Simbabwe steuert auf eine Stichwahl zu: Duell zwischen Mugabe und Tsvangirai offen

Erst 110 von 210 Sitze bei Parlamentswahl ausgezählt Tsvangirai liegt bei Präsidentschaftswahl vor Mugabe

Simbabwe steuert auf eine Stichwahl zu: Duell zwischen Mugabe und Tsvangirai offen © Bild: Reuters

Die Bekanntgabe von Wahlergebnissen in Simbabwe hat sich weiter verzögert. Bis zum Vormittag war nach amtlichen Angaben erst die Besetzung von 110 der insgesamt 210 Parlamentssitze entschieden. Demnach entfielen 57 an die oppositionelle Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai gemeinsam mit einer Splitterpartei und 53 auf die Partei ZANU-PF (Afrikanische Nationalunion von Simbabwe/Patriotische Front) von Präsident Robert Mugabe, der sich im Rennen um das Präsidentenamt offenbar einer Stichwahl wird stellen müssen.

Hochrechnungen der ZANU-PF weisen Parteikreisen zufolge einen Sieg der Opposition bei der Präsidentenwahl aus. Amtsinhaber Mugabe werde jedoch in eine Stichwahl gegen Tsvangirai einziehen, sagten zwei hochrangige Parteimitglieder. Demnach kommt der MDC-Kandidat Tsvangirai 48,3 Prozent gegenüber 43 Prozent für Mugabe, der das südafrikanische Land seit der Unabhängigkeit 1980 autoritär regiert. Um eine Stichwahl zu vermeiden, müsste ein Kandidat 51 Prozent der Stimmen erhalten.

Tsvangirai in Führung
Auch unabhängige Beobachter erklärten, der Trend deute darauf hin, dass Tsvangirai bei der Präsidentenwahl in Führung liege. Ein Netzwerk simbabwesischer Nichtregierungsorganisationen berief sich auf Teilergebnisse aus 435 Wahllokalen mit ähnlichen Werten wie jene der ZANU-PF. Der unabhängige Kandidat Simba Makoni erhielt demnach 8,2 Prozent.

Die Opposition hat bei allen Wahlen vom Samstag den Sieg für sich beansprucht. Ein Triumph Mugabes sei angesichts der Faktenlage nicht möglich, sagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti schon am Montag. Die Verzögerungen bei der offiziellen Bekanntgabe der Wahlergebnisse ließen neue Manipulationsvorwürfe laut werden. "Jetzt ist offensichtlich, dass hier etwas nicht in Ordnung ist", sagte MDC-Sprecher Nelson Chamisa. Die Opposition hat bereits Proteste angekündigt. "Das Volk hat gesprochen, und es hat sich gegen die Diktatur ausgesprochen", sagte Biti.

Warnung an Opposition
Mugabe hat den Verdacht der Wahlfälschung zurückgewiesen. Er warnte die Opposition, jede voreilige Erklärung eines Wahlsiegs werde als Putschversuch verstanden. Die Regierung verstärkte ihre Sicherheitsvorkehrungen in den Hochburgen der Opposition in der Hauptstadt Harare und forderte die Bewohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Die zugleich abgehaltenen Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahlen vom Samstag gelten als die wichtigsten Urnengänge seit der Unabhängigkeit des Landes im Süden Afrikas von Großbritannien vor 28 Jahren. Auch die USA und die EU haben die langsame Auszählung kritisiert und die Wahlkommission aufgefordert, die Teilergebnisse zügig zu veröffentlichen. Mugabe wird international für grobe Misswirtschaft und Verstöße gegen die Menschenrechte kritisiert.

Ein Regierungssprecher wies unterdessen Gerüchte über eine angebliche Flucht von Mugabe ins Ausland zurück. "Der Präsident hat weiterhin die Kontrolle", betonte der Sprecher im südafrikanischen Rundfunk. Er reagierte damit auf Informationen, Mugabe befinde sich auf dem Flug nach Malaysia. Der Staatschef ist seit der Wahl nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden.

(apa/red)