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Wahnsinn in Genua

Irre Fans rasten im Spiel gegen Siena aus. 50-minütige Unterbrechung folgt.

Serie A - Wahnsinn in Genua © Bild: GEPA/Richiardi/Pin

Für eine 50-minütige Unterbrechung haben als Fußballfans verkleidete Irre in Genua gesorgt. Beim Serie-A-Spiel zwischen Den Gastgebern und dem AC Siena warfen die Wahnsinnigen Rauchbomben und wollten das Spielfeld stürmen. In Deutschland verprügelten Kölner Hooligans den Leverkusen-Spieler Michal Kadlec und brachen ihm das Nasenbein, in Österreich griff ein Rapid-Anhänger Rubin Okotie an - der Fan-Irrsinn hält in Europa also weiter an.

Die Hooligans forderten die Genoa-Spieler auf, ihre Trikots auszuziehen, weil sie der Vereinsfarben nicht mehr würdig seien. Nach Wiederanpfiff der Partie drehten die radikalen Genoa-Fans ihrer Mannschaft den Rücken zu und beschimpften sie mit Sprechchören. Die meisten Zuschauer hatten das Stadion Marassi zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Das Spiel endete mit 1:4.

Italiens Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete verurteilte die Fan-Randale am Sonntag als "inakzeptabel". "Dies sind keine Fußballfans. Solche Leute dürfen nirgendwo mehr ins Stadion", sagte Abete. Die "Gazzetta dello Sport" bezeichnete die Randalierer auf ihrer Internetseite als "Schande" für den Fußball.

Die schlimmste Seite des Fußballs
"Was in Genua passiert ist, zeigte wieder einmal die schlimmste Seite des italienischen Fußballs und dessen moralischen Verfall", schimpfte Gianni Petrucci, Präsident des Nationalen Olympischen Komitee Italiens. Er sprach von einer "Schande für den italienischen Fußball". "Es ist nicht mehr zu tolerieren, dass der Fußball derart in den Schmutz gezogen wird", sagte Petrucci.

Zugleich kritisierte er auch den Verein. Genoa habe ein sportliches Sakrileg begangen, weil sich der Club der Forderung seiner eigenen randalierenden Fans gebeugt habe. Diese hatten die eigenen Spieler genötigt, die Trikots auszuziehen, weil sie nicht mehr würdig seien, diese zu tragen.

Die meisten Profis händigten tatsächlich ihre Trikots an Kapitän Marco Rossi aus, der sie den Anführern der Ultras übergeben sollte. "Damit hat man einer Erpressung nachgegeben", betonte Genuas Polizeichef Massimo Mazza. Er hatte sich vehement gegen die Herausgabe der Trikots ausgesprochen.

Coach gefeuert
Nicht nur die Krawalle sorgen in Genua für Turbulenzen. Am Abend nach dem Spiel wurde überraschend Trainer Alberto Malesani gefeuert. Er wurde nach Angaben italienischer Medien von Trainer Luigi De Canio ersetzt. Der Club hat den Wechsel noch nicht offiziell bestätigt.

Genoa hatte sich bereits im vergangenen Dezember von Malesani getrennt. Ihm war Coach Pasquale Marino gefolgt. Dieser war am 2. April gefeuert und wieder von Malesani ersetzt worden.

Milan schwächelt daheim
Meister AC Milan hatte zuvor im Titelduell mit Juventus Turin einen Rückschlag erlitten. Milan kam zu Hause gegen Bologna nicht über ein 1:1 hinaus. Gaston Ramirez hatte die Gäste in der 26. Minute in Führung gebracht, Zlatan Ibrahimovic rettete den Mailändern mit dem Ausgleich kurz vor Schluss (90.) aber noch einen Punktgewinn. Bei Bologna spielte György Garics durch, der 18-jährige Dejan Stojanovic saß als Ersatzgoalie auf der Bank.

Juventus machte hingegen den nächsten Schritt in Richtung Meistertitel. Die "Alte Dame" fertigte die AS Roma gleich mit 4:0 (3:0) ab und baute den Vorsprung auf Milan nach 33 von 38 Spielen auf drei Punkte aus. Arturo Vidal mit einem frühen Doppelpack (4., 8.), Andrea Pirlo mit einem im Nachschuss verwerteten Elfmeter (29.) und Claudio Marchisio (52.) sorgten für klare Verhältnisse. Roma-Tormann Maarten Stekelenburg hatte nach einem Foul an Marchisio im Strafraum in der 26. Minute die Rote Karte gesehen.

Inter ohne Tor
Vizemeister Inter Mailand war im Mittagsspiel auswärts gegen Fiorentina nur zu einem 0:0 gekommen. Torwart Julio Cesar rettete den Mailändern mit einem gehaltenen Elfmeter zumindest den einen Punkt. Mit 49 Zählern bleibt Inter auf dem siebenten Platz und muss weiter um den Einzug in die Europacup-Wettbewerbe bangen.