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Darf man Helmut Gansterer loben?

Heinz Sichrovsky über einen neuen Verhaltensratgeber

NEWS Kulturchef Heinz Sichrovsky © Bild: News Herrgott Ricardo

Darf man die im Überfluss geläufigen Qualitäten des Journalisten Helmut A. Gansterer einer Würdigung unterziehen, ohne sich der Banalität des Rückfalls-Déjà-vus schuldig zu machen? Darf man zu Zeiten, in denen eine Kolumne aus knappen, aber erschöpfenden Antworten zu bestehen hat, mit einer solchen Frage überhaupt beginnen? Gansterer, den der Weltblödsinn nicht kümmert, hat ein Buch in den Handel befördert, dessen Titel wie alle 79 Kapitelüberschriften aus Fragesätzen besteht. Es heißt „Darf man sich’s urgut gehen lassen?

Wo es doch allen so schlecht geht“ und bietet listige Wegweisung in Zeiten, in denen der Nicht-Gebrauch des Binnen-I, die Verabreichung von Pommes und Barbie-Puppen an Wehrlose oder ein sich durch Blickvergehen teilmaterialisierender libidinöser Gedankenübergriff Vorerhebungen nach sich ziehen können. Knigge, der hierzu den Prototypen verfasst hat, war Begründer des Illuminatenordens und ein unfroher Weltverbesserer. Gansterer ist das Gegenteil. Er nennt sich einen Hedonisten, einen praktizierenden Apologeten der freudvollen Lebensoptionen, und preist Eliten.

Und ließe ich mir überhaupt etwas sagen, dann von ihm.

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