Selbstmordattentat bei Cheney-Besuch:
Taliban verüben Anschlag auf den US-Vize

Afghanistan: Dutzende Tote - Cheney aber unverletzt Böses Erwachen: Politiker übernachtete auf US-Basis

Selbstmordattentat bei Cheney-Besuch:
Taliban verüben Anschlag auf den US-Vize

Ein Sprecher der Taliban bekannte sich zu dem Anschlag und betonte, Cheney selbst sei das Ziel gewesen. Dieser war nach amerikanischen Militärangaben allerdings zu keinem Zeitpunkt gefährdet. "Es ist einer unserer Gotteskrieger, der diesen Selbstmordanschlag verübt hat", sagte Taliban-Sprecher Yussuf Ahmadi. Cheney, der inzwischen nach Oman weitergereist ist, äußerte sich mit den Worten, der Anschlag habe dazu gedient, "die Regierung Karzai zu unterminieren".

Die Explosion ereignete sich vor dem ersten Sicherheitstor außerhalb des wichtigsten US-Stützpunkts nördlich von Kabul. Ein kleiner Straßenmarkt vor dem Gelände wurde schwer erschüttert, wie Augenzeugen berichteten. Der Attentäter zündete den Sprengsatz kurz vor dem Abflug Cheneys.

Über die Zahl der Opfer gab es zunächst widersprüchliche Berichte. Während afghanische Beamte von 20 Toten und etwa einem Dutzend Verletzten sprachen, vermeldete die NATO neben 27 Verletzten den Tod zweier Soldaten der internationalen Truppe sowie eines Vertragspartners der US-Regierung. Anrainern zufolge kamen überwiegend Lastwagenfahrer und Tagelöhner ums Leben, die vor dem Stützpunkt auf Einlass oder auf Arbeit warteten. Der Attentäter hatte sich darunter gemischt.

Terrornetzwerk infiltriert Sicherheitskräfte
Der Attentäter habe nicht die geringste Chance gehabt, auf das Gelände zu gelangen, sagte Stützpunktkommandant James E. Bonner. Cheney hatte in Bagram die Nacht verbracht, nachdem starke Schneefälle seine ursprünglich früher geplante Weiterreise im Hubschrauber nach Kabul verhindert hatten.

Der Anschlag in Bagram zeigt nach Ansicht von Experten, dass die Taliban und das Terrornetzwerk Al Kaida die afghanischen Sicherheitskräfte bereits tief infiltriert haben. Ex-General Talat Masood bezeichnete das Attentat als die in dieser Hinsicht "schockierendste Attacke". Cheneys Besuch in Afghanistan sei unangekündigt gewesen.

Taliban planen Großoffensive
Die NATO-geführte Afghanistan-Truppe ISAF rüstet sich derzeit gegen die erwartete Frühjahrsoffensive der Taliban-Miliz. Vor allem im Süden des Landes sind die radikal-islamischen Gotteskrieger seit ihrer Entmachtung Ende 2001 wiedererstarkt. Die afghanisch-pakistanische Grenzregion dient ihnen als Rückzugsgebiet. Presseberichten zufolge baut auch Al Kaida seit einiger Zeit neue Stützpunkte im Westen Pakistans auf, in denen Terroristen ausgebildet würden. Die USA und Afghanistan haben Pakistan wiederholt vorgeworfen, den Anti-Terror-Kampf im Grenzgebiet mit zu wenig Nachdruck zu führen und damit die Anschläge der Extremisten in Afghanistan indirekt zu unterstützen.

Bei einem weiteren Selbstmordanschlag in der südafghanischen Stadt Kandahar wurden Augenzeugen zufolge mehrere Menschen getötet und verletzt.

(apa/red)