Siegfried Nagl behält Platz an der Sonne:
Wohlfühl-Wahlkampf brachte VPler Stimmen

Bürgermeister konnte Amtsinhaber-Bonus nutzen Schwarz-Grüne Karte bleibt jetzt weiterhin im Talon

Siegfried Nagl behält Platz an der Sonne:
Wohlfühl-Wahlkampf brachte VPler Stimmen © Bild: Reuters/Neubauer

Siegfried Nagl (44) war als Amtsinhaber zwar als klarer Favorit ins Rennen um den Grazer Bürgermeistersessel gegangen, dass er aber mit seiner ÖVP gegenüber dem starken Ergebnis 2003 noch eins draufsetzen konnte, überraschte dennoch. Als jugendlicher Quereinsteiger hatte der Kaufmann 2000 eine schwächelnde ÖVP übernommen, die sogar hinter die FPÖ zurückgefallen war, und sie nach der Ära seines charismatischen SPÖ-Vorgängers und Mentors Alfred Stingl zum Platz an der Sonne geführt.

Im aktuellen Wahlkampf hatte Nagl auf Positiv-Themen gesetzt, sich gegen extreme Positionen abgegrenzt und dem politischen Mitbewerbern - speziell den Grünen - demonstrativ die Hand gereicht. Es sei ein "Wohlfühl-Wahlkampf" gewesen, wie Kritiker meinten. Ausrutscher minderheiten- und fremdenfeindlicher Tendenz, wie sie ihm in der Vergangenheit vorgeworfen wurden, konnten ihm jedenfalls nicht nachgesagt werden.

Mit einigen Vorzeigeprojekten wie dem Kulturhauptstadtjahr 2003 bis hin zu Straßenbahnausbauten, mit Integrationsmaßnahmen bis zu Beiträgen, die den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Graz festigen konnten, gelang es Nagl zu punkten. Gemeinsam mit SPÖ-Hoffnungsträger und Finanzstadtrat Wolfgang Riedler konnte er auch das nach 2003 krachende Budget einigermaßen in den Griff kriegen.

Der "Shooting Star" hat jedenfalls in den fünf Amtsjahren an Profil, Überlegtheit und politischem Gespür gewonnen. "Ich habe dazu gelernt, auch mich in Geduld zu üben", hatte Nagl wiederholt gesagt. Seine Aufgabe, als Bürgermeister gegen eine rot-rote Mehrheit im Stadtsenat und eine rot-rot-grüne im Gemeinderat zu regieren, hat ihm einiges Geschick abverlangt. Auch einige Niederlagen musste er hinnehmen. Diese Mehrheit hat sich nun geändert, es sind die Proportionen verschoben worden und könnten - im Falle etwa eines Schwarz-Grünen Arbeitsübereinkommens - neue Akzente bekommen.

Der Handelsakademiker kommt aus einem Innenstadtunternehmen, hat mit seiner Ehefrau vier Kinder und gilt als wertekonservativ. Im Gegensatz zu früheren Obleuten hat Nagl auch die Bünde augenfällig geeint hinter sich: Selbst die diesmal probierte Kandidatenreihung nach Vorzugsstimmen, die einen Wahlkampf auch intern auslöste, verursachte zwar leichtes Murren in den Kadern, wurde aber ebenso akzeptiert wie eher vage Versprechen an die im Regierungsteam nicht vorhandenen Frauen.

(apa)