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Das zweite Leben der Meret Barz

Heinz Sichrovsky über die Wiederkehr einer tollen Künstlerin

NEWS Kulturchef Heinz Sichrovsky © Bild: News Herrgott Ricardo

Die in der Einladung verbindlich zugesagten „50 nackten Girls an der Stange" sind bescheidene Anreize verglichen mit der Person, die sie auf die Stange nötigt: Die Schweizerin Meret Barz, eine lang verschwundene fabulöse Theaterregisseurin, präsentiert sich am 18. Juni, 18.30, auf Deck des Restaurants „Motto am Fluss" (Franz-Josefs-Kai 2) als Designerin eines exklusiven Rollkoffers. Das pulsbeschleunigende Sujet stiftete der große Attersee (siehe Leute-Teil).

In den Achtzigerjahren, vor Peymann und Tabori, formierte sich am Reinhardt-Seminar um die Studierende Barz eine wilde Wundertruppe, die sich „Beinhardt"-Ensemble nannte: jung, lauter, professionell und unkorrumpierbar, spielte man große Literatur. Das Burgtheater fragte an, aber Meret Barz wollte frei sein. Sie brach eine Arbeit am Hamburger Thalia-Theater ab, als sie an den Realitäten zu scheitern drohte. Dafür zauberte sie eine herrliche Goethe-Produktion in eine Wildnis im Dritten Bezirk, erlöste die Ruinen der noch nicht abgefackelten Sophiensäle und den Messepalast, der hinter Resopal der Erweckung zum Museumsquartier harrte.

Die großartige Stadträtin Pasterk gab die Subvention. Dann nahm die freie Szene die Verteilung der Mittel mafios selbst in die Hand und jurierte Kostbares zu Tode. Und Meret Barz begann von vorn, um sich nun wahrnehmungswürdigeren Koffern zuzuwenden.

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