Silvio Berlusconi von

Kein Opfer von Erpressung

Premier sagt Treffen mit Staatsanwälten ab: "Entziehe mich nicht der Justiz"

Silvio Berlusconi - Kein Opfer von Erpressung © Bild: Reuters/Pierdomenico

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi hat bestritten, dass er Opfer einer Erpressung sei. Er habe dem Unternehmer Giampaolo Tarantini Geld gegeben, weil er mit seiner Familie in finanzielle Nöten geraten sei, nicht aber weil dieser ihn erpresst habe, versicherte Berlusconi in einem TV-Interview.

Berlusconi soll nach Angaben der Staatsanwälte Neapels vom verhafteten süditalienischen Unternehmer Tarantini und seiner Ehefrau erpresst worden sein. Sie sollen dem Regierungschef 850.000 Euro abgenommen haben, damit sie in der Callgirl-Affäre falsch aussagen. Zudem solle Tarantini monatlich weitere Summen vom Premier erhalten haben. Die Vorwürfe der Ermittler gründen auf abgehörten Telefongesprächen.

Berlusconi wird nicht aussagen
Berlusconi bestätigte, dass er entgegen der ursprünglichen Planung am Dienstag nicht vor den in der Erpressungsaffäre ermittelnden Staatsanwälten aussagen werde. Grund sei eine Brüssel-Reise des Premiers, der unter anderem mit EU-Kommissionspräsident Barroso und EU-Ratspräsident Van Rompuy über die Schuldenkrise konferieren wollte. "Ich entziehe mich nicht dem Treffen mit den Staatsanwälten, bin aber in Brüssel mit der Krise beschäftigt", betonte Berlusconi.

Staatsanwalt Giandomenico Lepore reagierte gelassen auf Berlusocnis Worte. "Wenn der Premier beschäftigt ist, werden wir einen anderen Termin ausmachen", sagte Lepore.

Zügellose Partys des Ministerpräsidenten
Der 34-jährige Tarantini hatte 2009 erklärt, er habe rund 30 Frauen bezahlt, die an zügellosen Partys des Ministerpräsidenten teilgenommen und Sexdienste angeboten hätten. Darunter sei auch die Prostituierte Patrizia D'Addario gewesen. Der Unternehmer soll laut der Wochenzeitung "Panorama" hohe Summen von Berlusconi erhalten haben, damit er den Ermittlern erzählte, der Ministerpräsident habe nicht gewusst, dass die Frauen bezahlt würden. Tarantini war im Juni wegen Drogenhandels zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden und hatte mehrere Monate unter Hausarrest verbracht.