Selbstmordanschlag auf Pilger im Irak:
Attentäterin riss 40 Menschen mit in Tod

Unter Opfern sind vor allem Frauen und Kinder Dritter Bombenanschlag innerhalb von drei Tagen

Selbstmordanschlag auf Pilger im Irak:
Attentäterin riss 40 Menschen mit in Tod © Bild: AP/Alhussainey

Eine Selbstmordattentäterin hat im Irak 40 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Die Terroristin mischte sich in der Nähe der Ortschaft Iskanderiya rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad unter eine Gruppe von Frauen, die sich mit ihren Kindern zu Fuß auf den Weg zum Schrein des Imams Hussein in Kerbala (Kerbela) gemacht hatten. Dann zündete sie ihren Sprengstoffgürtel. Es war bereits der dritte Anschlag innerhalb von drei Tagen auf Pilger im Irak.

Nach Angaben der Polizei wurden bis zu 85 weitere Menschen verletzt. Wie Augenzeugen berichteten, setzten die anderen Pilger, ihre Prozession fort, nachdem Sanitäter und Polizisten die Toten und Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser gebracht hatten.

Iskandariya gehört zu einer Region südlich von Bagdad, die vor zwei Jahren noch "das Todesdreieck" genannt wurde, weil damals Aufständische und Terroristen dort viele Anschläge verübten. Auf der Pilgerstrecke herrschen scharfe Sicherheitsvorkehrungen.

Bereits dritter Anschlag auf Pilger
Bereits zuvor war in Kerbala unweit der Imam-Hussein-Moschee ein mit Nägeln durchsetzten Sprengsatz detoniert. Zehn Pilger starben. 56 Menschen erlitten Verletzungen. Am Tag davor waren zwölf Menschen bei einem Anschlag auf Pilger in Bagdad getötet worden. Wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete, starben außerdem zwei Buben, als eine Landmine neben einem Fußballplatz in Iskanderiya detonierte.

Schiiten gedenken Imam Hussein
Die Schiiten gedenken in diesen Tagen des Todes des von ihnen als Märtyrer verehrten Imam Hussein im Jahr 680, als er von Truppen des sunnitischen Kalifen Yazid umgebracht wurde. Hussein war ein Enkel des Propheten Mohammed. Die Feierlichkeiten zum "Arbaien" (der 40. Tag nach seinem Tod) erreichen am kommenden Montag ihren Höhepunkt. Hunderttausende Schiiten sind nach Kerbala unterwegs.

Bei den kommunalen Wahlen im Irak Ende Jänner konnte das schiitische Parteinbündnis von Ministerpräsident Nuri al-Maliki im schiitisch dominierten Süden deutliche Gewinne verbuchen. Grund dafür war wohl unter anderem der Rückgang der Gewalt. Dennoch kommt es immer wieder zu Anschlägen, die oft sunnitischen Extremistengruppen wie dem Terrornetzwerk Al-Kaida zugeschrieben werden. Sie versuchen offenbar, wieder einen konfessionellen Konflikt heraufzubeschwören, der das Land schon einmal vor zwei Jahren fast in einen Bürgerkrieg gestürzt hätte. (apa/red)