'Sieg war wichtig für die ganze Mannschaft':
Mario Matt erlebte 2. WM-Gold "bewusster"

Slalom-Weltmeister brach Lanze für ÖSV-Trainer Tiroler: "Ich bin reifer. Sportlich und menschlich."

'Sieg war wichtig für die ganze Mannschaft':
Mario Matt erlebte 2. WM-Gold "bewusster"

Matt nützte in der Stunde seines Triumphes die Gelegenheit, sich ganz deutlich hinter das Herren-Trainerteam rund um Chefcoach Toni Giger zu stellen. "Dieser Sieg war wichtig für die ganze Mannschaft und die Trainer, die sehr hart und sehr gut mit uns arbeiten. Das war eine Bestätigung für alle." Die heftige mediale Reaktion nach den Abfuhren in Abfahrt und Riesentorlauf hatte Matt ein wenig überrascht. "Es kam doch sehr viel Kritik. Aber man darf nicht vergessen, was diese Leute in den letzten zehn Jahren geleistet haben. Bei einem Großereignis kann nicht immer alles aufgehen."

Der "Adler vom Arlberg" blickte nach dem eindrucksvollen Triumph (1,81 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Manfred Mölgg/ITA) auch noch einmal auf seinen Leidensweg zurück. Begonnen hatte dieser am 20. Jänner 2002 mit einem Sturz beim Einfahren zum Kitzbühel-Slalom. "Ich bin trotzdem gestartet. Und beim Start habe ich mir dann die Schulter ausgekugelt und es sind alle Bänder gerissen." Die genaue Diagnose hatte damals für die rechte Schulter gelautet: Komplettabriss der Gelenkskapsel, Bizeps-Abriss, Oberarmkopf-Abriss, Riss aller Kapselbänder.

"Wirklich verzweifelt war ich nie"
Der Traum von Olympia 2002 war brutal beendet worden. Der Kampf zurück verlief nach der ersten Operation gut. Allerdings nur bis Herbst, denn dann stürzte Matt beim Training in Neuseeland neuerlich auf die lädierte Schulter - OP Nummer zwei war die bittere Folge. "Wirklich verzweifelt war ich nie. Aber da wollte ich dann erst einmal nichts mehr vom Skifahren wissen und Abstand gewinnen." Einen Psychologen brauchte Matt aber auf seinem Weg zurück zu keinem Zeitpunkt: "Ich war immer schon sehr stark im Kopf."

Vom Skifahrerischen her hätte das Comeback an der Weltspitze weitaus früher passieren können. "Denn ich habe gewusst, dass mich nur das Material aufhalten kann." Und das tat dieses auch. Matts Rückkehr in die Weltspitze ist ein klassisches Beispiel dafür, wie wichtig die Materialabstimmung im Skisport ist. "Das Zusammenspiel zwischen Ski und Schuhe muss passen." Die lang ersehnte Lösung gab's zu Weihnachten 2006, beim Schuh wurde vor allem die Kanteneinstellung verändert.

Weltmeister Matt: "Ich bin reifer"
Allgemein gesehen habe sich punkto Material seit seinem Titel 2001 natürlich einiges getan, seinen Fahrstil hat Matt aber nicht umgestellt. Zumindest nicht bewusst. "Das Material hat sich stark verändert. Dadurch wird eine direktere Linie gefahren und der Schwung ist kürzer geworden. Dadurch sieht alles ein bisschen anders aus." Matt persönlich habe sich natürlich ebenfalls weitentwickelt. "Ich bin reifer. Sportlich und menschlich."

Freundin Andrea war im Zielraum ebenso überwältigt wie Matt und feierte deshalb umso kräftiger bei der Gold-Party im "Tirol Berg" mit. Auch Matt ließ es ordentlich "krachen", tanzte Polonaise und den Zillertaler Hochzeitsmarsch. Die Beziehung zu Andrea gibt Matt den notwendigen privaten Rückhalt. "Es ist sehr wichtig, dass es in der Beziehung passt. Denn alles andere wäre ein zusätzlicher Stressfaktor." (apa/red)