Selbstmordanschlag in Kabul: In US-Konvoi mindestens 6 Toter und mehrere Verletzte

Straße zum Flughafen mit Auto in die Luft gesprengt Prinz Williams Ex-Chef bei weiterem Anschlag getötet

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen US-Militärkonvoi in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am dem sechsten Jahrestag des Beginns der US-geführten Afghanistan-Invasion, ein US-Soldat und mindestens fünf afghanische Zivilisten getötet worden. Ein weiterer US-Soldat wurde verwundet. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums war der Attentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in den Konvoi gerast. Zu dem Anschlag bekannten sich die islamistischen Taliban, deren Regime durch die ausländische Intervention 2001 gestürzt worden war.

Bei dem Anschlag auf der stark befahrenen Straße zum internationalen Flughafen von Kabul wurden zwei Militärfahrzeuge und zwei andere Autos durch die Explosion schwer beschädigt, berichtete die Polizei. Der Attentäter sprengte sich in einem Kleinbus in die Luft, wie der US-Sprecher Dean Welch mitteilte. Ziel seien zwei Humvee-Geländewagen gewesen. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahed gab den Namen des Attentäters mit Abdul Rahman Kabuli an. Seine Tat sei Teil der Strategie der Taliban, die Zahl der Selbstmordanschläge während des islamischen Fastenmonats Ramadan massiv zu erhöhen. Zum Zeitpunkt des Anschlags hielt sich der kanadische Außenminister Maxime Bernier in Kabul auf.

Die Taliban-Aufständischen hatten zu Beginn des Ramadan eine Offensive angekündigt. Seitdem hat die Gewalt zugenommen. Die pro-westliche Regierung des Präsidenten Hamid Karzai in Kabul kann sich nur mit Hilfe von 40.000 ausländischen Soldaten halten. Ein Gesprächsangebot Karzais haben die Taliban kürzlich zurückgewiesen. Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung äußerte sich skeptisch zu dem Wunsch Karzais, mit den Taliban zu verhandeln. "Die Voraussetzung für Gespräche müsste sein: Die Taliban müssen der Gewalt abschwören!", sagte Jung der Zeitung "Bild am Sonntag". "Dieser Gewalt werden wir nicht weichen. Der Einsatz unserer Soldaten ist leider mit Risiken für Leib und Leben verbunden. Aber sie sind gut ausgerüstet und haben gelernt, sich bei Angriffen zu verteidigen". Der Minister zeigte sich von einem Sieg über die Taliban überzeugt.

Der deutsche Kommandant der NATO-geführten ISAF-Truppen im Norden Afghanistans, Brigadegeneral Dieter Warnecke, mahnte, der Aufbau von Polizei und Armee müsse schneller vorangehen. "Das ist die größte Herausforderung für das kommende Jahr. Nur so können wir in der Fläche Sicherheit schaffen", sagte Warnecke der "Welt am Sonntag". Am Vortag waren drei Soldaten einer deutschen Bundeswehrpatrouille und ihr afghanischer Übersetzer bei einem Selbstmordanschlag nahe der nordafghanischen Stadt Kunduz leicht verletzt worden.

Prinz Williams Ex-Vorgesetzter tot
Der ehemalige militärische Vorgesetzte und persönliche Freund von Prinz William (25), dem Enkel der britischen Königin, ist bei einer Explosion im Süden Afghanistans getötet worden. Er sei von dem Tod "tief betroffen", teilte der britische Prinz in London mit. Major Alexis Roberts sei ein "guter Freund" gewesen.

Der 32-Jährige, der als Kommandant auf der selben Militärakademie wie William in Sandhurst gedient hatte, war bei einem nicht näher bezeichneten Angriff in der südafghanischen Provinz Kandahar ums Leben gekommen. Er ist der 82. Militärangehörige, den Großbritannien seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 verloren hat.

(apa/red)