Selbstmordanschlag in Kabul fordert 4 Tote: Attentat galt Geheimdienstmitarbeiter

Zwölf Menschen wurden in Geschäftsviertel verletzt

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen hochrangigen Geheimdienstvertreter sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens vier Zivilisten getötet worden. Zwölf Menschen seien bei dem Attentat mutmaßlicher Kämpfer der radikal-islamischen Taliban verletzt worden, teilte der Geheimdienst mit. Unter den Verletzten sei der Geheimdienstmitarbeiter, dem der Anschlag gegolten habe, hieß es. Nach anderen Angaben blieb er dagegen unversehrt.

Augenzeugen berichteten, der Attentäter habe sich auf einem Motorrad in der Nähe von Fahrzeugen von Sicherheitskräften in die Luft gesprengt. Der Anschlag wurde in einem Geschäftsviertel verübt, bevor die Geschäfte öffneten. Sicherheitskräfte riegelten die Gegend ab.

Seit dem Ende des Winters haben die Ende 2001 von einer US-geführten Invasion gestürzten Taliban ihre Angriffe verstärkt. Die Aufständischen greifen vermehrt auf Guerilla-Taktiken wie Selbstmordattentate zurück. Ein ranghoher Taliban-Führer drohte vor wenigen Tagen mit Selbstmordattentaten auf die deutsche Bundeswehr. Deutsche Soldaten sind im Rahmen der NATO-Schutztruppe ISAF im Norden des Landes und in Kabul im Einsatz.

Der Anschlag hatte Kamaluddin Akhikzai, einem Offizier des Nationalen Sicherheitsdirektorates (NDS), gegolten. Akhikzai ist bekannt für sein hartes Vorgehen gegen muslimische Extremisten und Terroristen, die gegen die afghanische Regierung und gegen die ausländischen Truppen im Land kämpfen. Aus Kreisen des Geheimdienstes verlautete, Akhikzai habe Informationen über Taliban-Führer, die von Pakistan aus operieren. Bekannt zu dem Anschlag hat sich bisher allerdings niemand.

Ein Polizeisprecher sagte, der Attentäter sei als Bettler verkleidet gewesen und habe eine Sprengstoffweste getragen. Sein Körper sei bei der Detonation in Stücke gerissen worden. Eine Untersuchung zur Identifizierung des Mannes dauere an. Es war der zweite Selbstmordanschlag in Kabul in diesem Jahr. Am Montag vergangener Woche hatte ein Attentäter einen Konvoi der US-Botschaft in der Hauptstadt angegriffen. Dabei waren der Attentäter getötet und ein amerikanischer Diplomat sowie ein Kind verletzt worden. (APA/red)