Short-Selling, Credit Default Swaps & Co:
Die Fachbegriffe der Krise auf einen Blick

Die wichtigsten Finanzinstrumente an den Börsen Was hinter Einlagensicherung und Leitzinsatz steckt

Bretton Woods
Im Jahr 1944 wurde im amerikanischen Bretton Woods eine Konferenz über die wirtschafts- und währungspolitische Ordnung nach dem zweiten Weltkrieg abgehalten. Um die Weltwirtschaft dauerhaft zu stabilisieren, Schwankungen des Finanzsystems abzufedern und den Welthandel zu stimulieren wurden die Weltbank (ursprünglich Internationale Bank für Wiederaubau und Entwicklung) und der Internationale Währungsfonds geschaffen. Das Bretton Woods-System sah eine dauerhafte Verzahnung der Währungen seiner Mitgliedsländer vor und währte in dieser Form bis 1973.

Credit Default Swaps (CDS)
Finanzinstitute, die sich gegen ausbleibenden Kreditrückzahlungen von Darlehensnehmern wappnen wollen, sichern sich bei speziellen Versicherungsunternehmen mit sogenannten Credit Default Swaps (CDS) ab. Gegen eine an die Versicherer zu entrichtende Gebühr erhält das kreditgebende Institut Schutz und wird bei Zahlungsunfähigkeit des Darlehensnehmers von dem Versicherer für diesen Ausfall entschädigt. Die Besonderheit liegt darin, dass der Versicherer neben seinem Zahlungsversprechen keine Sicherheiten zurücklegen muss. CDS-Papiere sind zudem frei handelbar und bilden inzwischen einen globalen Markt im Wert von 62.000 Milliarden Dollar, auf dem speziell die Bankenriesen sehr aktiv sind.

Depression
Siehe Rezession

Derivate
Derivate kennzeichnen Finanzprodukte, deren Wert sich vom Marktpreis des zu Grunde gelegten Wertpapieres ableitet. Als Termingeschäfte werden sie durch eine Übereinkunft zwischen Käufer und Verkäufer in der Regel zu einem anderen Zeitpunkt abgeschlossen als erfüllt. Zu Derivaten zählt man Finanzinstrumente wie Futures, Swaps und Optionen, Finanzprodukte, die speziell in den letzten Jahren einen großen Boom erleben.

Einlagensicherung
Die Einlagensicherung bezeichnet einen per Gesetz bzw. auf freiwilliger Basis garantierten Schutz, den Finanzinstitute für bei ihnen deponierte Guthaben (wie z.B. Sparbücher) gewähren. Im Falle der Insolvenz des Instituts wird ein gewisser Anteil (in Österreich für Privatpersonen nun 100%) des eingelegten Geldes erstattet.

EURIBOR
Siehe Leitzinssatz

Geschäftsbank
Als Geschäftsbank wird ein Bankinstitut bezeichnet, das Geschäfte mit Privatpersonen, Unternehmen, öffentlichen Stellen und anderen Banken betreibt. Die Geschäftsbank stützt sich in erster Linie auf Filialgeschäfte, kann speziell im europäischen Raum aber auch am Aktienmarkt aktiv sein. In den USA unterliegt sie ungleich strengeren gesetzlichen Regulierungen als die Investmentbank, darf bei Geschäften nur ein geringeres Risiko eingehen, verfügt allerdings über einen besseren Zugang zu Krediten der Notenbank.

Investmentbank
Investmentbanken sind Finanzinstitute, die in erster Linie im Wertpapierhandel aktiv sind. Sie unterliegen weniger strengen Auflagen als traditionelle Kreditinstitute und können daher Geschäfte mit höherem Risiko eingehen. Während klassische Geschäftsbanken für ihre Kredit- und Einlagegeschäfte auch Eigenkapital vorhalten müssen, lukrieren Investmentbanken das für Investitionen notwendige Kapital primär am Aktienmarkt und reagieren daher auf Einbrüche an den Börsen besonders sensibel.

Leitzinssatz
Der Leitzinssatz bezeichnet die von einer Zentralbank wie der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegte Zinsrate, zu dem Geschäftsbanken Kredite von dieser Zentralbank aufnehmen können. An diesem Zinssatz orientieren sich auch die von Geschäftsbanken an Kunden weitergereichte Zinsen für Privatkredite oder Sparbücher. Neben dem Leitzinssatz der EZB kommt in Europa auch noch der Euro Interbank Offered Rate ( EURIBOR )-Zinssatz zum Tragen, der als Richtlinie für Zinsraten bei Geldgeschäften zwischen einzelnen Geschäftsbanken dient.

Leerverkauf
Siehe Short-Selling

Off-Balance-Sheet
Als Off-Balance-Sheet werden Finanzinstrumente bezeichnet, die nicht in den Unternehmensbilanzen aufscheinen. Speziell Derivate fallen unter diesen Begriff.

Rezession
Schrumpft oder stagniert die Wirtschaftsleistung eines Landes für die Dauer eines halben bzw. eines Jahres, geht man von einer Rezession als allgemeinem wirtschaftlichen Abschwung aus. Liegt ein starkes negatives dauerhaftes Wirtschaftswachstum vor, mündet die Rezession in eine Depression. Die letzte globale Depression ereignete sich im Jahr 1929, als eine Weltwirtschaftskrise ausbrach, deren Auswirkungen bis weit in die 30er Jahre hinein spürbar waren.

Short-Selling
Short-Selling oder Leerverkauf bezeichnet die Methode, ein Wertpapier auszuborgen, es anschließend weiterzuverkaufen und bei niedrigerem Kurs mit Gewinn zurückzukaufen. Der Short-Seller setzt also auf fallende Kurse, da er die Aktie sonst nicht ohne Gewinn zurückkaufen und wieder an den Verborger abtreten kann. Diese Geschäftspraxis kann den Kursverfall einer Aktie entscheidend beschleunigen.

Staatsanleihe
Die Staatsanleihe ist ein fest verzinslichtes Wertpapier, das vom Staat oder einer anderern öffentlichen Körperschaft ausgegeben wird. Da der Staat bzw. die entsprechende Rechtsperson mit der eigenen Bonität für eine größtmögliche Ausfallsicherheit garantiert und gleichzeitig Renditen von bis zu 9 Prozent verspricht, erfreut sich diese Anlageform besonders in Krisenzeiten großer Beliebtheit.

Subprime
Subprime-Anleihen bezeichnen Hypothekarkredite, die Privatpersonen mit geringer Bonität oder schlechtem Einkommen gewährt werden, um Immobilien erwerben oder deren Bau finanzieren zu können.

Subprime-Krise
In den späten 90er Jahren entdeckten US-Finanzinstitute subprime-Anleihen als vielversprechende Geschäftsmöglichkeit innerhalb des Hypothekarmarkts für sich. In der Folge stellten Banken und Hypothekenfinanzierer Privatpersonen Millionen von Krediten zur Verfügung, deren Rückzahlung häufig nicht gesichert war. Im Jahr 2007 stieg der Zinssatz, den Kreditnehmer für ihre Anleihen bezahlen mussten schlagartig, sodass rund ein Viertel ihre Kreditraten nicht mehr bedienen konnten. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach US-Immobilien, wodurch die Immobilienpreise gedrückt wurden und selbst Notverkäufe der Hypothekarkreditnehmer die aufgenommenen Darlehen nicht mehr zur Gänze erstatten konnten. Finanzinstitute, die ihre Aktivitäten auf dem subprime-Segment konzentriert hatten, wurden damit vor schwere Liquiditätsschwierigkeiten gestellt, New Century Financial, First Magnus, Fannie Mae, Freddie Mac und weitere auf den Immobilienmarkt spezialisierte Institute standen vor dem Zusammenbruch. Die enge Verflechtung dieser Institute mit den Aktienmärkten und Banken förderte ein Übergreifen der Liquiditätsengpässe auf andere Märkte und Segmente.

(red)