39-jährigen Oligarchen auf Gerüchte aus, die ihm Interesse an der Kontrolle des Magna-Konzerns nachsagen. Er wolle dies nicht kommentieren, antwortete Deripaska, um dann fortzufahren, die Angelegenheit liege jetzt "sowieso in den Händen des Magna-Managements". Der von ihm kontrollierte Autoproduzent GAZ kooperiert in Russland mit Magna International.

In welcher Form Strabag-Moskau und die Bauaktivitäten Deripaskas zusammenarbeiten, sei weder fertig geplant noch beschlossen, sagte Konzernchef Hans-Peter Haselsteiner. Er habe keine Angst, dass Deripaska persönlich die Kontrolle in der Strabag an sich reißen wolle. Dies sei so wahrscheinlich "wie wenn jemand, der mit Chelsea gesiegt hat, plötzlich beim FC Mistelbach spielen möchte."

Christian Konrad, Obmann der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien verwies auf eine seit zehn Jahren andauernde problemlose Kundenbeziehung zwischen Deripaska und der Raiffeisenbank in Moskau. Er sehe Deripaska als strategischen Partner und teile die Analyse Haselsteiners über die Vorteile der Zusammenarbeit. Alle, mit denen er bisher im Raiffeisensektor über den Deal gesprochen habe, hätten "vorbehaltlos gratuliert".

Die nun drei Kernaktionäre der Strabag werden durch einen Syndikatsvertrag gebunden, der verhindern soll, dass eine Partei an den anderen vorbei die alleinige Kontrolle an sich reißt oder diese nach außen abgibt. So müssen Aktionäre, die (nicht über die Börse) abgeben wollen, das Vorkaufsrecht der anderen Anteilseigner beachten. Auch nach weiteren Kapitalmaßnahmen darf keiner der drei Kernaktionäre auf unter 17 Prozent zurückgehen, zusammen muss die absolute Mehrheit gewährleistet sein.

Nachdem der seit langem geplante Börsegang kurzfristig geplatzt war, versicherten die Strabag-Aktionäre, dass es im Herbst dennoch zu einem "IPO" kommen werde. Im Rahmen einer Kapitalaufstockung sollen 15 bis 19 Millionen neue Strabag-Aktien ausgegeben werden. Von den Altaktionären kämen dann 12,5 bzw. 8,5 Millionen Anteilsscheine auf den Markt. Effekt wäre in jedem Fall, dass jeder der drei Partner 25 Prozent und eine Aktie (Sperrminorität) kontrolliert.

Rätselraten herrschte dagegen darüber, von wem wie viele der 3,5 Millionen Altaktien, die aktuell an Deripaska verkauft wurden, gekommen sind. Die UNIQA hat nach Eigenangaben 250.000 Anteilsscheine verkauft, die Raiffeisen Holding soll die gleiche Summe abgestoßen haben. Damit hätte die Haselsteiner-Gruppe um die drei Millionen Aktien verkauft und würde damit weniger Anteilsscheine kontrollieren als der bisherige Juniorpartner Raiffeisen/UNIQA.

Laut Haselsteiner-Sprecher Christian Ebner hat sich das Anteilsverhältnis der österreichischen Aktionäre zueinander dennoch nicht verschoben. Die Eigentümerstruktur nach dem Einstieg des dritten Gesellschafters sei wie folgt: 35 Prozent Familie Haselsteiner, 35 Prozent Raiffeisen/UNIQA, 30 Prozent Oleg Deripaska.

(apa/red)