"Senatoren" sollen Kanadas Stanley Cup-Pleite beenden: Nur 3 Finalisten in 13 Jahren

Ottawa in Eishockey-Urzeit schon mehrmals Champ Umfrage: Für 15% Ottawa kein kanadisches Team

"Senatoren" sollen Kanadas Stanley Cup-Pleite beenden: Nur 3 Finalisten in 13 Jahren

Die "Senatoren" aus der Hauptstadt sollen es für Kanada endlich wieder einmal richten. Kanada gilt als Mutterland des Eishockey, doch in den vergangenen 13 Jahren ist der Stanley Cup stets in die USA gewandert. Seit 1993, als Rekordsieger Montreal Canadiens zum 24. Mal den begehrtesten Pokal geholt hat, sind die kanadischen Teams in der NHL ohne Erfolg. Was den Finalisten Vancouver Canucks (1994), Calgary Flames (2004) und Edmonton Oilers (2006) nicht gelungen ist, wollen die Ottawa Senators heuer schaffen: Den Stanley Cup zurück holen.

Eishockey ist in Kanada die Sportart Nummer eins und sogar Teil des täglichen Lebens. "Die Winter meiner Kindheit waren sehr lange. Wir haben auf drei Plätzen gelebt - der Schule, der Kirche und dem Eislaufplatz - aber unser wahres Leben war auf dem Eislaufplatz", wird Roch Carrier, der berühmte franko-kanadische Literat und Autor, zitiert. Nicht irgendwo, sondern auf der kanadischen 5-Dollar-Note, die Kinder beim Eishockey zeigt. Nur ein Zeichen, welchen Stellenwert der Sport im Land hat.

Umso mehr hoffen die Fans, endlich wieder einen kanadischen NHL-Champion feiern zu können. International steht Kanada seit wenigen Tagen dort, wo es glaubt, hinzugehören. Bei der WM in Moskau hat "Team Canada" Gold geholt, doch der 24. WM-Titel wurde nicht groß gefeiert. Die Wertschätzung hält sich in Grenzen, wie eine Umfrage der "Ottawa Sun" zeigte. Nur 7 Prozent meinten, dass WM-Gold die wichtigste Goldmedaille ist. Die Junioren-WM wurde mit 13 Prozent viel bedeutender eingeschätzt, Olympia-Gold gewann überlegen mit 73 Prozent.

15 % sehen Ottawa nicht als kanadisches Team
Über all dem steht der Stanley Cup. "Es wäre großartig, wenn wieder ein kanadisches Team den Stanley Cup holen würde. Die Fans wären happy", meinte Ottawas Stürmerstar Dany Heatley, er fügte aber auch hinzu: "Vielleicht die Fans in Toronto oder Montreal ein bisschen weniger." Das trifft wohl auch eine Internet-Befragung der Zeitung "Globe and Mail", bei der 15 Prozent der Teilnehmer angaben, sie würden Ottawa nicht als das kanadische Team sehen.

Dennoch ist etwa Damien Cox, Eishockey-Experte des "Toronto Star", überzeugt, dass sich das ändert, sollten die Senators die Buffalo Sabres ausschalten - vor dem vierten Match der "best of seven"-Serie am führten sie 3:0 - und im Finale gegen die Detroit Red Wings oder Anaheim Ducks spielen. Dann wäre die jüngste Franchise der sechs kanadischen NHL-Klubs die letzte Hoffnung.

Nach 60 Jahren Pause NHL wieder in Hauptstadt
Denn nach 60 Jahren Pause kehrte die NHL erst 1992 in die Hauptstadt zurück. Zunächst mit wenig Erfolg. Vier Jahre lang hatte Ottawa das schlechteste NHL-Team, erst 1997 gelang die erste Playoff-Teilnahme. Seitdem sind die Senators stets dabei, aber noch ohne großen Erfolg. Zwar hat sich Ottawa in der Spitze etabliert und 2002/03 auch den Grunddurchgang gewonnen, war damals beim bisher einzigen Vorstoß ins Conference-Finale allerdings den New Jersey Devils mit 3:4-Siegen unterlegen.

Nun wollen die Senators dort anknüpfen, wo der gleichnamige Vorgängerklub Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgehört hat. Denn in Ottawa, das schon im 19. Jahrhundert mit verschiedenen Klubs um den Stanley Cup gespielt hat, hängen bereits elf Stanley Cup-Banner. Von 1903 bis 1906 haben die Silver Seven viermal triumphiert, von 1909 bis 1927 haben die Senators siebenmal den Pokal geholt. In der Zeit der großen Depression stellten die Senators 1934 den Spielbetrieb aber ein, auch wenn ein damals eingeführter Salary-Cap für Klubs (70.000 Dollar) und Spieler (7.500 Dollar) helfen sollte, die Krise zu überwinden. 60 Jahre herrschte NHL-Pause in Ottawa, ehe der Klub unter dem alten Namen wieder gegründet wurde. 15 Jahre später steht die neue Franchise vor dem größten Triumph.

(apa/red)