"Sex" mit Polizisten, Bohren in der Nase:
"Berlusconi" als Lachnummer im Internet

Double stellt Premier in peinlichen Situationen dar Clips als Marketing-Gag für satirischen Film gedacht

"Sex" mit Polizisten, Bohren in der Nase:
"Berlusconi" als Lachnummer im Internet

Silvio Berlusconi in einem Cafe beim Nasenbohren, inklusive unappetitlicher "Entsorgung"? Ein italienischer Ministerpräsident, der sich am Brandenburger Tor ungeniert erleichtert? Der Mailänder Medienzar, der sich auf der Straße von hinten einer Polizistin nähert und in eindeutig obszönen Posen verharrt? Seit einigen Tagen zirkulieren im Internet Videoclips, die den Politiker in zumindest ungewöhnlichen Szenen zeigen. Die Filme sind natürlich "gefälscht", denn sie sollten eigentlich als Marketing-Gag für eine deutsch-italienische Filmsatire dienen.

Allein, die Macher von "Bye Bye Berlusconi" (Filmstart in Italien und Deutschland am 30. März, noch rechtzeitig vor den Parlamentswahlen am 9./10. April) hatten die Szenen zwar gedreht, sich dann aber entschlossen, sie wegen ihres umstrittenen Inhalts doch nicht zu veröffentlichen - bis auf den Nasenbohrer-Clip. Wie die Filmchen aber dennoch den Weg ins Internet fanden, sei ein Rätsel - zitiert das Hamburger Magazin "Der Spiegel" in seiner Online-Ausgabe Tobias Bauckhage vom Berliner Verleih Jetfilm: "Wir haben zu einem ganz frühen Zeitpunkt eine ganze Reihe von Szenen gedreht, die nie für den Film gedacht waren, sondern für die Promotion. Eine dieser Szenen - die mit dem Popeln (Nasenbohren, Anm.) - können Sie ja auch im Trailer zu unserem Film sehen. Die anderen haben wir aber nie veröffentlicht!"

Filme eigentlich unter Verschluss
Die Videos seien auf Anraten eines Firmenanwalts unter Verschluss genommen worden. "Wie die jetzt ins Netz kommen, ist mir völlig unklar. ... Im Anfang waren natürlich eine Menge Leute beteiligt, und wer da alles eine Kopie hatte, kann ich nicht mehr nachvollziehen", so Bauckhage laut "Spiegel-Online". Trotz dieser Beteuerungen kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass diese Filme dennoch gezielt ins Internet eingeschleust wurden, schließlich sorgten sie sogar beim soeben zu Ende gegangenen EU-Gipfel in Brüssel für Aufsehen bei den Journalisten.

Berlusconi wird in den Videos und im Spielfilm übrigens von Maurizio Antonini verkörpert, der tatsächlich in Rom als Schuhverkäufer arbeitet - seine Ähnlichkeit zum originalen Berlusconi ist tatsächlich verblüffend.

Dass es anfangs Unsicherheit über die Echtheit der Videos gegeben hatte, verwundert nicht weiter. Der echte Silvio Berlusconi ist durchaus für seltsames und deplatziertzes Verhalten bekannt: So reckte im Mai 2005 der umstrittene Politiker bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bozen seinen Mittelfinger in die Höhe, gut sichtbar für tausende Menschen und das Fernsehen. Ein anderes Mal, im Februar 2002, hatte er beim "Familienfoto" der EU-Staats- und Regierungschefs dem damaligen EU-Ratspräsidenten und spanischen Außenminister Josep Pique "Hörner" aufgesetzt. Und im Juli 2003 leistete sich Berlusconi im EU-Parlament einen veritablen Eklat, als er den deutschen SPE-Abgeordneten Martin Schulz mit einem KZ-Aufseher verglich.

Die Filmsatire "Bye Bye Berlusconi", die im Februar auf der Berlinale vorgestellt wurde, ist das Regiedebüt von Jan Henrik Stahlberg, der als Herr Mux in dem Film "Muxmäuschenstill" bekannt geworden ist. Der Streifen sollte ursprünglich schon Anfang März auf der Berlinale-Retrospektive in Turin gezeigt werden. Dagegen hatte die rechtsgerichtete Partei Alleanza Nazionale unter Führung des italienischen Außenministers Gianfranco Fini protestiert.

Berlusconi beim Nasebohren

Berlusconi mit Polizist

(apa)