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"Liebe" vor der Kamera:
Das Sexcam-Geschäft boomt

Tausende junge Frauen und Männer nutzen die Portale, um privat dazuzuverdienen

Trend - "Liebe" vor der Kamera:
Das Sexcam-Geschäft boomt © Bild: Getty Images

Der klassische Pornofilm ist mit dem Siegeszug des Internets in eine Krise gerutscht. Doch sogenannte Sexcam-Angebote boomen, in dem am stärksten wachsenden Bereich der Pornoindustrie wurden im Vorjahr drei Milliarden Dollar umgesetzt. Viele der "Models" arbeiten selbständig von zuhause aus, und bessern sich so ihr Einkommen auf.

Ist das Internet der Todesstoß des Pornos? Viele der klassischen Studios mussten aufgrund der Fülle an Gratis-Angeboten im Netz schwere Einbußen hinnehmen. Andere aber haben es geschafft, sich auf die neuen Umstände einzustellen und mit einer Mischung aus Gratis- und Bezahl-Inhalten die Online-Kundschaft von Mitgliedschaften und ähnlichem zu überzeugen. Und ein neuer Zweig des "Geschäfts mit der Liebe" ist durch das Internet überhaupt erst möglich geworden: Live-Videochats. Das sogennannte Sexcam-Business boomt sogar, es handelt sich um den am stärksten wachsenden Teil der Branche. Im Jahr 2016 wurden Schätzungen zufolge weltweit zwischen zwei und drei Milliarden Dollar damit umgesetzt. Hier mischen aber nicht nur große Studios und Konzerne mit, sondern auch zehntausende Private, die selbstständig von zuhause aus "streamen".

Sehr leicht, von zuhause aus zu senden

In den vergangenen Jahren ist es sehr einfach geworden, zum Betreiber seines eigenen Videochat-Kanals zu werden. Ein Computer, eine gewöhnliche Webcam und eine kostenlose Registrierung auf einer der großen Plattformen a la Cam4 oder Chaturbate reichen dafür aus. Das Bezahlmodell dieser Seiten für private Darsteller ist relativ simpel: Sie erhalten von den Nutzern der Plattform Punkte oder Token, die ihnen der Seitenbetreiber dann in Geld umtauscht. Diese Punkte mussten die registrierten Nutzer zuvor beim Betreiber kaufen. Wofür sie ihre Punkte auf die tausenden "Models" verteilen, ist verschieden. Meist sind die Kanäle grundsätzlich "frei", können also gratis von allen angesehen werden. Auch können alle mit dem Model chatten. Will ein Nutzer aber, dass die Darstellerin oder der Darsteller vor der Kamera bestimmte Dinge tut, muss er meist dafür mit "Punkten" bezahlen. Auch private Chats nur mit dem Model sind möglich, kosten aber freilich in der Regel ebenso extra.

Was die Models online tun, ist sehr unterschiedlich. Nicht alle sind zu allem bereit. Manche reden auch oft nur stundenlang mit ihren "Fans" und unterhalten sie auf diese Weise. Natürlich gibt es aber für explizitere Inhalte tendenziell mehr Punkte und damit Geld. Viele Darsteller haben in ihren Profilen regelrechte Listen, was genau wie viele Token "kostet". Die Hintergründe der Darsteller sind divers. Obwohl Osteuropa und Südamerika Hotspots für das Cam-Geschäft ist, kommen aus so gut wie allen Ländern. Auch österreichische Models finden sich auf den großen Plattformen. Studierende sind ebenso darunter wie Angestellte, die sich ihr Einkommen aufbessern wollen. Frauen streamen genauso wie Männer und Paare, die zusammen vor die Kamera gehen. Gemeinsam ist den meisten, dass sie eher jung sind. Fast alle sind unter 30, viele erst Anfang 20. Nur dass alle Models volljährig sind müssen die Seitenbetreiber streng kontrollieren.

Videos können auch im Netz landen

Aber was für junge Menschen oft wie einfacher Weg wirkt, schnell und unproblematisch etwas Geld zu verdienen, hat auch seine Schattenseiten. Nur die wenigsten denken daran, dass sie die beim "Performen" entstandenen Bilder und Videos auch für den Rest ihres Lebens verfolgen können. Es ist zwar grundsätzlich nicht erlaubt, die Videochats aufzunehmen, spezielle Software tut dies aber trotzdem – und die Inhalte landen dann im Internet. Ganze Pornoseiten leben davon, Sexcam-Aufnahmen zu "stehlen". Und was einmal im Netz ist, lässt sich kaum mehr endgültig löschen. Auch zudringliche Fans können zum Problem werden. Die zahlenden Nutzer sind oft einsam, und fixieren sich dann geradezu auf ein Model. Aufforderungen zu persönlichen Treffen, auch gegen Geld, sollte keinesfalls nachgekommen werden.

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