Selbst Spezialisten reagieren verkehrt: Oft falsche Diagnose bei Demenz-Erkrankungen

15 Prozent müssten Lewy-Body-Demenz haben Falsche Behandlung verschlechtert Symptome stark

Die zweithäufigste Form fortschreitender Demenzerkrankungen - die "Lewy-Körper-Demenz" - wird in Österreich selbst an spezialisierten Kliniken offenbar viel zu selten diagnostiziert. Das führt häufig zu einer falschen Therapie und einer dadurch hervorgerufenen Verschlechterung der Symptome, warnten Experten. Ein speziell entwickelter Fragebogen soll nun im Alltag der Ärzte Hilfestellung bieten.

"In Österreich gibt es 96.000 Demenzpatienten. 15 Prozent oder bis zu 14.000 davon müssten Kranke mit 'Lewy-Körper-Demenz' sein. Doch diese Form der Demenz scheint bei weitem unterdiagnostiziert zu sein", sagte ein Neurologe der Grazer Universitätsklinik. Fazit: Es nicht alles "Alzheimer", was nach Hirnleistungsstörung aussieht und keine gefäßbedingten Ursachen hat.

Entscheidend ist die richtige Diagnose vor allem deshalb, weil die fälschliche Diagnose von Morbus Alzheimer die Lewy-Body- Demenzpatienten empfindlich schädigen kann. "Man ersetzt wie bei Morbus Parkinson das Dopamin. Jedes Neuroleptikum (Anti-Psychotikum, Anm.) setzt sich aber auf dieses System drauf und blockiert das Dopamin", so eine Neurologin. Deshalb dürften solche Medikamente gegen psychotische Symptome nur sehr vorsichtig angewendet werden.

Benannt ist die Erkrankung nach dem deutschen Neuropsychiater Fritz Heinz Lewy. Er beobachtete an der Berliner Charité in Gehirngewebe- Schnitten bei solchen Patienten kleine Protein-Kügelchen, die sich nicht wie bei Parkinson-Patienten auf wenige Hirnareale beschränkten, sondern in der gesamten Hirnrinde vorhanden waren.

Die Österreichische Alzheimer- und die Österreichische Parkinson- Gesellschaft haben jetzt ein Konsensusstatement zur besseren Diagnose der Lewy-Body-Demenz erarbeitet. Ein spezieller Fragebogen soll in der täglichen Arbeit der Ärzte eine Hilfe sein.

(apa)