Shakil Afridi von

Wer Bin Laden verriet

Pakistanischer Arzt in seiner Heimat wegen Landesverrats angeklagt

Shakil Afridi - Wer Bin Laden verriet © Bild: Reuters

US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat erstmals öffentlich eingestanden, dass ein pakistanischer Arzt den USA vor dem Angriff auf Osama bin Laden wichtige Informationen geliefert hat. Shakil Afridi hatte im Auftrag der CIA Impfungen durchgeführt, um so an DNA zu gelangen und die Anwesenheit bin Ladens in seinem Anwesen in der pakistanischen Stadt Abbottabad zu bestätigen. Dort wurde der Al-Kaida-Führer im Mai von einer US-Sondereinheit getötet.

Panetta sagte in der Sendung "60 Minutes" auf CBS, die am Sonntag ausgestrahlt wird, er sei sehr besorgt, weil der Arzt inzwischen in Pakistan wegen Landesverrats angeklagt worden sei. "Ich bin sehr besorgt über das, was die Pakistaner mit diesem Menschen gemacht haben", sagte Panetta.

Afridi habe Erkenntnisse geliefert, die für den Einsatz gegen Bin Laden sehr nützlich gewesen seien, so der Minister. Die pakistanischen Behörden hatten den Arzt festgenommen und wegen Verrats angeklagt.

Panetta gab in dem Interview zu, dass Afridi in Wahrheit für den US-Geheimdienst arbeitete, als er im pakistanischen Abbottabad gesundheitliche Untersuchungen vornahm und DNA sammelte, um die Identität Bin Ladens zu beweisen. Der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida war Anfang Mai des vergangenen Jahres in Abbottabad bei einem Spezialeinsatz von US-Elitetruppen getötet worden.

"Pakistan wusste Bescheid"
Panetta sagte, Afridi habe sich in keiner Weise Pakistan gegenüber verräterisch verhalten. Der Kampf gegen den Terrorismus sei sowohl im Interesse der USA als auch Pakistans. Zugleich sagte der US-Verteidigungsminister, er sei noch immer überzeugt, dass pakistanische Beamte über Bin Ladens Versteck Bescheid wussten. Geheimdienstinformationen zufolge flogen pakistanische Militärhubschrauber über den Wohnkomplex Bin Ladens in Abbottabad. Laut Panetta muss es Kenntnisse darüber gegeben haben, was in dem Anwesen vor sich ging.