Sido von

Er hat die Schnauze voll

Der Rapper will sein Rüpel-Image loswerden und spricht erstmals über seine neue Liebe

Sido - Er hat die Schnauze voll © Bild: APA/Presslehner

Der Mann hat einen Ruf, der einen entweder ins Unglück stürzt oder, bei rabiater Verwertung, zum wohlhabenden Mann macht. Rüpel-Rapper, jointsaugende Berliner Schnauze, Krawallbruder mit bedenklichen Sprüchen: All das ist Sido bis zum Überdruss. Nun aber besinnt er sich der Verpflichtungen seines bürgerlichen Namens Paul Hartmut Würdig: Im NEWS-Interview spricht er vom Imagewandel, von Spießerträumen und dem beschaulichen Leben auf dem Bauernhof.

Mit einer halben Stunde Verspätung kommt der Rapper und „Große Chance“- Juror zum Mittagessen ins Restaurant im Media-Quartier nach Wien-St. Marx. Langer Bart, verspiegelte Sonnenbrille, die widerspenstigen Haare mit einem Gummiband nach hinten geklemmt – so schlendert der 31-Jährige seines Weges. Seit Monaten hat er kein Interview gegeben. Ganz einfach, weil er „keinen Bock darauf“ hat. Nur ein Konzert hat er heuer in Österreich geplant. Mehr will er derzeit ganz einfach nicht machen.

Denn die Liebe geht vor: Sido grinst glücklich, als er erstmals offen über seine neue Freundin, Charlotte Engelhardt, spricht. Die 33-Jährige, im Gefolge ihrer Heimwerker-Sendung auf PRO 7 „Hammer- Braut“ genannt, ist seit Mai seine neue Flamme. Die Trennung von der Verlobten Doreen, 25, hat ihm „nicht so weh getan. Es hat sich ja alles über eine Weile entwickelt.“ Den Hund der Verflossenen, den 12-jährigen Leonhard, hat er zum Interview mitgebracht und überlässt ihm ein Stück seines Hamburgers. Wohl auch aus Beziehungsgründen sucht er eine zivilisiertere Anmutung. Doch für seine Band Blockstars, die er mit dem ORF gecastet hat und die ihn jetzt mit Vorwürfen über miese Behandlung konfrontiert, findet er gewohnt harte Worte. Sein eigenwilliges Wort über Hitler – „Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat“ – bereut er übrigens nicht.

NEWS: Ihr Kollege Bushido will Bürgermeister von Berlin werden und eine Partei gründen. Wäre das auch was für Sie?
Sido: Die Politik ist mir zu verlogen, mir reicht schon das Musik-Business. Das ist verlogen genug. Denn man hat schnell ein gewisses Image, mit dem man dann bis zum Ende der Karriere leben muss. Dagegen anzukämpfen ist sehr hart.

NEWS: Haben Sie genug davon, der ewige Rüpel zu sein?
Sido: Ja. Denn egal, was ich mache, es wird mir immer rüpelhaft ausgelegt. Davon hab ich die Schnauze voll. Ich bin am Ende des Tages ein ganz normaler Mensch. Gut, ich habe Songs geschrieben, die mir das Image eingebracht haben. Und mein Leben war früher wirklich Scheiße. Aber so ist es nicht mehr. Ich bin 31 Jahre, und mein Leben ist jetzt lebenswert.

NEWS: Macht es Ihre neue Freundin, dass Sie ruhiger werden? Die „Hammer-Braut“ gibt es doch noch in Ihrem Leben?
Sido: Ah, ihr nennt sie auch „Hammer- Braut“. Nein, mit ihr hat es nichts zu tun, ich bin einfach viel entspannter. Früher war mein Leben einfach sehr, sehr – und ich konnte hier noch zehn „sehr“ dranhangen – unentspannt. Ein harmonisches Leben war mir immer ein Anliegen, das habe ich geschafft. Und: Klar gibt es meine Freundin noch, alles andere wäre ja bescheuert.

NEWS: Die Beziehung hätte ja ein Irrtum sein können. Ihre Ex-Freundin wollten Sie heiraten, ist das jetzt ein Thema?
Sido: Meine Beziehung jetzt ist gewiss kein Irrtum. Aber es ist alles noch sehr am Anfang. Ich sehne mich einfach nach Ankommen, Harmonie und Geborgenheit. Das alles gibt mir meine Freundin. Und das alles bietet die Ehe. Ich habe mir als Mann die Horner schon abgestoßen. Und wenn du diesen Ring dann am Finger hast, dann gibt er irrsinnige Sicherheit. Dann weist du: Die Sache mit dem Weiber-Treffen ist erledigt. Die Hochzeit ist der Punkt, wo die Jagd beendet ist. Ich finde, das ist ein Statement. Das heißt also, ich werde – wann auch immer – ganz sicher heiraten und noch Kinder haben. Ich will eines Tages im Schaukelstuhl im Garten sitzen und den Enkeln zusehen. So habe ich mir als Jugendlicher Spießertum vorgestellt. So will ich selbst eines Tages leben.

NEWS: Wie schwer ist es, jemanden zu finden, der Ihr verrücktes Leben mitführt?
Sido: Warum soll das schwierig sein? Man ist ja auch total abgesichert, wenn man wen wie mich hat.

NEWS: Haben Sie schon ausgesorgt?
Sido: Ja, so wurde ich das nennen, das geht sich bis zum Ende aus. Ich bin einfach total angekommen. Ich habe alles gemacht: einen Film. Abgehakt. Gute Songs. Abgehakt. Ich baue mir ein Loft in Berlin. Abgehakt. Ich habe alle meine Schäfchen im Trockenen.

So nicht!

NEWS: Ihre menschlichen „Schäfchen“, die Blockstars, sagen, Sie haben sie fallen gelassen. Verstehen Sie die Vorwürfe?
Sido: Die Blockstars haben geschimpft, ja, ich hab es gehört. Ich habe sie höflich entlassen. Denn bei dem Projekt haben sich ein paar junge Leute einfach in ein gemachtes Nest gelegt. Sie haben sich darauf ausgeruht, dass Sido ihnen alles macht. So nicht! Ich bin komplett enttäuscht von dem gesamten Projekt. Ich habe den jungen Leuten eine Chance gegeben und werde für meine Gutmutigkeit von ihnen auch noch in den Arsch getreten.

NEWS: Derzeit casten Sie gerade wieder für „Die Große Chance“ im ORF. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Peter Rapp?
Sido: Es war ja mein Wunsch, dass Herr Rapp in der Sendung statt Bernhard Paul mitmacht. Paul war eine echte Schlaftablette. Aber ich wollte, dass der Generationenunterschied in der Show bleibt. Peter Rapp finde ich einfach gut, wir haben großen Respekt voreinander. Ich glaube, wenn ich alt bin, sehe ich mal so aus wie er. Ich kann mir auch gut vorstellen noch weitere Projekte mit ihm gemeinsam zu machen.

NEWS: Ihre Sager beim vergangenen Casting wurden legendär. Sie haben einen heimischen Journalisten als „Hausmeister“ bezeichnet, und die ganze Nation hat gelacht. Woher kommt dieser spontane Wortwitz bei Ihnen?
Sido: Ich war schon in der Schule der Klassen- Clown – ganz einfach weil ich nicht der Beliebteste und auch nicht der Schönste war. Da ist mir nichts anderes übrig geblieben, als ständig Spruche auf den Lippen zu haben. Ich musste mich also mit der Situation arrangieren, denn die Mädels damals sind eher auf Bushido-Typen abgefahren. Ich war eben nur der Junge mit der Brille.

NEWS: Sie haben sich im 19. Bezirk eine Wohnung genommen. Wollen Sie denn in Wien bleiben?
Sido: Ja, ich verfolge den Plan, mir in Österreich einen Bauernhof zu kaufen. Drei habe ich mir schon angesehen – einen davon in der Steiermark. Der Bauernhof muss auf jeden Fall auf einem Berg sein. Ich will dort einmal ganz autark leben – mich mit Solarenergie und Wasser selbst versorgen, damit ich vorgesorgt habe, wenn alles zusammenbricht.

NEWS: Fühlen Sie sich schon ein bisschen wie ein Österreicher?
Sido: Nein, denn ich glaube, die Österreicher mögen mich nicht. Ich habe früher überlegt, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen, habe das aber verworfen. Denn ich wäre sicher schon im Knast, weil ich so viele Dinge sage, die politisch nicht korrekt sind.

NEWS: Wie Ihr Hitler-Sager ?
Sido: Das war doch nur ein Scherz. Aber so was versteht man hier nicht. Dabei ist es doch so, dass Osterreich ein grundrassistisches Land ist. Es gibt Rassismus hier in der pursten Form, und ich werde den Teufel tun und einen Rückzieher machen, was meine Aussagen betrifft. Da bin ich auch egoistisch: Ich kann einfach besser einschlafen, wenn ich mir nicht die Schnauze habe verbieten lassen.

Kommentare

tz tz tz Ich bin 62 und mag sido,
aber keine speichellecker..

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