Spitzentöne von

Ein gelegentlicher Fußballnarr

Heinz Sichrovksy erläutert seine Beziehung zum österreichischen Fußball

Heinz Sichrovsky © Bild: News

Jetzt hat mich der Fußball wieder, so wie in den späten Siebzigerjahren, als wir nach Córdoba wieder jemand waren. Er war schon ein Kindheitsbegleiter gewesen, nah und unerreichbar zugleich: Vom nahen Sportclub-Platz überrollten die Chöre, die den Namen des Stürmers Erich Hof skandierten, unseren im Sonntagskoma dämmernden Gemeindebau; über ein Kofferradio erwarb ich mir fast Expertenstatus. Aber ein Match durfte ich nie besuchen, und als ich groß war, gab es beim Sportclub nichts zu jubeln. Also schloss ich mich der Austria an, die mir die einzig akzeptable Wahlheimat für einen selbst neu ernannten Intellektuellen zu sein schien. Welch ein Irrglaube, wie mir beim ersten Matchbesuch meines Lebens klar wurde! Es war ein großes Wiener Derby, und der durch meine Kollegin Karin Kathrein und mich formierten Austria-Fraktion standen, grün adjustiert und übermächtig, der Literaturwissenschaftler Wendelin Schmidt- Dengler, der Theaterregisseur Dieter Haspel und der Liedermacher Erich Demmer gegenüber. In Graz mobilisierten zu jener Zeit der Romancier Gerhard Roth (Sturm) und der Dramatiker Wolfgang Bauer (GAK) alle Emotionen des lokalen Stadtderbys. Dann verdämmerte der österreichische Fußball wieder, und mein Interesse erlosch für mehr als 30 Jahre. Am vergangenen Mittwoch habe ich übrigens einen neuen Fernsehapparat erworben.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: sichrovsky.heinz@news.at

Kommentare