Selbstmord von Ex-Serbenführer Babic: Kriegsverbrecher erhängt sich im Gefängnis

Wegen Gräuel in Kroatien zu 13 Jahren Haft verurteilt Babic war in 90ern Führer der Serbenrepublik Krajina

Der ehemalige Anführer der kroatischen Serben, Milan Babic, hat im Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien (ICTY) im niederländischen Scheveningen Selbstmord begangen. Seine Leiche wurde in einer Gefängniszelle aufgefunden, bestätigte das ICTY in einer Aussendung. Der Präsident des UNO-Tribunals, Fausto Pocar, habe eine interne Ermittlung angeordnet. Babic, der vom ICTY wegen Kriegsverbrechen zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war, galt als wichtiger Zeuge der Anklage in mehreren Verfahren gegen hohe serbische Ex-Politiker.

Laut dem Belgrader Sender B-92 soll sich Babic nach ersten inoffiziellen Angaben erhängt haben. Am heutigen Montag hätte er im Prozess gegen den letzten Präsidenten der selbst ernannten Serbischen Republik Krajina, Milan Martic, aussagen sollen. Vorgesehen war eine Befragung seitens der Verteidigung des Angeklagten.

Zudem galt Babic als wichtiger Zeuge der Anklage in den Prozessen gegen die zwei ehemaligen serbischen Polizei-Spitzenfunktionäre Jovica Stanisic und Franko Simatovic sowie im Verfahren gegen den Chef der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei, Vojislav Seselj. Bereits vor drei Jahren sagte er im Verfahren gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic aus.

Nach der Veröffentlichung der Anklage im November 2003 stellte sich Babic freiwillig. Er erklärte sich schuldig, an der Vertreibung der nicht-serbischen Bevölkerung aus der Kraijna teilgenommen zu haben. Der gelernte Zahnarzt erhielt eine 13-jährige Gefängnisstrafe. Das Gericht ging in seinem Urteil über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Mit einer Berufung gegen dieses Urteil scheiterte Babic im vergangenen Jahr.

Babic, 1956 im Dorf Kukor bei Knin geboren, war zu Beginn des Krieges in Kroatien (1991-1995) zunächst Bürgermeister der serbischen Hochburg Knin. Später wurde er zum Präsidenten und Premier der Republik Serbische Krajina ernannt. Diesem international nicht anerkannten Separatstaat wurde durch eine brutale Offensive des kroatischen Militärs 1995 mit anschließender Massenvertreibung ein Ende gesetzt. Der verantwortliche kroatische General für die von den USA unterstützte Operation "Sturm", Ante Gotovina, wurde erst im Dezember 2005 an das UNO-Tribunal ausgeliefert.

Es ist dies der zweite Selbstmord im UNO-Gefängnis in Scheveningen. Im Juni 1998 nahm sich der ehemalige Bürgermeister der ostkroatischen Stadt Vukovar, Slavko Dokmanovic, in einer Zelle das Leben.

(apa/red)