Silvio Berlusconi von

Herbe Schlappe für Regierungschef

Italienische Kommunalwahlen: Stimmungstest für Premier ist voll in die Hose gegangen...

Silvio Berlusconi - Herbe Schlappe für Regierungschef © Bild: Reuters

Bei den Stichwahlen zu den Kommunalwahlen in Italien hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Die Mitte-rechts-Koalition um den Premier verlor die Führung in Mailand, Heimatstadt und Hochburg Berlusconis. Der Mitte-links-Kandidat Giuliano Pisapia gewann laut endgültigen Ergebnissen mit 55,15 Prozent der Stimmen.

Die von Berlusconi unterstützte Bürgermeisterin Letizia Moratti schaffte es lediglich auf 44,85 Prozent der Stimmen. Mit Stadionchören feierten die Anhänger Pisapias den Erfolg des Mitte-links-Kandidaten. "Berlusconi, geh nach Hause!", skandierten die Mitte-links-Aktivisten im Zentrum Mailands. Auch in Berlusconis Wohnsitz Arcore bei Mailand setzte sich ein Mitte-links-Kandidat durch.

Niederlage auch in Neapel
Auch in Neapel, das seit Monaten von einer schweren Müllkrise geplagt wird, musste sich Berlusconis Kandidat, der Unternehmer Gianni Lettieri, den Hochrechnungen zufolge dem linken Kandidaten, Luigi De Magistris, geschlagen geben - und laut vorläufigen Ergebnissen setzt es auch in Triest eine Niederlage: Hier setzte sich der Mitte-links-Kandidat Roberto Consolini mit 57,5 Prozent der Stimmen durch. Der Mitte-rechts-Kandidat Roberto Antonione kam lediglich auf 42,49 Prozent der Stimmen.

Die Kommunalwahl, zu der 13 Millionen Italiener aufgerufen waren, galt als wichtiger Stimmungstest für Berlusconi. Am Sonntag und am Montag war in 88 Städten und Gemeinden die zweite Runde der Abstimmung abgehalten worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,08 Prozent. Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten sich 68,58 Prozent der Wahlberechtigten am Urnengang beteiligt.

"Berlusconi muss Konsequenzen ziehen"
Die Opposition spürt jetzt Rückenwind: "Berlusconi muss die Konsequenzen von dieser Niederlage ziehen. Er hat diesem Urnengang eine nationale Relevanz eingeräumt. Zum Wohl des Landes soll er zurücktreten", sagte Rosy Bindi, Präsidentin der Demokratischen Partei (PD, stärkste Regierungspartei).

Eine riesige Menschenmenge feierte auf dem Mailänder Domplatz den neuen Bürgermeister Giuliano Pisapia, der an der Spitze einer Mitte-links-Allianz die Wahlen in der Finanz- und Wirtschaftsmetropole gewonnen hat. Ausgerechnet in der Heimatstadt Berlusconis stellt erstmals nach fast zwei Jahrzehnten die Linke wieder den Bürgermeister. "Wir haben Mailand befreit. Die Stadt brauchte einen Neubeginn. Für Mailand beginnt eine neue Epoche, in der das gemeinsame Wohl wieder im Vordergrund steht", feierte Pisapia, der sich gegen die von Berlusconi unterstützte Bürgermeisterin Letizia Moratti durchsetzen konnte.

Ex-Verbündeter Fini: "Erntet, was der gesät hat"
Scharfe Kritik musste Berlusconi auch von seinem ehemaligen Verbündeten Gianfranco Fini hinnehmen, von dem er sich vor einem Jahr im Streit getrennt hatte. Seitdem hat Fini eine eigene Zentrumspartei "Zukunft und Freiheit in Italien" (FLI) gegründet. "Berlusconi erntet, was er gesät hat. Auch wenn die Regierung nicht stürzt, ist die Ära Berlusconi in Italien zu Ende. Der Premier kann nur sich und seine Ratgeber für diese Niederlage verantwortlich machen", kommentierte Fini.

Innenminister Roberto Maroni bestritt, dass die Regierung Berlusconi nach der Wahlniederlage auf der Kippe sei. "Die Regierung ist nicht gefährdet. Wir müssen aber für einen Neubeginn arbeiten, nur so können wir auf die Forderung der Bürger reagieren", kommentierte Maroni. Laut Außenminister Franco Frattini habe Italien im Parlament keine Alternative zu dieser Regierung.