Sicherheits-Experte zu Fußball-EM 2008: Nicht ausschließlich Hochrisiko-Spiele

Im Gegensatz zu WM kein personalisiertes Ticketing Überwachung auch in Public Viewing-Bereichen

Sicherheits-Experte zu Fußball-EM 2008: Nicht ausschließlich Hochrisiko-Spiele

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 wird es - anders als bei der WM in Deutschland - nicht nur Hochrisikospiele geben. Laut Michael Zoratti vom Sicherheitsdienstleister Secureline, in der Stadionkommission des ÖFB für Sicherheit verantwortlich, waren die Begegnungen der Weltmeisterschaft praktisch durchgängig als High-Risk-Spiele eingestuft. "Wir werden das ein bisschen adäquater machen", sagte er im Gespräch mit der APA bei den Österreichischen Sicherheitstagen in Leogang im Pinzgau.

Fußballspiele werden vom Sicherheitsrisiko in "low risk"- (geringes Risiko), "risk"- (normales Risiko) und "high risk"-Begegnungen (hohe Gefährdung) klassifiziert, was eine Auswirkung auf die Zahl der Ordner hat. Bei der Stufe low kommt ein Ordner auf 100 Fans, bei risk lautet das Verhältnis 1:75 und bei high risk 1:50. In Deutschland musste laut Zoratti praktisch bei jeder Begegnung ein Ordner auf 50 Zuseher aufpassen.

Keine personalisierten Karten
Anders als in Deutschland wird es für die EURO auch keine personalisierten Karten geben, sagte der Sicherheitsexperte. Pro Person sollen bis zu vier Tickets abgegeben werden. Der Käufer, dessen Daten bekannt sind, wird für den Verbleib der Karten verantwortlich gemacht.

Überwachung auch in Public Viewing-Bereichen
Für die Public Viewing-Bereiche wird ein Anforderungskatalog geplant, der "in Richtung Stadionkontrolle, also mit Zutrittsüberprüfungen und Zählkarten, wahrscheinlich auch mit Videoüberwachung" geht, kündigte Zoratti an. Auch in diesen Arealen, die nicht unter der Ägide des EM-Veranstalters stehen, werden Ordner für die Sicherheit sorgen, bei denen man ebenso wie in den Stadien darauf achten will, dass das "keine Schlägertrupps sind".

Eigene Schulungen für Ordner
Rund 2.500 der insgesamt 8.000 bis 9.000 Beschäftigten bei privaten Sicherheitsdiensten in Österreich werden dem Experten zufolge bei der EURO in den österreichischen Stadien im Einsatz sein. Dazu kommen "einige hundert", welche die Trainingsgründe und Quartiere der Mannschaften bewachen. Die Ordner erhalten eigens eine Schulung, bei denen neben Personen- und Behältniskontrollen Deeskalationsstrategien im Vordergrund stehen.

Bis 1. April 2007 sollen alle Verträge für die EURO 2008 unterzeichnet sein, sagte Zoratti. "Die Vorbereitungsspiele der Österreicher sollen ab diesem Zeitpunkt bereits mit dem Sicherheitsdienstleister veranstaltet werden, der auch bei der Europameisterschaft zuständig ist." In einem zweistufigen Auswahlverfahren wird der Ordnerdienst, der letztendlich zum Zug kommt, ermittelt werden. "Wir wollen höchste Vergabestandards", erklärte Zoratti.

Hooliganszene "straffer organisiert"
Wer immer sich den Fans bei der EURO gegenüber sehen wird, der muss damit rechnen, dass Hooligans gegenüber früheren Zeiten dazugelernt haben: "Die Hooliganszene ist straffer organisiert", skizzierte es Zoratti. Teilweise hätten sich regelrechte militärische Strukturen entwickelt, bei denen die Führungsebene die "Operationen" genau plant, sich selbst an den Aktionen praktisch nicht mehr beteiligt und sehr arbeitsteilig vorgegangen wird.

Aber in den Stadien selbst sind Ausschreitungen Zoratti zufolge kaum noch möglich, Fans müssen sich dort nicht fürchten. Außerdem: "Man muss unterscheiden zwischen Klub- und Nationalmannschaftsfußball." Die Gewaltbereitschaft sei im Umfeld der Vereine wesentlich höher. Die Szene der prinzipiell gewaltbereiten Kategorie C-Fans wird in Österreich auf etwa 250 bis 300 geschätzt, so der Experte.

(apa/red)