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Das Stück ist nicht schlecht genug

Heinz Sichrovsky über Grillparzers "Die Ahnfrau" im Burg-Kasino

NEWS Kulturchef Heinz Sichrovsky © Bild: News Herrgott Ricardo

Die Aufführung laboriert an einem seltenen Problem: Das Stück ist nicht schlecht genug. Generationen österreichischer Gymnasiasten wurden mit dem Dramatiker Franz Grillparzer abgefüllt. Dieser vormärzliche Neurotiker packte seine Defekte in verquälte Zufriedenheitsappelle, deren Besonderes sich darin materialisieren soll, dass er sie heimlich anders gemeint habe. Seinem schauerdramatischen Erstling „Die Ahnfrau" aber eilt der Ruf voraus, den weltliterarisch kaum teil-erheblichen Gipskopf ernsthaft angreifbar zu machen.

Deshalb ging jetzt Matthias Hartmann im Burg-Kasino selbst ans Werk, besetzte die verfluchte Urahnin und ihr Ebenbild Berta mit Männern und hielt sich für eine hoch besetzte Klamotte bereit. Aber ach: „Die Ahnfrau" geht in den nämlichen ledernen Trochäen und schalen Endreimen wieder wie gut reputierte Erzeugnisse Grillparzers auch. Für Mist fehlte es an Stil, Schwung und Courage, kein Vergleich etwa mit dem kühnen Blödsinn von Zacharias Werners „Der 24. Februar". So reibt sich das glänzende Ensemble, mit dem auch in widrigen Umständen großartigen Ignaz Kirchner an der Spitze, in einer Schlingerpartie zwischen Trash, Epischem Theater und moralischer Deklamation auf. Hartmann beherrscht jeden dieser Stile mit Bravour, allein: vergebens. Bis zum 24. Februar also!

Kommentare

Wolfgang Palka

Dass die "Ahnfrau" ein Hadern ist, den kein Spielplan wirklich braucht, unterschreib ich gern. Aber gleich das gesamte Werk verunglimpfen, ts ts! Ein Theaterkritiker mit feinem Ohr und schönem Theatergefühl sollte sich von Schulerlebnissen frei machen können. Grillparzer ist vielmehr sprachlich hochmusikalisch-elegante höchste Dramenkunst!

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