"Sexpertin" Janina Lebiszczak im Talk:
Heute startet ihre Erotik-Sendung im Radio

Mit NEWS.at spricht sie über Orgasmen, Tabus & Co. Journalistin nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund

Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin bei NEWS, zuvor arbeitete sie in der Redaktion des Männermagazins "Wiener". Dort entstand ihre Kolumne "Pandoras Box", die sie bis zum Erscheinen ihres gleichnamigen Buches unter dem Pseudonym Pandora Reithermann verfasste. Ab 6. Dezember startet sie mit ihrem monatlichen Erotik-Talk auf Radio "88.6". Jeweils ab 23 Uhr ist die "Sexpertin" live aus dem Funpalast zu hören. Wir haben mit Janina schon zuvor über brisante Themen wie das "erste Mal", den ultimativen Orgasmus oder sexuelle Tabus gesprochen.

NEWS.at: Was erwartet die Hörer bei deinem neuen Talk auf „88.6“?
Janina Lebiszczak: Zunächst bin ich sehr froh, dass ich meine eigene Musik spielen darf. Ich bin nicht unbedingt ein Anhänger von Pop oder House, sondern mag es gern etwas härter. Wir dürfen uns also auf sehr viel Musik von Marilyn Manson, Guns N’ Roses oder Aerosmith erwarten. Außerdem werde ich versuchen, mit meinen Gästen und den Zuhören, die live ins Studio geschalten werden, das Thema Sex nicht auf einer banalen, technischen Ebene zu behandeln, sondern auf einer Ebene die vielleicht etwas mehr ins Philosophische geht. Aber natürlich nicht nur, keine Angst, man wird sicher nicht dabei einschlafen!

NEWS.at: Was macht dich deiner Meinung nach zur „Sexpertin“?
Lebiszczak: Einerseits die Erfahrung, denn ich war kein Kind von Traurigkeit, was man aber nicht mit Promiskuität verwechseln darf. Ich habe mein Leben einfach nur genossen, aber immer mit sehr viel Bedacht. Ich habe mich nicht – wie man altmodisch sagen würde – „hergeschenkt“, sondern ich habe alles mit sehr viel Abenteuersinn und Neugierde genossen. Ich war nicht wahllos, aber einige Zeit sicherlich maßlos. Der zweite Grund, der mich zu einer „Sexpertin“ macht, ist der Umstand, dass ich eine große Humanistin bin. Ich mag die Menschen, Sex gehört nun einmal zum Menschen dazu, ohne Sex wären wir nicht auf der Welt. Ich teile einfach gerne meine Liebe zur Menschheit.

NEWS.at: Gibt es ein Tabuthema, worüber du nicht sprechen bzw. schreiben würdest?
Lebiszczak: Viele denken bei „pervers“ an Auspeitschen, Latex-Klamotten, Anpinkeln oder Ähnliches. Für mich ist das nicht pervers. Für mich ist es in dem Moment pervers, wenn einer der Beteiligten nicht damit einverstanden ist. Darüber möchte ich nicht schreiben, denn das ist definitiv nicht schön. Solange beide Partner sich einig sind, dürfen sie alles machen, was sie wollen. Sie können sich an Frotteehandtüchern reiben, eine „Golden Shower“ nehmen, sich auspeitschen. Sofern es allen Spaß macht, nimmt es vielleicht auch ein wenig die Aggressionen aus dem Alltag und macht sie zu friedlicheren, netteren Menschen.

NEWS.at: Was war denn dein peinlichstes sexuelles Erlebnis?
Lebiszczak: Ich war noch sehr jung, es war in Griechenland. Es war sehr romantisch, ich hatte einen gutaussehenden Engländer oder Australier kennengelernt. Wir gingen wir aus der Bar, bereit uns in Liebe zu vereinen. In der Nähe stand ein Auto, ich legte mich auf die Motorhaube, er sich über mich. Ich sah in den Sternenhimmel, als er mir ins Ohr flüsterte: „Ist es für dich auch so schön wie für mich?“. Ich wusste jedoch noch nicht einmal, dass es schon so weit war. Mir war das sehr ungenehm, da ich den armen Kerl natürlich nicht beleidigen wollte, aber da war einfach nichts, das ich wahrnehmen hätte können.

NEWS.at: Und dein schönstes sexuelles Erlebnis?
Lebiszczak: Das schönste sexuelle Erlebnis ist, auch wenn es altmodisch klingt, mit dem Ehemann. Ich bin frisch verheiratet, das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr aus dem Bett herauskommen, denn wir arbeiten beide sehr viel und sind oft zu müde für Sex, aber wenn es so weit ist, ist es doch sehr, sehr schön.

NEWS.at: Hat sich der Sex innerhalb der Ehe verändert?
Lebiszczak: Ja, es wurde weniger (lacht) . Nein, ernsthaft. Wenn man zusammenlebt, den Alltag miteinander verbringt und nach einem 12-Stunden-Arbeitstag die Sorgen miteinander teilt, ist man nicht unbedingt bereit, sich plötzlich in Reizwäsche zu werfen, um eine Show abzuziehen. Man muss aber eine Show hinlegen, um guten Sex zu haben. Guter Sex funktioniert nicht mit Jogginghose runterziehen und geht schon. Das Geheimnis ist, sich eine Auszeit zu nehmen und ganz klassisch etwa ein Wochenende in einem Hotel zu verbringen, sich Zeit füreinander zu nehmen und etwas zu inszenieren.

NEWS.at: Du redest sehr offen über Sexualität. Könntest du dir auch vorstellen, Nacktfotos machen zu lassen?
Lebiszczak: Ja, durchaus. Allerdings habe ich nicht den Körper einer Ballerina oder eines Playmates, sondern den einer durchschnittlichen Frau, die sehr gerne isst und trinkt. Ich würde es machen, aber ich würde die Fotos nicht herzeigen, die wären nur für mich und meinen Mann.

NEWS.at: Wann hattest du dein „erstes Mal“?
Lebiszczak: Wenn ich daran denke, wann die Teenies heutzutage im Durchschnitt das erste Mal Sex haben, war ich ein absoluter Spätzünder, ich war 17 ½ . Im Gegensatz zu meinen Schulkolleginnen, die sich alle auf einer Klassenreise nach Italien von irgendwelchen Luigis entjungfern ließen, und bei der Heimfahrt große Paranoia hatten, schwanger zu sein, oder sich eine Geschlechtskrankheit geholt zu haben, habe ich mir einen Mann gesucht, in den ich zwar nicht unbedingt verliebt war, der aber furchtbar in mich verliebt war und die Sache mit Kerzenlicht und irrsinnig viel Zärtlichkeit inszeniert hat. Ich fand’s nett, es war aber nicht besonders großartig. Richtig Spaß am Sex hatte ich erst ab Ende 20.

NEWS.at: In Zeiten von Geschlechtskranken wie Aids: Kann es im Eifer des Gefechts schon einmal zu Sex ohne Kondom kommen, oder muss man trotz aller Leidenschaft ganz einfach an Verhütung denken?
Lebiszczak: Das Kondom ist zwar nicht unbedingt der erotischste Gegenstand, aber ehrlich gesagt: Lieber Mützchen nehmen als sterben! Ein Kondom ist das Allerwichtigste! Auch der Umgang damit sollte gelernt sein, Schutz ist ganz einfach das Allerwichtigste, wenn man keinen fixen Partner hat. Einmal habe ich im Eifer des Gefechts auf das Kondom vergessen, daraus habe ich aber eine große Lehre gezogen. Ich bin drei Stunden lang bei der Aids-Hilfe gesessen und habe auf meinen Test gewartet, das werde ich nie vergessen. Es wird mir bestimmt auch nie wieder passieren.

Tanja Böhm