Leben von

"Sex ist wie ein Gummiband"

Ein Interview mit ZDF-Sexologin Ann-Marlene Henning über guten Sex

Make love © Bild: ZDF/Julia Kampe

Die gestern ausgestrahlte Dokumentationsreihe "Make Love – Liebe machen kann man lernen" im ZDF sorgte für Furore. Darin demonstrierte ein Modell-Paar den Zuschauer "wie man mehr Pepp ins Schlafzimmer bringt", Ann-Marlene Henning gab dazu ihr Senf ab. Ein Interview mit der Sexologin, Paartherapeutin und Bestsellerautorin über guten Sex.

Sexuelle Unzufriedenheit belegt Platz 1 in der partnerschaftlichen Problemstatistik. Einerseits werden die eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt, andererseits haben die Partner häufig das Gefühl, dem anderen nicht zu genügen. Für Paare, die in dieser emotionalen Spirale stecken, kann Sex zum Druck werden.

“Verhaltensmuster, die eine Beziehung immer wieder in eine Sackgasse führen, finden öfter unbewusst statt und werden dann jahrelang versehentlich trainiert. Ein Weg heraus kann sein, sich in der konkreten Situation bewusst ein anderes Verhalten anzutrainieren. So wird das Gehirn nach und nach umprogrammiert“, empfiehlt Ann-Marlene Henning. Das funktioniert nicht nur in Konfliktsituationen im Alltag, sondern auch in der Sexualität.

»Als Mann will man's halt echt bringen«

Wie andere mit dem Thema sexuellem Leistungsdruck umgehen, möchte Ann-Marlene Henning von den Spielern einer Fußballmannschaft erfahren und passt die Mannschaft nach dem Spiel in der Kabine ab. “Da macht man sich als Mann manchmal echt selbst den Druck - man will’s halt echt bringen”, meint einer der Spieler.

Sobald ein Paar es schafft, sich vom Leistungsdruck zu verabschieden, eröffnen sich ihm auch sexuell ganz neue Möglichkeiten. Mit einem Modellpaar will Ann-Marlene Henning daher zeigen, wie ein Paar sexuell noch Neues miteinander entdecken kann. Doch wie kann man diese Impulse nach vielen Jahren der Partnerschaft setzen? Darüber spricht Ann-Marlene Henning mit den Holsteiner Landfrauen. “Nicht reden - einfach machen!” ist deren Devise.

Make love
© ZDF/Julia Kampe Das Modell-Paar Daniela, 40 Jahre und Fritz, 54, aus München demonstrierte, wie es geht. Sie sind seit zehn Jahren ein Paar und seit eineinhalb Jahren verheiratet.

Henning im Interview

Was ist guter Sex?
Henning:
Guter Sex ist, wenn beide etwas Schönes spüren!

Warum ist es wichtig, das Thema in einer Beziehung ernst zu nehmen und offensiv anzugehen?
Weil bei Sex und Liebe nicht, wie viele glauben, alles von alleine passiert! Sex und Beziehung sind wie ein Gummiband, mal mehr oder weniger in Spannung. Es kann überspannt sein und natürlich auch schlaff rumliegen. Am besten ist irgendwo in der Mitte. Aber man muss es schon in die Hand nehmen. Und da Sex und Beziehung sich gegenseitig beeinflussen, entsteht sehr schnell ein Teufelskreis des "immer weniger Werdens". Außerdem ist Sex gesund und eine tolle Art von Kommunikation, die urälteste!

Wie machen Sie es, dass sich die Menschen Ihnen derart öffnen?
Ich "mache" nicht, ich "bin". Wenn ich den Vorhang runterfallen lasse, wird Kontakt erst möglich. Dazu bin ich begeisterungsfähig und aufrichtig neugierig; es entsteht eine schöne mitreißende Energie beim Gespräch, die bei den Paaren Hoffnung keimen lässt.

Haben sich die sexuellen Probleme der Menschen, im Vergleich zu Ihren Anfängen als Beraterin, verändert? Wenn ja, wie?
Nein, eher nicht, sondern der Druck von außen ist größer geworden, darunter leiden viele. Zu viel Arbeit, zu viele Impulse, wenig Entspannung und Kontakt. Da hapert es oft mit der Lust. Und viele fühlen sich unzureichend, haben das Gefühl auch im sexuellen Bereich "auf Vordermann" sein zu müssen, es aber nicht zu "bringen".

Was wird für Sie und die Sendung anders durch Ihren Wechsel zum ZDF? Was erhoffen Sie sich?
Dass am Anfang überhaupt öffentlich-rechtliche Sender wagten, über das Thema Sexualität so offen und direkt zu berichten war schön, auch wenn es "nur die Dritten" waren. Dass jetzt das ZDF im Hauptprogramm auch „Lust“ bekommen hat, ist fantastisch, weil wir nun noch mehr Menschen erreichen können!

Was bedeutet für Sie der Satz "Liebe machen kann man lernen"?
Dass alles nicht in Stein gemeißelt ist! Wir wollen mit dem Satz sagen, dass Dinge verändert werden können, dass etwas dazu kommen oder verändert werden kann. Verzweifeln nicht nötig! Gemeint ist allerdings auch, dass nicht alles angeboren ist, quasi wie von alleine klappt, im Gegenteil. Vieles lernt man erst mit der Zeit – und mit der Erfahrung. Und auch wenn alles gut geht: Viele Menschen nutzen nicht ihr "volles erotisches Potenzial".

Folgesendung
Dienstag, 4. August 2015, 22.45 Uhr
MAKE LOVE – Liebe machen kann man lernen
Folge 2: Sex trotz Hindernissen

Kommentare

Naja, warum nicht ? - Nachdem es schon mehr als genug Degenerierte in diesem Lande gibt, kann es ja nichts schaden, Ihnen zu zeigen,
wie man es macht, vor allem richtig ! - Lets make Love but no Babys - oder *Learning by Doing !...

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