"Sie hat mich zuerst geküsst": Deutscher Schüler wegen Missbrauchs in türkischer Haft

Soll 13-jährige Britin im Urlaub bedrängt haben Türkei lehnt Freilassung von Teenager vorerst ab

Im Fall des seit Mitte April in Antalya inhaftierten 17-jährigen Deutschen Marco W. aus Uelzen lehnt die türkische Regierung eine Freilassung vorerst ab. Sie werde aber für ein faires Verfahren sorgen, sagte der türkische EU-Chefunterhändler Ali Babacan nach einem Gespräch mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Brüssel.

Marco W., der des sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin beschuldigt wird, beteuerte in einem Zeitungsinterview erneut seine Unschuld und warf dem Mädchen vor, ihn mit einer falschen Altersangabe hereingelegt zu haben. In einem in der Untersuchungshaft geführten Interview mit der türkischen Zeitung "Hürriyet" forderte Marco das britische Mädchen Charlotte auf, die Wahrheit zu sagen. Sie habe ihr Alter ihm gegenüber mit 15 angegeben.

Marco hatte während des Urlaubs im Hotel mit ihr geflirtet und war nach einer Strafanzeige der Eltern in Haft genommen worden. Der Fall hatte in den vergangenen Tagen für erheblichen Wirbel gesorgt. Deutschland fordert eine Freilassung des Schülers, dessen Prozess am 6. Juli fortgesetzt werden soll. Bei einer Verurteilung drohen ihm acht Jahre Haft.

Er habe mit dem Mädchen schlafen wollen, sagte Marco in "Hürriyet". Das sei auch ihr Wunsch gewesen. Wegen eines vorzeitigen Samenergusses sei es nicht dazu gekommen. Als er später erfahren habe, dass Charlotte 13 Jahre alt ist, habe er "einen Schock bekommen", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. In "Hürriyet" beteuerte er, er hätte sich anders verhalten, wenn er das Alter des Mädchens gekannt hätte. Nun hoffe er, dass sein Prozess eingestellt werde.

Der Fall des deutschen Teenagers sei ein "sehr unglücklicher Fall", räumte Babacan ein. Aber die türkische Regierung könne und wolle sich nicht in das Rechtsverfahren einmischen: Die Unabhängigkeit der Justiz sei eine der Hauptforderungen der EU in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, sagte er.

Darauf verwies auch der Trierer Rechtswissenschafter Hans-Heiner Kühne, der das türkische Außenministerium in Menschenrechtsfragen berät. Er warnte davor, der Türkei mit Sanktionen bei den EU-Beitrittsverhandlungen zu drohen. Autoritäres Auftrumpfen nutze nichts, aber "wenn man hier still verhandelt, dann gibt es sicher eine sehr kurzfristige, gute Lösung", sagte Kühne im Deutschlandradio Kultur. (APA/red)