Kultur von

Wer kann Rainer Küchl ersetzen?

Heinz Sichrovsky über heikle Personalien der Philharmoniker

Kultur - Wer kann Rainer Küchl ersetzen? © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Ob man sich darüber beunruhigen oder das strenge Qualitätsbewusstsein der Wiener Philharmoniker bewundern soll, hängt von der Perspektive ab: Zwei Probespiele wurden ergebnislos abgebrochen. Gesucht wurden ein Fagottist und, die orchestrale Schlüsselposition per se, ein neuer Konzertmeister.

Rainer Küchl, eine prägende Persönlichkeit der jüngeren Orchestergeschichte, erreicht das Ruhestandsalter. Ihn zu ersetzen ist schwer, denn Küchl verkörpert das Amt idealtypisch: Er ist nicht nur ein großer Musiker am ersten Geigenpult, sondern auch eine Führungspersönlichkeit im Musikalischen wie im Gruppendynamischen. Der Konzertmeister ist in einer schizophrenen Position: Er muss mit solistischer Qualität den Ton angeben, sich aber auch diszipliniert dem Ganzen unterordnen, denn genialische Ausritte während eines Konzerts hätten das Chaos zur Folge. Im Frühjahr sucht man weiter. Manche plädieren dafür, das System zu verändern: Die vielköpfige, großteils Orchester-interne Jury möge nicht länger Punkte vergeben, denn diese Art Objektivierbarkeit bedinge verwechselbares, bloßer Fehlervermeidung verpflichtetes Spiel. Besser, man entscheide mit einfachem Handzeichen über den Aufstieg in die nächste Runde. Nützt auch das nichts, kann Küchls Vertrag um ein Jahr verlängert werden. Ein Glück für alle, aber kein Modell für die Dauer.

Kommentare